6 Erkenntnisse aus der ersten Cuprunde

Die ersten nationalen Pflichtspiele der National League Klubs sind durch. Wir haben euch einige Erkenntnisse der ersten Cuprunde zusammengestellt:

1. Der Unterschied zwischen der National League und der Swiss League ist riesig

Es ist nicht verwunderlich, dass die Mannschaften der National League die Teams der zweithöchsten Liga schlagen. Doch dass dies so deutlich ausfällt, ist schon sehr auffällig. Fünf Duelle zwischen NL und SL fanden statt. Das Torverhältnis: 27:6. Falls die NL-Teams in Bestbesetzung antreten, und das war gestern der Fall, dürfte es keine Zweifel geben, wer in welcher Liga spielt. Somit dürfte es auch heute Abend keine grossen Überraschungen geben.

2. Davos ist keine Playout-Mannschaft

Gleich mit 1:7 fertigte der HC Davos gestern die GCK Lions ab. Die GCK Lions? Ein Farmteam? Das war ja wohl keine grosse Aufgabe gewesen. Und doch ist es ein wichtiger Sieg der Bündner und ein Statement für die ganze Saison. Wer dachte, dass die Zeiten eines Andres Ambühl, der Gebrüder Wieser und Felicien Du Bois vorbei sind, hat sich geirrt. Genau diese Namen haben fünf der sieben Tore erzielt. Inti Pestoni, der beim ZSC nicht funktioniert hatte, konnte sich in den neuen Farben gleich ein Tor und einen Assist gutschreiben lassen. Perttu Lindgren macht dort weiter, wo er vor seinen Hüftproblemen aufgehört hat: Tore schiessen, Tore vorbereiten und den Mitspielern Freiraum schaffen. Zusätzlich gibt es ja noch den neuen Ausländer Shane Prince. Dieser bereitete gestern fleissig die Tore vor (zwei Assists). Und die Defensive? Nach sieben Toren durfte die Mannschaft von Arno Del Curto dem Gegner sicherlich noch den Ehrentreffer gewähren.

3. National League Underdogs mit starker Defensivleistung

Mannschaften, die mit weniger Talent ausgestattet sind, können es sich im Allgemeinen weniger leisten, viele Tore zu erhalten und diese mit Offensivschwung zu kompensieren. Deshalb gilt für viele finanzschwache Teams, sei es im Fussball oder im Eishockey: Hinten keine Tore erhalten und vorne die wenigen Chancen ausnutzen.

Genau das muss in dieser Saison auch für den HC Ambri-Piotta und die SCL Tigers gelten. Das Spielsystem Ambris ist zwar so ziemlich das Gegenteil von jenem der Tigers, doch für beide gilt das Gleiche: In der Offensive hat man zu wenige Talent, um in jedem Spiel vier, fünf Tore zu erzielen. Deshalb steht hinten am besten die Null.

Im Cup hat das gestern hervorragend geklappt. Ambri gewinnt 5:0 gegen den HC Thurgau aus der Swiss League und Langnau mit 6:0 gegen den EHC Basel aus der MySports League. Daniel Manzato und Ivars Punnenovs konnten ihre ersten Shutouts der Saison feiern und so mindestens ein bisschen Selbstvertrauen für den Ligaauftakt sammeln.

4. Die neuen Genfer Ausländer sind noch nicht auf Touren gekommen

Chris McSorley, der diese Saison wieder an der Bande der Genfer steht, hat im Sommer zwei neue Ausländer verpflichtet, die zuletzt in der NHL engagiert waren und dort zusammengerechnet über 800 Spiele bestritten hatten. Über 800 Spiele in der besten Liga der Welt? Die müssen ja richtig gut sein. Das könnte man meinen, aber sowohl Tommy Wingels als auch Lance Bouma hatten in der NHL immer in den hinteren Sturmlinien ihren Platz gefunden und waren nicht für das spielerische Spektakel zuständig. Auch wenn diese Frage ein bisschen verrückt klingt: Reicht das? Können sie in der eher spielerisch anstatt körperlichen Liga ihr Talent auch ausspielen?

Gestern waren sie nämlich kaum zu sehen. Zwar konnte sich Wingels einen zweiten Assist beim 2:2 und Bouma einen Assist beim 4:2 ins leere Tor gutschreiben lassen, ansonsten war aber nicht viel zu sehen. Für die Genfer bleibt zu hoffen, dass sich die beiden neuen Ausländer schnell an das grosse Eisfeld gewöhnen können.

5. Christoph Bertschy ist definitiv wieder in der Schweiz angekommen

Drei Jahre lang war Christoph Bertschy in Nordamerika tätig gewesen, bis er in diesem Sommer zum HC Lausanne in die Schweiz zurückkehrte. Es stellte sich natürlich wie immer die Frage. Wie gut kann er sich an das grössere Feld gewöhnen? Die Antwort: Ausgezeichnet. In der Vorbereitung konnte er bereits mit mehreren Toren und Assists auf sich aufmerksam machen. Im Cup gelangen ihm nun gleich drei Tore. In seiner letzten Saison in der Schweiz gelangen ihm als 20-Jähriger 33 Skorerpunkte. Was dürfen wir in dieser Saison erwarten, nach drei Jahren Nordamerika und einigen Einsätzen in der NHL?

6. Der Cup soll kein Grümpelturnier mehr sein

In der Vergangenheit wurde der Cup von einigen Vertretern der National League nicht besonders ernst genommen. Teilweise wurden in den Partien gegen Unterklassige die Stars geschont und dafür Nachwuchsspielern Spielpraxis gewährt. Die Fans des HC Davos fühlten sich nach der Cupfinal-Pleite vom vergangenen Jahr sogar zu einem offenen Brief an die Klubverantwortlichen genötigt. Bis auf den SCB sind gestern alle NL Teams in Bestbesetzung angereist. Wir sind der Meinung, dass die Teams genau dies den Fans schuldig sind. Immerhin winkt für den Cupsieger neben Ruhm und Ehre ein Preisgeld CHF 325’000.


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