Die Kanadier haben wir auch letztes Jahr geschlagen - nur funktionierte damals das Powerplay

Heute um 16:15 Uhr trifft die Schweiz im Viertelfinal auf den Sieger der Gruppe A, Kanada. Die Ahornblätter haben noch eine Rechnung offen, dafür wissen die Schweizer, wie siegen.

Was vergangen ist, bleibt Vergangenheit. Trotzdem dürfen wir uns den Blick zurück nicht entnehmen. Vor einem Jahr in Kopenhagen traf die Schweiz im Halbfinale auf Kanada. Es war ein nervenaufreibendes Spiel. Dank Toren von Tristan Scherwey, Gregory Hofmann und Gaetan Haas führte die Schweiz bis kurz vor Schluss mit 3:1. In der 58. hielt die ganze Nation mit weissem Kreuz auf rotem Grund den Atem an: der Anschlusstreffer. Es blieben zwei extrem lange Minuten auf der Uhr. Kanada suchte mit sechs Feldspielern den Ausgleich, fand ihn aber bis zum Abpfiff nicht. Schweizer Sieg und der Einzug in den Final!

Das letztjährige kanadische Team  kann man aber kaum mit dem diesjährigen vergleichen. Nur fünf Spieler sind erneut an der WM dabei: Thomas Chabot, Darnell Nurse, Pierre-Luc Dubois, Kyle Turris und Tyson Jost. Vor allem auf der Torhüterposition scheinen die Kanadier deutlich besser besetzt zu sein. Ansonsten sind sie nominell vermutlich etwas schlechter besetzt als im Vorjahr und haben - auch durch die Verletzung von John Tavares vor WM-Beginn - keine ganz grosse Namen im Team.

Auf Connor McDavid müssen die Schweizer in diesem Jahr nicht aufpassen. (Andre Ringuette/HHOF-IIHF Images)

Nur vier Powerplay-Tore in 35 Versuchen

Bekanntlich sollte man den Tag nicht vor dem Abend loben oder in diesem Fall: kritisieren. Die Schweiz weist an diesem Turnier momentan das viertschlechteste Powerplay auf. Erst vier Treffer sind mit einem Mann mehr erzielt worden, in 35 Versuchen. Damit provozierte die Schweiz zwar am meisten Strafen, was im Hinblick auf den Viertelfinal sicherlich positiv stimmen kann, hatte aber eben auch eine unterdurchschnittliche Effizienz von 11.43 %.

Drei der vier Powerplay-Tore fielen gegen das bereits bei 5-gegen-5 total überforderte Italien und das nominell natürlich ebenfalls deutlich unterlegene Österreich. Analysiert man die Tore genauer, sind es keineswegs typische Treffer in Überzahl. Gegen Italien und Österreich fiel jeweils ein Treffer nach einem Konter und nicht durch schön positionierte und eingeübte Spielzüge. Es waren eher «Zufallstreffer». Das 7:0 gegen Italien kann man schon eher als Powerplay-Tor bewerten. Fiala stocherte die Scheibe nach viel Verkehr vor dem Gehäuse über die Linie. Beim 3:3 Ausgleich von Gaetan Haas gegen Schweden war das Powerplay aufgestellt. Mit einem präzisen Abschluss gelang somit das vierte und bisher letzte Powerplay-Tor.

Der grosse Unterschied im Vergleich zum Vorjahr

Vor einem Jahr war die Schweiz das drittbeste Powerplay-Team am Turnier. Satte elf Treffer in Überzahl erzielte das Team von Patrick Fischer in Kopenhagen. Dafür hatte man nur 33 Versuche benötigt. Gegen Kanada schoss man im Halbfinal zwei der drei Tore mit einem Mann mehr auf dem Eis, obwohl es nur drei Möglichkeiten gegeben hatte. Ohne die Effizienz in Überzahl sind die Kanadier nur sehr schwer zu besiegen. Um in den Halbfinal einzuziehen, wird heute mindestens ein Tor in Überzahl nötig sein. Die Special Teams machen bekanntlich am Ende den Unterschied aus.

Die Schweizer wissen, wie die Kanadier zu besiegen sind. Das haben sie vor einem, aber auch schon vor zwei Jahren in der Gruppenphase gezeigt. Und zudem fehlt Kanadas Topskorer Anthony Mantha wegen einer Sperre. Deshalb darf man optimistisch sein, dass dieser Treffer in Überzahl endlich gelingen und die Schweiz in den Halbfinal einziehen wird. Das Powerplay sah gegen Tschechien keineswegs schlecht aus. Die Scheibe muss einfach einmal ins Tor fallen, um den Bann zu brechen. Wichtig wird vor allem wieder sein, dass Haas und Ambühl die Bullys gewinnen. So können wertvolle Sekunden für den Aufbau des Powerplay gespart werden.

Na dann, lassen wir Kanada mit dem dritten Sieg in Serie zu unserem Lieblingsgegner werden! 


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