Klotens Ausscheiden - keine grosse Überraschung

Der EHC Kloten verliert Spiel 5 in Langenthal und kann bereits nach dem Playoff-Viertelfinal in die Ferien. Die Erwartungen waren auf jeden Fall höher, doch das Scheitern kommt nicht überraschend.

Nach fünf Partien im Playoff-Viertelfinal gegen den SC Langenthal dürfen die Spieler des EHC Klotens bereits in die Ferien. Für manch ein Arbeitnehmer wäre dies natürlich eine erfreuliche Nachricht, nicht so für einen Eishockeyspieler anfangs März. Die Enttäuschung ist riesig, sowohl im Team als auch bei den sportlichen Verantwortlichen und den Fans.

Die Suche nach den Schuldigen

Natürlich spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, weshalb Kloten nun bereits nach fünf Partien in die Ferien gehen darf. Trotzdem müssen Gründe gesucht werden, um dieselben Fehler in der kommenden Saison zu vermeiden. Der Ausfall von Joren van Pottelberghe hat Kloten sicherlich am meisten weh getan. Mit van Pottelberghe haben die Klotener das erste Spiel der Serie gewonnen, das zweite ging verloren. Es darf aber nicht vergessen werden, dass der 21-Jährige erst während der Saison zu Kloten gestossen ist. Zu Beginn war er also nicht für die Playoffs eingeplant gewesen, sondern der Österreicher Bernhard Starkbaum, der mittlerweile wieder in seiner Heimat tätig ist. Dieser hätte aber genauso ausfallen können, denn mit Verletzungen muss jedes Team rechnen.

Der ausländische Torhüter bringt uns zum nächsten Punkt. Die Ausländer Klotens stehen nämlich arg in der Kritik. Sie haben es in den Playoffs nicht zu Stande gebracht, einen einzigen Skorerpunkt zu erzielen. Lauri Tukonen steht nach vier Spielen mit einer Minus-4, Jack Combs nach fünf Spielen mit einer Minus-3-Bilanz da. Beide haben in der Qualifikation noch einen Punkt pro Spiel gesammelt.

Jack Combs: Mehr Mitläufer als Leistungsträger und defensiv nicht unbedingt der stärkste Spieler. (TOPPictures Dominic Richter)

Der Leistungsabfall zeigt, wie wenig aussagekräftig die Regular Season in der Swiss League ist. Ob gegen die Ticino Rockets oder gegen den EHC Olten gewonnen wird, ist wohl doch ein kleiner Unterschied. Nur den Ausländern die Schuld in die Schuhe zu schieben, wäre aber sicherlich verkehrt und würde mehr auf Frustration hindeuten. Schliesslich wurden beide von Sportchef Felix Hollenstein verpflichtet. Ein Blick auf das Portal «eliteprospects» zeigt zudem: Sowohl Combs als auch Tukonen haben kaum Playoff-Erfahrung. Der Amerikaner hat in den vergangenen zwei Jahren zwar acht Playoff-Partien bestritten, zuvor kannte er dies aber höchstens noch auf Junioren-Niveau regelmässig, während der Finne seit fünf Jahren keine Playoffs mehr erreicht hat. Das nächste Mal sollte dies möglicherweise von den sportlichen Verantwortlichen genauer unter die Lupe genommen werden, damit die Ausländer in der K.-o.-Phase nicht erneut untergehen. Dass Ryan MacMurchy die halbe Saison und die Playoffs verletzt verpasst hat, ist natürlich grosses Pech.

Die Transferpolitik des Sommers

Während der Saison die passenden Zuzüge zu finden, gestaltet sich meist etwas schwieriger. Die grosse Arbeit in der Kaderplanung erfolgte von Hollenstein nach dem Abstieg. Die Kaderliste war weiss, kein Spieler hatte nach dem Abstieg noch einen Vertrag in Kloten. Viele (vermeintliche) Leistungsträger hatten zudem schon woanders unterschrieben. Keine einfache Aufgabe ein Kader zusammenzustellen, da spätestens im April die Spieler auf dem Markt so rar sind wie Regen in der Wüste.

Hollenstein verlängerte also mit so ziemlich allen Spielern, die noch vertragslos gewesen waren. Die Veteranen René Back (36, Stand heute), Romano Lemm (34) und Steve Kellenberger (32) sowie die mit in Zukunft noch etwas Potential versehenen Patrick Obrist (26), Marc Marchon und Edson Harlacher (beide 23) blieben. Zudem wurde die Mannschaft mit weiteren Spielern vom eigenen Nachwuchs bzw. dem damaligen Farmteam Winterthur vergrössert.

Steve Kellenberger war schon in der vergangenen Saison einer der besten Klotener und wohl einer der einzigen, die momentan noch National League-Niveau hätten. (bild: TOPpictures/Michael Walch)

Es war zu diesem Zeitpunkt eine sehr junge Mannschaft. Da kam Hollenstein auf die durchaus verständliche Idee, einige Routiniers zu verpflichten. Nach mehreren Wochen standen dann Philippe Seydoux (34), Fabian Sutter (36) und Thibaut Monnet (37) vor der Tür. Ohne Zweifel braucht eine Mannschaft ältere Spieler, die ihre Erfahrungen und ihre Qualitäten an die Talente weitergeben können. Nach einem katastrophalen Start in die Saison von allen dreien steigerten sie sich immer mehr und gehörten schliesslich zu den besten Skorern des Teams. Doch seien wir ehrlich: Selbst wenn Kloten durch diese Zuzüge in der Swiss League etwas mehr Erfolg gehabt hat, mit drei zweifelsohne einst sehr erfolgreichen Spielern, die mittlerweile ihren Zenit aber mehr als erreicht haben und in der letzten Saison schon zu langsam waren, aufsteigen? Eine Wunschvorstellung.

Dass diese drei Spielern den jungen Talenten sehr viel für die Zukunft weitergegeben haben, daran ist nicht zu zweifeln. Doch mit so einem Kader ernsthaft an einen Aufstieg im ersten Jahr nach dem Abstieg zu glauben, ist oder war einfach nur leichtsinnig. Obwohl Kloten mit Nicholas Steiner (27), Fabian Ganz und Jeffrey Füglister (beide 29) drei weitere, durchaus gute Transfers getätigt hat, ist die Alterslücke zwischen jungen Talenten und Routiniers einfach zu gross. Mit Obrist und Steiner befinden sich momentan genau zwei Spieler im besten Eishockeyalter zwischen 24 und 28 Jahren. Beim Viertelfinal-Gegner Langenthal sind es vergleichsweise neun Spieler. Schliesslich sind es genau diese Spieler, welche die Mannschaft nach einem Aufstieg in der National League tragen könnten, keine 37-jährigen Monnet, 36-jährigen Sutter oder 34-jährigen Seydoux. In Rapperswil hat der 40-jährige Sven Lindemann vor einem Jahr viel zum Aufstieg beigetragen, mittlerweile ist er höchstens noch in der Kabine wertvoll.

Sieben der zehn besten Skorer sind über 31 Jahre alt, Füglister und Ganz werden bald die 30 knacken. (screenshot: sihf.ch

Die Schwächen wurden erkannt, doch es braucht noch mindestens ein weiteres Jahr

Trotz des Ausscheidens geht es natürlich für alle Beteiligten weiter. Hollenstein wird sich weiterhin für die Kaderplanung der kommenden Saison auseinander setzen. Ob er dabei mit Back und Monnet verlängern wird, ist ihm überlassen. Eine gravierende Fehlentscheidung wäre es nicht, aber dann sollte man sich auf jeden Fall noch ein weiteres Jahr Zeit nehmen.

Bisher hat Kloten mit Dominic Nyffeler (26) einen sehr starken Torhüter verpflichtet. Dieser kann der Mannschaft von Saisonbeginn an Ruhe geben, denn nun wird die Torhüterposition nicht mehr im Gespräch sein. Simon Kindschi (22), David Stämpfli (28) und Anthony Staiger (25) sind genau solche Zuzüge, welche die Alterslücke etwas schliessen und dem Team einen sofortigen als auch einen langfristigen Input geben können. Ob die Verpflichtung über zwei Jahre des 38-jährigen Dominic Forget, der mittlerweile den Schweizer Pass besitzt, besonders intelligent ist, bleibt abzuwarten.

Es war für Kloten mehr ein Lehrjahr als eine verlorene Saison. Der Vergleich mit dem FC Zürich im Schweizer Fussball wäre sehr weit hergegriffen. Der FCZ hatte sein Kader nach dem Abstieg grösstenteils zusammengehalten. Wären Denis Hollenstein, Vincent Praplan und wie sie alle hiessen, in der Swiss League immer noch Teil des Kaders, dann hätte alles anders ausgesehen. Doch Eishockey ist nicht wie Fussball, und deshalb umso spannender. Wie auch im Alten Testament werden beim EHC Kloten nach einigen mageren Jahren wieder einige erfolgreiche Jahre bevorstehen.


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