Die Arbeitstiere der National League

Die einen spielen fast die Hälfte eines Eishockeyspiels, andere müssen den grössten Teil des Spielgeschehens auf der Spielerbank verbringen.

Im Eishockey stehen nicht alle Spieler gleich viel auf dem Eis. Die besten Kräfte werden bei einem Rückstand vor allem gegen Ende des Spiels forciert. Die besten Spieler erhalten dann das Vertrauen des Trainers und sollen noch den Ausgleich erzielen. Auf der Gegenseite werden dementsprechend die besten Abwehrspieler aufs Eis gestellt, um dem Druck entgegen zu halten. Wie wird die Eiszeit über die ganze Saison verteilt? Wer sind die sogenannten “workaholic” der National League?

Eines ist auf jeden Fall klar: Es sind die Verteidiger. Die Verteidiger haben im Eishockey immer deutlich mehr Eiszeit als die Stürmer. In der Schweiz wird oftmals mit sieben Verteidigern gespielt. Ambri, Biel, Davos, Fribourg, Genf, Lausanne und Zug bevorzugten in dieser Saison meist einen dreizehnten Stürmer. Für die verbleibenden drei Verteidigerpaare heisst dies natürlich umso mehr Eiszeit.

In der Statistik ist das klar zu sehen. Die acht Spieler mit der meisten Eiszeit sind Verteidiger. Henrik Tömmernes bekommt wie bereits im letzten Jahr auch unter Chris McSorley mit Abstand am meisten Eiszeit. Er steht 24:25 Minuten pro Spiel auf dem Eis. Hinter ihm folgt mit Raphael Diaz der erste Schweizer (22:43). Der Abwehrchef der Zuger ist sich die grosse Belastung noch von der NHL gewohnt. Dort dürfen nämlich nur 18 Feldspieler aufgeboten werden. Für die meisten Teams heisst das vier Sturmreihen und nur noch sechs Verteidiger. Aufgrund des kleineren Eisfeldes sind die Laufwege kleiner und somit geht den Verteidigern weniger schnell die Puste aus.

Hinter Tömmernes und Diaz folgen weitere ausländischen Importspieler: Der Lausanner Jonas Junland (22:04), der Davoser Magnus Nygren (21:56) und der Bieler Anssi Salmela (21:37). Ebenfalls noch gut 20 Minuten Eiszeit pro Spiel erhalten Adam Almquist (Bern), Matthew Gilroy (Lakers), Taylor Chorney (Lugano), Nick Plastino (Ambri) und Jonas Holos (Fribourg).

Die ausländischen Verteidiger erhalten also sehr viel Eiszeit. Während die besten Stürmer bei einer Unterzahl möglicherweise nicht eingesetzt werden, müssen die Topverteidiger unbedingt ran. Einzig Bern und Fribourg setzen Adam Almquist und Jonas Holos in Unterzahl kaum ein. Bei Fribourg überragt sowieso das Verteidigerduo Benjamin Chavaillaz und Ralph Stalder. Sie sind das am meisten eingesetzte Boxplay-Duo der Liga und stehen pro Spiel etwa 3:20 Minuten mit einem Mann weniger auf dem Eis. Fribourg hat aber bis jetzt auch am meisten 2-Minuten Strafen erhalten.

Es sind aber nicht immer die ausländischen Stürmer, die am meisten in Unterzahl eingesetzt werden. Obwohl in Lugano Maxim Lapierre (3:09) und Jani Lajunen (3:16) die Statistik dominieren, kommen oftmals auch Viertlinienspieler zum Einsatz. Sebastien Reuille (ebenfalls Lugano), Sven Senteler, Fabian Schnyder (beide Zug), Flavio Schmutz (Fribourg), Nolan Diem (Langnau) und Mike Künzle (Biel) erhalten alle durchschnittlich über 2 Minuten Eiszeit pro Spiel bei einem Mann weniger.

Fabian Schnyder ist sich nicht zu Schade, auch einmal die Drecksarbeit zu übernehmen. (TOPpictures/Michael Walch)

Im Powerplay sieht die Situation wieder anders aus. Dort werden oftmals die besten Spieler miteinander aufs Eis geschickt. Erst an neunter Stelle befindet sich mit Thomas Rüfenacht der erste Schweizer. Er steht 3:44 Minuten pro Spiel mit einem Mann mehr auf dem Eis. Mit Radek Smolenak (4:19), Henrik Haapala (4:26) und Fredrik Pettersson (4:25) stehen drei Ausländer an der Spitze, die weniger als sechs Partien absolviert haben. Ihre Werte werden sicherlich noch sinken.

Grosse Differenzen in Überzahl gibt es allerdings nicht. Einzig bei Fribourg ist ersichtlich, dass Julien Sprunger deutlich am meisten Eiszeit in Überzahl erhält. So steht er pro Spiel mit 3:30 Minuten klar vor Philippe Furrer (2:59) und Andrey Bykov (2:44). In der National League werden die Topspieler mit Ausnahme von Sprunger kaum in der ersten und in der zweiten Überzahlformation eingesetzt, wie das zum Teil in der NHL der Fall ist.

Je mehr Strafen eine Mannschaft herausholt, desto mehr können die einzelnen Spieler im Powerplay spielen. Deshalb sind die Spieler von Davos und Zug nicht auf den vorderen Plätzen vertreten, da diese Mannschaften bisher am wenigsten Strafen herausgeholt haben. Die meisten Powerplay-Spieler stehen durchschnittlich etwa drei Minuten pro Spiel mit einem Mann mehr auf dem Eis.

Und wie siehts bei 5 gegen 5 aus? Die Verteidiger dominieren auch hier die Statistik. So kann es auch einmal vorkommen, dass Verteidiger Claude-Curdin Paschoud mit 16:00 Minuten drei Minuten mehr bei Gleichzahl auf dem Feld steht wie Stürmer und WM-Silberheld Enzo Corvi.

Die dreizehnten Stürmer oder die Viertlinienspieler erhalten folglich weniger Eiszeit. Der 19-jährige Melnalksnis wurde von den Tigers bisher sechs Mal aufgeboten und erhielt durchschnittlich 1:12 Minuten Eiszeit oder elf Shifts.

Thomas Heinimann brachte es mit Genf sogar auf neun Einsätze und stand 1:41 pro Spiel im Einsatz (31 Shifts). Für diese Spieler geht es aber in erster Linie darum Erfahrungen auf Top-Niveau zu sammeln und diese langsam an die National League heran zu führen.

So ist das Hockeybusiness. Die renommierten Spieler erhalten mehr Vertrauen des Trainers und stehen somit auch mehr auf dem Eis. Die jungen Spieler müssen sich meist hinten anstellen und auf ihre Chance lauern. Dies zeigt sich auch beim Beispiel der ZSC Lions. Der Zürcher Topskorer Jêrome Bachofner darf bisher gerade einmal 9:32 Minuten pro Spiel ran, während Simon Bodenmann trotz seiner nicht einmal halb so guten Skorerausbeute 14:46 Minuten auf dem Feld steht. Bodenmann ist nun eben ein 30-Jähriger Nationalspieler, der in seiner Karriere seine Qualitäten schon bewiesen hat. Falls Bachofner aber so weiterspielt wie bisher, wird er möglicherweise bald das erste Nationalmannschaftsaufgebot bekommen. Somit könnte es für Bachofner in Zukunft auf jeden Fall mehr Eiszeit geben.


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