Auf dem letzten Platz angelangt - Was ist mit Meiers San Jose Sharks los?

In der letzten Saison sind die San Jose Sharks erst im Conference Final am späteren Stanley Cup Sieger St. Louis gescheitert. Momentan befindet sich das Team um Timo Meier allerdings im ungebremsten Sinkflug. In der Pacific Division haben sie die rote Laterne übernommen, ligaweit stehen sie trotz drei Spielen mehr auf dem zweitletzten Platz. Weshalb müssen die Sharks plötzlich unten durch?

Es fehlt an der Breite

Seit dieser Spielzeit ist Erik Karlsson der bestverdienendste Verteidiger der NHL. Der 29-jährige Schwede nimmt in den nächsten acht Jahren 11.5 Millionen US Dollar pro Saison ein. Und er ist nicht der einzige Verteidiger, dem die Sharks einen sehr hohen Lohn bezahlen. Brent Burns mit acht Millionen und Marc-Édouard Vlasic mit sieben Millionen pro Jahr verdienen ebenfalls gutes Geld. Zusammen beanspruchen die drei Verteidiger fast einen Drittel des gesamten Cap Hits. 

Um das Team in der Breite gut aufzustellen, fehlt es dann an Cap Space. Deshalb liest sich die weitere Defensive äusserst bescheiden. Die weiteren Verteidiger - ausser Brendan Dillon (3.27 Mio.) - spielen für unter einer Million im Jahr. Zum Vergleich: Bei den Carolina Hurricanes verdienen alle sechs (Stamm-)Verteidiger mindestens 2.3 Millionen Dollar pro Jahr. Trotzdem wird der Cap Space weniger beansprucht als derjeniger der Sharks. 

Auch in der Offensive sind die Gelder relativ schlecht verteilt: Timo Meier gehört mit seinen sechs Millionen neben Logan Couture (8.0 Mio.), Evander Kane (7.0) und Tomas Hertl (5.625) zu den Grossverdienern. Joe Thornton erhält trotz seinen 40 Jahren immer noch zwei Millionen im Jahr. Die restlichen Stürmer haben maximal noch einen Cap Hit von 1.5 Millionen, wobei nur einer einen Entry-Level-Vertrag hat. 

Timo Meier ist in dieser Saison der teuerste Schweizer Eishockeyspieler. (Richard A. Whittaker/Icon Sportswire)

Ebenfalls ein Beispiel wie es anders geht sind die Montréal Canadiens. Acht Spieler verdienen mindestens 2.4 Millionen pro Jahr. Die drei Spieler, die unter einer Millionen erhalten, besitzen alle noch einen Entry-Level-Vertrag. 

Die ungleichmässige Verteilung des Salary Caps wirkt sich dann natürlich auch auf die Qualität der hinteren Reihen und somit auf das Secondary Scoring, sprich die Torproduktion der hinteren Sturmlinien, aus. Bei den Sharks haben die Grossverdiener mit Ausnahme von Meier und Vlasic zwar eine ordentliche, jedoch keine überragende Anzahl an Skorerpunkten gesammelt. Die Qualität in den hinteren Reihen nimmt dann aber spürbar ab. Die Skorerliste wiedergibt das deutlich: Die Stars des Teams haben vielen Punkte, danach gibt es eine kleine Lücke und dann folgen die wenigen Punkte der Spieler in den Reihen 3 und 4.

Grosse Teams brauchen grosse Torhüter

Wenn man sich die «Star-Power» auf dem Eis anschaut, scheinen die Sharks ein Playoff-Team zu sein. Das Goalie-Duo Martin Jones und Aaron Dell ist jedoch bestenfalls Durchschnitt. Der 29-jährige Jones ist zwar eine solide Nummer 1, jedoch keiner, der sein Team zum Stanley Cup hext. Bereits im letzten Frühling wurde behauptet, dass Jones das Problem «zwischen den Sharks und einem langen Playoff-Run» ist. 

In dieser Saison wird bei den Sharks umso mehr von einem Goalie-Problem gesprochen. Nach zehn Einsätzen weist Jones eine Fangquote von 88.7 % auf. Sein Ersatz Aaron Dell ist nicht mehr als eine mittelmässige Nummer 2 und wehrte in sechs Einsätzen gar nur 87.8 % aller Schüsse ab. Durchschnittlich sind das nur 88.1 % abgewehrte Schüsse, der drittschlechteste Wert der ganzen Liga.

Da der Cap Space bereits ausgenutzt ist und die beiden (vermutlich überbezahlten) Torhüter kaum zu traden sind, gibt es für viele nur eine Lösung: dem jungen Josef Korenar eine Chance zu geben. Das 21-jährige Goalie-Talent wurde vor einem Jahr ungedraftet unter Vertrag genommen und überzeugte bisher in der AHL bei den San Jose Barracuda.

Das schlechteste Team bei numerischem Gleichstand

Ein weiteres Problem der Sharks ist das Spiel bei 5-gegen-5. Nur 23 Treffer bei numerischem Gleichstand sind der schlechteste Wert der Liga, genauso wie die 47 Gegentreffer. So ist es auch wenig erstaunlich, dass praktisch alle Spieler eine erschreckende Plus-Minus-Bilanz aufweisen. Von den regelmässig aufgebotenen Spielern hat einzig Oldie Patrick Marleau eine positive Bilanz (+1). 

Folgende zwei Grafiken zeigen das Problem der Sharks besser auf:

Mangelnde Aufräumarbeit vor dem eigenen Tor

Man darf im Sport nicht jeweils nicht immer nur den Torhütern die Schuld zuweisen. So auch bei den Sharks: Im eigenen Drittel haben sie ihre Gegner meist relativ gut im Griff und lassen auch kaum Schüsse aus der Distanz zu. Doch sobald es zu einem Abpraller kommt, räumen die Verteidiger zu wenig konsequent auf. So lassen sie überdurchschnittlich viele Schüsse rund ums Tor herum zu. 

Zu wenig Druck vor dem gegnerischen Tor

Was die Sharks vor einem Jahr noch ausgezeichnet hatte, gehört nun auch schon der Vergangenheit an. Im Vergleich zur letzten Saison gibt es kaum noch Abschlüsse rund ums Tor herum. Der Gegner übersteht die Abpraller meist schadlos. Dass Timo Meier, der meist genau dorthin geht, wo es weh tut, ausser Form ist, zeigt sich deutlich. 

Bei den Special Teams ist den Sharks jedoch keinen Vorwurf zu machen. Sie haben mit fast 90 % schadlos überstandenen Strafen das beste Boxplay der Liga. Komischerweise lassen sie bei einem Mann weniger auf dem Eis auch kaum Schüsse aus dem Slot zu.  

Die Powerplay-Effizienz von 22 % ist ebenfalls über dem Durchschnitt. Und auch dort erzwingen sie anders als bei 5-gegen-5 überdurchschnittlich viele Abschlüsse im Slot.

So wie St. Louis Blues?

Um sobald wie möglich aus dem Tabellenkeller zu finden, braucht es auch eine Steigerung von Timo Meier. Der 23-jährige Schweizer hat nach 15 Spielen erst schwache zwei Tore sowie zwei Assists auf seinem Konto und liegt damit weit hinter seinen Möglichkeiten. 

Allerdings sind noch über drei Viertel der Regular Season zu spielen und noch ist überhaupt nichts verloren. Möglicherweise haben sich die Sharks die Siege für das nächste Jahr aufgespart und nehmen sich ein Beispiel an den St. Louis Blues. Denn auch die Blues lagen bis zur Jahreswende auf dem letzten Platz ihrer Division und spielten sich schliesslich bis zum Stanley Cup Titel.


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