Die Ticino Rockets und das Schicksal des Farmteams

Die Ticino Rockets sind nach einer überraschend guten ersten Saison auf dem Boden der Realität angelangt. Es droht ein weiteres Jahr als abgeschlagenes Schlusslicht in der Swiss League.

Der HC Biasca Ticino Rockets war vor drei Jahren von Ambri-Piotta, Lugano, Biasca und Bellinzona als Farmteam gegründet worden. Mehrheitsaktionär mit 51 % ist Ambri. Die Ziele des Vereins waren von Anbeginn klar: Den jungen Talenten - allen voran den Tessinern - Spielpraxis zu garantieren. Ein potentieller Aufstieg oder eine Playoff-Qualifikation waren weder in naher noch in ferner Zukunft als Ziel gesetzt worden. Es ging rein darum, den Nachwuchsspielern Eiszeit in der zweithöchsten Schweizer Liga zu gewähren, damit sie später den Sprung in die National League schaffen können.

Schaut man sich das Kader von Ambri und Lugano an, ist dies nach zwei Jahren bereits sehr gut gelungen. Im Ambri haben sich die Verteidiger Isacco Dotti (25) und Christian Pinana (21) und die Stürmer Noele Trisconi (22), Tommaso Goi (28), Patrick Incir (24) und Elia Mazzolini (22) über die Rockets einen Platz im Kader der Leventiner erkämpft. Zudem durften Misha Moor (21), Christian Stucki (26) und Dario Rohrbach (20) ebenfalls National League-Luft schnuppern.

Christian Pinana konnte sich über die Rockets in Ambri aufdrängen. Momentan ist er verletzt. (TOPpictures/Andre Grossenbacher)

In Lugano sieht es ähnlich aus: Ersatztorhüter Stefan Müller (22), Elia Riva (20), Lucas Matewa (19), Matteo Romanenghi (23) und Loic Vedova (21) sind mittlerweile im erweiterten Kader des HC Lugano vorhanden.

Davos macht seit dieser Saison auch mit

Die guten Entwicklungen der Talente hat aber auch seinen Nachteil. Durch das Aufrücken der besten Spieler in die «A-Mannschaft» kann bei den Ticino Rockets kein Leistungsniveau gebildet werden. Die Mannschaft verliert Jahr für Jahr ihre besten Spieler und wird mit Spielern von den Elite A-Junioren aufgestockt. In diesem Sommer hat sich der HC Davos diesem Projekt angeschlossen, um die Mannschaft quantitativ als auch qualitativ zu verstärken.

Viel besser sieht es im Vergleich zur letzten Saison aber nicht aus. Neun Punkte hat der HC Biasca Ticino Rockets in 17 Spielen gesammelt. Jeweils 2:4 gewannen sie gegen die GCK Lions, die EVZ Academy und den EHC Winterthur, in den restlichen Partien setzte es oftmals Kanterniederlagen ab. In zwei Vergleichen mit dem EHC Kloten summierte sich das Torverhältnis auf 1:16.

Die Torhüter haben nicht immer gut lachen in Biasca. (TOPpictures/Andre Grossenbacher)

Die Ausländer machen es aus

Um den Spielern keine Einsatzminuten zu klauen, haben sich die Verantwortlichen Biascas entschieden, keine Ausländer einzusetzen. Dabei könnte man so einfach einen fünften Ausländer von Ambri oder Lugano mit einer B-Lizenz ausstatten. In der zweithöchsten Liga sind die Ausländer einfach essentiell. Ein Spieler mit Schweizer Lizenz befindet sich in der Skorerliste in der Top 10. Die Statistik «Punkte pro Spiel» wird von den Ausländern dominiert.

Spätestens in der nächsten Saison muss sich Biasca etwas überlegen. Denn dann können sie absteigen. Bisher war dies aufgrund einer Regelung bis zur nächsten Saison nicht der Fall. Spielen sie mit dem gleichen Punkteschnitt weiter wie momentan, werden sie erneut 23 Punkte sammeln können. Es wäre keine Steigerung zur letzten Saison und erneut deutlich der letzte Platz.

Weshalb spielt die Mannschaft so unkonstant?

Nach einer guten Leistung setzt es oft eine Kanterniederlage ab. Gegen La Chaux-de-Fonds oder Ajoie war man in einigen Spielen dank guten Leistungen nahe dran, doch darauf folgten trotzdem wieder hohe Kanterniederlagen. Woran liegt das? Weshalb findet die Mannschaft keine Konstanz?

Ambri, Lugano und Davos können jeweils einen wieder genesenen oder überzähligen Spieler für mehrere Spiele ins Farmteam schicken, dass dieser wieder den Rhythmus aufnehmen kann. So haben Yannick Frehner, Tino Kessler, Davyd Barandun (alle Davos), Alessandro Chiesa, Loic Vedova (Lugano), Johnny Kneubühler und Elia Mazzolini (beide Ambri) schon einige Einsätze im Farmteam bestritten. Dies führt natürlich dazu, dass sich in Biasca keine konstanten Sturmreihen und Abwehrpaare bilden.

Tino Kessler konnte in Biasca mit vier Toren in ebenso vielen Spielen ordentlich Selbstvertrauen tanken. (TOPpictures/Sergio Brunetti)

Wie lange können die Rockets in der Swiss League noch jubeln? (TOPpictures/Sergio Brunetti)


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