Fischer vor schwieriger Entscheidung: Wen schmeisst Andrighetto aus der Startaufstellung?

Am Sonntag traf der aus den NHL-Playoffs ausgeschiedene Sven Andrighetto in Bratislava ein. Am Dienstag wird er gegen Österreich wohl zum ersten Einsatz kommen. Doch wer muss für ihn weichen?

Die Nati startete ausgezeichnet in die Weltmeisterschaft 2019. Mit einem 9:0 gegen Italien und einem 3:1 gegen Lettland ist der Weg für den Viertelfinal geebnet. Nun stösst mit Sven Andrighetto ein weiterer Spieler aus der NHL (der fünfte insgesamt) zum Team. Da bisher in beiden Partien 20 Feldspieler aufgeboten worden sind, muss nun einer dem NHL-Stürmer Platz machen.

Dass Patrick Fischer vor einer sehr schwierigen Entscheidung steht, kann nur positiv gesehen werden. Keiner der bisher 20 eingesetzten Spieler fällt gross ab. Die Linie mit Gregory Hofmann und Lino Martschini auf den Flügeln und Neuling Philipp Kurashev als Center funktioniert bisher sehr gut. Der 19-jährige Kurashev fällt vor allem mit seiner Stocktechnik und der Spielübersicht auf. Er tut der Nati sicherlich gut.

Die Linie um Nico Hischier, Kevin Fiala und Vincent Praplan hat bisher ebenfalls abgeliefert und am meisten Tore erzielt. Praplan, der die ganze Saison in der AHL verbracht hat, wäre sicherlich ein Kandidat, um durch Andrighetto ersetzt zu werden. Dies scheint aber ziemlich unwahrscheinlich, zumal er auch schon vier Punkte auf seinem Konto hat.

Vincent Praplan geht an der WM auch oftmals dorthin, wo es weh tut. (Andre Ringuette/HHOF-IIHF Images)

Simon Moser wird dank seiner Postur ebenfalls gesetzt sein. Kein anderer Schweizer Stürmer kann die Drecksarbeit vor dem gegnerischen Tor so gut verrichten wie der Captain des SC Bern. So wurde er auch bei 5 gegen 3 eingesetzt, obwohl er ansonsten nicht in den ersten zwei Powerplay-Blöcken vertreten ist. Ein weiterer Kandidat ist Mosers Linienpartner Andres Ambühl. Der 35-jährige Routinier hat zwar gezeigt, dass er noch nicht altersmüde ist und die schlechte Saison mit Davos bereits vergessen hat. Gegen die Letten erhielt Ambühl aber am wenigsten Eiszeit aller Stürmer. Ambühl ist mit seiner Erfahrung wohl zu wichtig, um als überzähliger Stürmer auf der Tribüne zu hocken, weshalb er seinen Platz im Line-up wahrscheinlich behalten wird.

Da bleibt noch die nominell vierte Linie, die bisher mindestens so viel Eiszeit erhalten hat wie die restlichen Linien. Ohne richtigen Center - Noah Rod und Christoph Bertschy wechseln sich teilweise ab - ist diese Linie eher für die hohe Intensität verantwortlich. Tristan Scherwey und Bertschy sind die einzigen Stürmer, die bisher ohne Skorerpunkte geblieben sind. Beide werden aber in Unterzahl eingesetzt und haben so erheblichen Anteil am Teamerfolg.

Verteidiger raus und mit 13 Stürmern antreten?

Gegen Italien haben alle Stürmer mindestens 13 Minuten Eiszeit erhalten. Im zweiten Spiel gegen die Letten war Ambühl mit 11:38 Minuten der am wenigsten eingesetzte Angreifer, was für einen Viertlinienstürmer immer noch sehr viel wäre.

Anders sieht es in der Defensive aus. Während im ersten Spiel Lukas Frick und Michael Fora die meisteingesetzten Verteidiger waren und alle anderen mindestens elf Minuten auf dem Eis standen, wurde Roman Josi im zweiten Spiel gegen Lettland mit knapp 24 Minuten schon ziemlich forciert. Dagegen erhielt Joel Genazzi nur noch 6:53 Minuten Auslauf, nachdem er bereits zum Auftakt am wenigsten eingesetzt wurde.

Wiederholt sich Genazzis Geschichte also wie bereits im vergangenen Jahr? Damals war der Verteidiger des Lausanne HC ebenfalls zu Beginn gesetzt, wurde dann aber durch die NHL-Verteidiger verdrängt. In diesem Jahr könnte ihm dasselbe drohen, nur wird er durch einen 13. Stürmer ersetzt.

Romain Loeffel hat gegen Lettland ebenfalls keine zehn Minuten Eiszeit erhalten. Er ist (oder war) zuletzt im Powerplay gesetzt und ist damit etwas wichtiger für Fischer als Genazzi.

Gut möglich, dass Ambühl die Rolle des 13. Stürmers übernehmen wird. Der Routinier ist nämlich polyvalent einsetzbar. Geht Youngster Kurashev gegen die Grossen plötzlich unter, könnte Ambühl die Centerposition übernehmen. Braucht allgemein ein Stürmer eine Pause, kann Ambühl immer und überall frischen Wind und Energie ins Spiel bringen.

Der grosse Trumpf von Andres Ambühl: Er kann Flügel, Center, Boxplay, Powerplay, Tempo, Defense usw. (Andre Ringuette/HHOF-IIHF Images) 

Mit diesem Kader ist für die Schweizer sehr viel möglich. Selbst bei einem verletzungsbedingten Ausfall stehen dahinter Ersatzleute bereit, die auf internationalem Niveau spielen können. Patrick Fischer steht vor einem Luxusproblem.


Leser-Kommentare