Drei positive und negative Aspekte des Niederreiter-Trades

Nino Niederreiter wurde gestern Mittag (amerikanische Zeit) von den Minnesota Wild zu den Carolina Hurricanes getradet. Welche Auswirkungen hat der Trade auf den Schweizer?

1. Neues Team, neuer Ort, neues Glück?

Seit seinen Verletzungen am Knöchel Ende 2017 und am Unterkörper Anfang 2018 hat Nino Niederreiter seine beste Form im Trikot der Minnesota Wild nie mehr richtig gefunden. Obwohl er im vergangenen Frühling erneut eine sehr starke Weltmeisterschaft abgeliefert und sich zum zweiten Mal WM-Silber erspielt hatte, fand der Flügelstürmer auch in der neuen Saison nicht zu seiner früheren Form. Neun Tore und 14 Assists in 46 Spielen sind zwar ordentliche Zählen, doch für sein Gehalt schien immer mehr möglich zu sein.

Nun wird er ab sofort im Trikot der Carolina Hurricanes auflaufen. Dort kann er einen Neustart beginnen. Dies hat schon manch einem Spieler zu einer konstanten Leistungssteigerung geholfen. Auch Niederreiter hat bereits von einem Trade profitiert, als er 2013 zu den Wild getradet wurde und sich dort zu einem ausgezeichneten Spieler entwickelte. Nun könnte ihm sogar noch ein weiterer Schritt gelingen.

Aber: Der Wechsel könnte auch noch mehr Druck aufsetzen

Zwar kann Niederreiter bei einem Neustart vorerst mit weniger Druck auftreten, über längere Zeit könnte aber auch das Gegenteil geschehen. Nach Jordan Staal, der aktuell verletzungsbedingt ausfällt, ist der Schweizer der zweitteuerste Stürmer im Kader der Hurricanes (5.25 Mio pro Jahr). Von ihm werden deshalb auch Punkte erwartet. Wenn die Pucks nicht in den ersten Spielen in den Kasten fallen, könnte er sich dadurch bereits am Anfang verkrampfen. Die ersten Punkte heute Abend gegen die Ottawa Senators wären also sicherlich von Vorteil.

Die Gehälter der Stürmer der Carolina Hurricanes für die Saison 2018/19. Es fehlt Jordan Staal mit 6 Millionen Dollar pro Jahr. (capfriendly.com)

2. Die Offensive von Carolina ragt nicht gerade heraus

Schaut man sich die Verteilung der Gehälter in Carolina an, ist die Offensive nicht gerade das Prunkstück der Organisation. Durch den Ausfall von Jordan Staal zahlt man am wenigsten Gehälter der Liga für die Offensive. Nur gerade 22.6 Millionen Dollar verdienen die 13 aktiven Stürmer im Kader. Zum Vergleich kassieren die sechs Verteidiger 26.7 Millionen Dollar. Das zeigt, wie schlecht die Offensive in der Breite besetzt ist. Allerdings sind die beiden grössten Offensivtalente im Team noch mit einem Entry Level Vertrag bedient.

Niederreiter verstärkt das Team allemal. Er kann gut und gerne bis zu 60 Punkte pro Saison erzielen, wenn er auch richtig eingesetzt wird. An den Weltmeisterschaften hat er immer wieder gezeigt, dass er zur absoluten Weltspitze gehört. Nun muss er die fünftschlechteste Offensive der Liga (125 Tore) ankurbeln.

Aber: Carolina hat bereits starke Flügelspieler in den Top Six

Dass die Carolina Hurricanes einen Flügelspieler mit dem Center Victor Rask traden, kommt doch überraschend. Denn die Flügelpositionen in den Top Six sind eigentlich gut besetzt. In der ersten Linie ist das finnische Duo mit Sebastian Aho (21) als Center und Teuvo Teravainen (24) auf dem rechten Flügel gesetzt. Michael Ferland (26) war bisher eine gute Ergänzung.

In der zweiten Linie ist der 37-jährige Veteran und Captain Justin Williams auf dem rechten Flügel gesetzt, da er der einzige Stürmer als Rechtsausleger im Kader ist. Auf dem linken Flügel spielte bisher der Nummer 2 Pick des diesjährigen NHL Drafts Andrei Svechnikov. Da dem 18-jährigen Russen gemeinsam mit Aho die Zukunft gehören wird, ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass er weniger Eiszeit erhalten wird. Durch den Ausfall von Staal fehlt den Hurricanes eigentlich ein zweiter Top Six Center.

Das Powerplay wird der Schweizer auf jeden Fall verstärken, auch wenn es am Ende nur die zweite Formation sein sollte. Denn wie bereits erwähnt, fehlt den Hurricanes die Torproduktion in den Bottom Six und somit auch in der zweiten Powerplay-Linie.

In seiner besten Saison hat er 57 Punkte erzielt: Nino Niederreiter. (David Berding/Icon Sportswire)

3. Carolina braucht die Leute vor dem Tor

Niederreiter ist dafür bekannt, dass er auch dorthin geht, wo es weh tut. Dies ist natürlich meistens vor dem gegnerischen Tor. Der Bündner war in seiner Zeit in Minnesota oftmals vor dem Tor platziert und drückte die Abpraller über die Linie. Zudem lenkte er im Slot immer wieder Schüsse von der blauen Linie gefährlich ab.

In Carolina sind diese Eigenschaften umso mehr gefragt. Denn sein neues Team schiesst hinter den San Jose Sharks am zweitmeisten der Liga auf das gegnerische Tor (1680 Schüsse). Je mehr Schüsse aufs Tor fliegen, desto mehr Pucks können abgelenkt werden und desto mehr Abpraller werden provoziert. Für genau diese «dreckigen» Tore kann Niederreiter verantwortlich sein.

Aber: Wird er überhaupt in dieser Position eingesetzt?

Carolina hat einige grosse Spieler im Kader, welche die Position vor dem Tor ebenfalls besetzen können. Möglicherweise will Trainer Rod Brind’Amour auf andere Qualitäten Niederreiters setzen. Der Schweizer ist ja auch stocktechnisch auf sehr hohem Niveau und kann mit dem Puck in die Zone fahren.

Allerdings wäre dies eine Verschwendung sowohl für Niederreiter als auch für die Hurricanes. Doch schlussendlich kann dies nur der Trainer entscheiden.

Der Trade kann sich positiv auswirken - muss aber nicht

Vieles hängt natürlich auch vom Wechsel seines Umfeldes ab. In Minnesota sind es arktische Verhältnisse mit durchschnittlichen Temperaturen von unter Minus 10 Grad Celsius. In Carolina herrschen durch die Nähe zum Atlantik mediterrane Temperaturen bis zu 10 Grad Celsius. Ob dem Bündner die sommerlichen Verhältnisse liegen?

Ansonsten haben beide Parteien nichts zu verlieren. Carolina hat die Gehaltsgrenze noch lange nicht erreicht und kann sich deshalb einen Niederreiter ohne Frage leisten. Andererseits war klar, dass Niederreiter mit weniger überzeugenden Leistungen auf lange Sicht in Minnesota nicht glücklich werden kann.

Wir werden sehen, wie es mit unserem zweifachen WM-Silberhelden weitergeht.


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