Ein Vergleich zwischen dem Start der letzten und der diesjährigen Saison

Ein Fünftel der Regular Season wurde absolviert. Wie gut sind die Teams im Vergleich zur letzten Saison gestartet? Welche Tendenzen sind nach zehn Spielen auszumachen?

Das Ziel jedes Sportchefs ist es, seine Mannschaft in der Sommerpause so gut wie möglich zu verstärken. Dazu zählen gut durchdachte Vertragsverlängerungen, kluge Griffe auf dem Transfermarkt und passende ausländische Verstärkung. In diesem Sommer wurden von den Sportchefs knapp hundert Transfers getätigt. Auf dem Papier zählten Fribourg und Lausanne, die mit Reto Berra und Christophe Bertschy zwei NHL erprobte Schweizer an Land ziehen konnten, sicherlich zu den Gewinnern.

Reto Berra wurde als Hoffnungsträger zu Fribourg geholt. (TOPpictures/Andy Buettiker)

Eishockey basiert aber nicht nur auf den Einzelspielern, sondern auch auf dem Kollektiv. Wie harmonieren die Zuzüge mit den langjährigen Leistungsträgern? Wie verstehen sich die Mitspieler in der Kabine und in der Freizeit? Denn ohne starken Teamzusammenhalt und gegenseitigen Anschuldigungen ist noch niemand Meister geworden. Ein gutes Beispiel dafür ist der Saisonstart der San Jose Sharks. Das Team von Timo Meier hat mit Brent Burns und Erik Karlsson zwei der besten Verteidiger der Welt im Kader. Dazu kommen hervorragende Offensivkräfte wie Logan Couture, Tomas Hertl, Evander Kane und Joe Pavelski. Alle haben schon mehrmals über 50 Punkte in einer Saison erzielt. Trotzdem läuft es denn Sharks noch nicht nach Wunsch. Nach sechs Spielen stehen sie mit nur sechs Punkten da. Klar, die Saison ist noch jung und Karlsson muss sich in seinem neuen Team erst noch eingewöhnen. Und dennoch zeigt es: Hervorragende Einzelspieler garantieren noch keinen Erfolg.

Wie sieht also die Tabelle im Vergleich zur letzten Saison nach zehn Spielen aus? Konnten sich die Neuzugänge gut integrieren und sieht man bereits die Handschrift der neuen Trainer? Für die nominellen Playout-Kandidaten ist ein starker Saisonbeginn Pflicht, wollen sie bis zum Ende der Regular Season um die Playoff-Plätze mitreden. Für Teams wie Bern und Zürich spielen die Qualifikationsrunden eine weniger grosse Rolle, zumal beide schon von achten bzw. siebten Platz aus Meister geworden sind. Und für die Playouts haben sie schlicht zu viel Talent.

Die folgende Graphik zeigt den Vergleich nach zehn Spielen zwischen der letzten Saison und dieser Saison. Grün sind die dazu gewonnenen Punkte in dieser Saison. Rot sind die verlorenen Punkte verglichen mit letzter Saison. Die Graphik ist mit Vorsicht zu betrachten, da Zürich, Ambri und Lugano jeweils ein Spiel weniger, Genf ein Spiel mehr bestritten hat.

 

Auffallend sind die drei Teams unter dem Strich. Davos hat nicht einmal mehr die Hälfte der Punkte der Vorsaison auf dem Konto. Die sportliche Führung wusste von Saisonbeginn an, dass man in den nächsten Jahren aufgrund der Sparmassnahmen wegen des Stadionumbaus kleinere Brötchen backen muss. Mit so einem drastischen Zusammenfall hat jedoch niemand gerechnet. Über keine Mannschaft wurde nach zehn Spielrunden schon so viel geschrieben wie über den HCD: Lottergoalie, zu junge Hintermannschaft, fehlende Leistungsträger, Überschreiten des Zenits, Trainerproblem. All diese Worte wurden in den vergangenen Wochen in den Mund genommen.

Schlussendlich ist eines klar: Eine Mannschaft ist nur so stark wie das schwächste Glied. Steht die Verteidigung nicht am richtigen Ort, kann auch der beste Goalie nichts mehr ausrichten. Anders Lindbäck ist kein überragender Torhüter, die Davoser Krise darf man aber nicht nur auf ihn abschieben. Bei den Bündnern läuft derzeit vieles nicht nach Wunsch. 

Im Sommer hat Lausanne wie schon die Jahre zuvor auf dem Papier extrem aufgerüstet. Robin Grossmann, WM-Silberheld von 2013, Ronalds Kenins, langjähriger lettischer Nationalspieler mit Schweizer Lizenz und Christophe Bertschy, Amerika-Rückkehrer mit NHL Einsätzen, haben das Team verstärkt. Die Milliardäre im Rücken der Waadtländer haben sich den Saisonstart aber sicherlich anders vorgestellt. In der Vorsaison hat Lausanne nach einem starken Start immer mehr nachgelassen und musste sich schlussendlich mit Rang 10 begnügen. Bis jetzt  sieht es für das Team von Ville Peltonen nicht viel besser aus.

Christophe Bertschy ist mit einem Tor und drei Assists noch nicht so richtig in der Schweiz angekommen. (TOPpictures/Alexander Raemy)

Lausanne hätte ohne Zweifel mehr Potential als nur Rang zehn. Und doch ist es schön zu sehen, dass sich der Erfolg mit Geld nicht so leicht kaufen lässt. Heute Abend steht das richtunggebende Spiel gegen Ambri an. Verlieren die Lausanner zum sechsten Mal in Folge, wird sich bald einmal die Trainerfrage stellen.

Genf musste mit Damien Riat und Romain Loeffel im Sommer zwei Leistungsträger abgeben, deren Punkteausbeute mit den Zuzügen nicht kompensiert werden konnte. Dennoch hat man das Gefühl, dass Chris McSorley den Genfer wieder neues Leben eingehaucht hat. Servette hat zuhause bisher noch keines seiner sechs Spiele verloren, auswärts haben die Grenats dafür keinen einzigen Punkt geholt. Mit sechs Siegen aus elf Spielen haben die Genfer einen sehr guten Start hingelegt, obwohl nach den Ausfällen von Wingels und Bouma lange Zeit nur zwei Ausländern zur Verfügung standen.

Für die ZSC Lions wird diese Saison vermutlich ruhiger verlaufen, auch wenn sie bisher noch nicht komplett überzeugen konnten. Bern und Zug sind wie immer in den letzten Jahren sehr solide und werden vermutlich erneut um den Qualifikationssieg spielen.

Lugano und Fribourg stehen derzeit im grossen Ungewissen. Für beide könnte der Weg entweder weit nach oben, oder weit nach unten führen. Fribourg, dass sich einen Platz in den Top Fünf als Ziel gesetzt hat, ist momentan noch unter den Erwartungen. Lugano hat bisher am wenigsten Schüsse auf das gegnerische Tor abgefeuert und wies immer wieder defensive Mängel auf.

 

Nachdem die Lakers letztes Jahr in der Swiss League mit neun Siegen aus zehn Spielen in die Saison gestartet sind, läuft es in der National League genau umgekehrt. Nach zehn Spielen steht der Aufsteiger mit ernüchternden drei Punkten da. Kein Spieler der Lakers konnte bisher über sich hinauswachsen und für regelmässige Torgefahr sorgen. Deshalb stehen die St. Galler nach 10 Spielen erst mit neun Treffer da.

Biel hat den stärksten Saisonstart seit Jahrzehnten hinter sich. Trotzdem haben sie sich gegenüber dem letzten Jahr nicht grossartig gesteigert. Denn auch damals starteten die Bieler sehr gut, wie folgende Graphik zeigt.

(Mit einem Klick auf die Mannschaft lässt sich die jeweilige Linie ausblenden.)

Nach etwa acht Runden brach Biel ein, fiel in Runde 22 sogar unter den Strich und entliess den Trainer. Dieses Jahr scheinen die Bieler mit den Zuzügen von Brunner, Hügli, Künzle und Riat aber um einiges stabiler und ausgeglichener zu sein.

Nach einem Fünftel der Qualifikation hat man das Gefühl, das die National League noch ausgeglichener ist als letztes Jahr. Die Tigers, Ambri und Genf stehen allesamt noch auf einem Playoff-Platz. Vermeintliche Titelanwärter wie Lugano und Lausanne haben ihr Potential noch nicht ausgeschöpft und befinden sich unter dem Strich. Davos lässt immer mehr nach, doch unter Arno Del Curto kann man sie bis vor Schluss nicht abschreiben.

Wir freuen uns auf den weiteren Verlauf der Saison 18/19!


Leser-Kommentare