Christoph Bertschy: Ein zweiter Vermin in Lausanne?

Vor einem Jahr kehrte Joël Vermin von seinem Amerika-Abenteuer zurück in die Schweiz und unterschrieb einen Fünfjahresvertrag in Lausanne. Grosse Erwartungen wurden in ihn gesetzt, denn Lausanne will bekanntlich bis zur nächsten Saison und dem Einzug ins neue Stadion eine potentielle Meistermannschaft zusammenstellen. Wieso also nicht einen gedrafteten Schweizer Nationalspieler, der sich trotz einigen Einsätzen in der NHL (24 Spiele / 4 Assists) nicht durchsetzen konnte, mit ein bisschen Geld zurück in die Schweiz locken? 

Joël Vermin konnte sein volles Potential noch nicht abrufen. (TOPpictures/Alexander Raemy)

Die Erwartungen konnte Vermin bei seinem neuen Arbeitgeber aber (noch) nicht erfüllen. Aufgrund kleiner Verletzungen konnte er im letzten Jahr nur 32 Spiele der Regular Season bestreiten. Obwohl er in diesen zehn Tore und 15 Assists erzielt hat, scheint er noch viel mehr Potential zu haben. Manche Spiele entschied er im Alleingang, in anderen war er kaum zu sehen. Man hat das Gefühl, dass er sein volles Können in Lausanne noch nicht zeigen konnte.

Trotzdem erhielt er im Frühling das Aufgebot für die Weltmeisterschaft. Und genau dort schöpfte er sein volles Potential erstmals seit seiner Rückkehr in die Schweiz aus. Er führte die zweite Sturmreihe an und konnte in zehn WM-Spielen jeweils drei Tore und drei Assists sammeln. So kamen bereits wieder Gerüchte für eine Rückkehr in die NHL auf. Diese verstummten aber schnell wieder: Er spielte zwar keine schlechte Saison in der National League, sie war einfach zu wenig gut.

Bertschys Parallelen zu Vermin

Im Sommer ist Lausanne trotz einer letztjährig enttäuschenden Saison nicht von ihrem Ziel, eine Meistermannschaft zusammenzustellen, abgewichen. So haben sie den nächsten dicken Fisch aus dem Atlantik gezogen: Christoph Bertschy unterschrieb ebenfalls einen Vertrag bis Ende Saison 2021/22.

Yanik Burren im Kampf gegen Bertschy Christoph (TOPpictures/Alexander Raemy)

Die Parallelen zwischen Bertschy und Vermin sind verblüffend. Beide haben in Bern ihr National League-Debüt gegeben, beide sind in den späteren Runden gedraftet worden und beide verbrachten drei Jahre in Nordamerika. Neben ihren historischen Ähnlichkeiten haben sie auch physische Gemeinsamkeiten: Vermin ist 180 cm gross und 87 kg schwer. Bertschy ragt 178 cm in die Höhe und bringt 84 kg auf die Waage. Beide können sowohl als Center als auch als Flügel eingesetzt werden. Für die NHL sind sie wohl zu klein und zu schmal, für die National League sollte es aber definitiv reichen. Der wohl grösste Unterschied zwischen den beiden: Bertschy ist 24 Jahre jung, Vermin mit 26 Jahren schon fast im besten Hockeyalter angekommen.

Nach dem Deutschland Cup scheint die nächste Parallele sichtbar zu werden. Bertschy zeigt seine besten Leistungen und sein volles Können ebenfalls im Nationalteam - und nicht in Lausanne. Dort hat er zwar eine starke Vorbereitung abgeliefert, seit dem Saisonstart aber eher enttäuscht. Nur drei Tore und fünf Vorlagen konnte er in 18 Partien sammeln. Im internationalen Vergleich mit der Nationalmannschaft hat es der 24-Jährige auf ein Tor und vier Assists in drei Spielen gebracht. Er war die klar beste Offensivkraft am Deutschland Cup und kann sich berechtigte Hoffnungen auf weitere Nati-Aufgebote und sogar auf eine WM-Nomination machen.

In Lausanne steckt also sehr viel Potential. Genau so wie in der Nationalmannschaft. Auch wenn der Turniersieg schlussendlich verpasst wurde, das Kader des Deutschland Cups hat gezeigt, dass sich darin mehrere Anwärter auf einen WM-Platz befinden. Patrick Fischer wird seine Auswahl sehr genau bedenken müssen, um erneut in den WM-Final vorstossen und im dritten Anlauf seit 2013 endlich das Gold nach Hause holen zu können.


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