La Chaux-de-Fonds oben, Kloten am Boden - Gruppenbildung in der Swiss League

Wie sieht die Lage in der Swiss League aus? Kann La Chaux-de-Fonds aus dem Schatten der Favoriten springen? Und mag Kloten in der zweithöchsten Spielklasse überhaupt mithalten?

Ein Blick auf die Tabelle zeigt: Nach zehn Spieltagen haben sich in der Swiss League zwei Gruppen gebildet. Der HC Ajoie, der EHC Olten, der HC La Chaux-de-Fonds, der EHC Visp und der SC Langenthal haben sich um mindestens sieben Punkte vom sechsten Platz abgesetzt. Während man Olten und Ajoie zugetraut hat, um den Qualifikationssieg mitzuspielen, sind die Erfolge Visps und La Chaux-de-Fonds’ eher überraschend. Vor allem letztere sind sehr gut in die Saison gestartet und haben sieben Punkte mehr als im Vorjahr.

GPWLP
1HC La Chaux-de-Fonds1310332
2SC Langenthal139427
3HC Ajoie139427
4EHC Visp1310326
5EHC Olten139426
6GCK Lions135816
7EHC Kloten135815
8EVZ Academy135815
9HC Thurgau134914
10EHC Winterthur133109
11HC Biasca Ticino Rockets143119

Die ehemaligen NLA-Söldner wollens wissen

La Chaux-de-Fonds ist seit Jahren ein regelmässiger Playoff-Teilnehmer in der Swiss League. Die Runde der letzten Acht haben die Jurassier zuletzt vor 12 Jahren verpasst. Seit 2009 haben sie aber auch nie mehr als eine Runde in den Playoffs überstanden. Sie reichen zwar seit Jahren das Aufstiegsgesuch für die National League ein und gelten immer wieder als Geheimfavorit, haben die Überraschung bisher aber nie geschafft. Immer wieder standen ihnen die (aufgestiegenen) SCL Tigers, der HC Lausanne oder die Rapperswil-Jona Lakers vor der Sonne.

In dieser Saison steht La Chaux-de-Fonds nach zehn Spielen erst mit sieben Verlustpunkten da. In einer Tabelle nach Verlustpunkten wären sie gemeinsam mit Olten Leader. Gegen Visp (3:2) und Langenthal (2:1) gab es knappe Auswärtsniederlagen nach Verlängerung.  Gegen Olten verloren sie am Ende etwas zu deutlich mit 3:6.

Die Mannschaftszusammenstellung von La Chaux-de-Fonds ist ein interessanter Mix aus langjährigen NLB-Spielern und ehemaligen NLA-Spielern. In diesem Sommer stiessen mit Adam Hasani (Fribourg), Alain Miéville (Lausanne) und Philipp Wetzel (Biel) gleich drei Spieler zur Mannschaft, die in der letzten Saison noch in der National League tätig gewesen waren. Hasani ist mit elf Punkten der beste Schweizer Skorer im Team. Miéville konnte bisher sieben Punkte sammeln und Wetzel steht mit zwei Toren da.

Philipp Wetzel bestritt über 400 Partien in der National League und bringt mit seinen 198 cm ordentlich Wasserverdrängung aufs Eis. (TOPpictures/Andy Buettiker)

Der Kern der Mannschaft ist seit Jahren derselbe geblieben. Jérôme Bonnet (7te Saison mit La Chaux-de-Fonds), Daniel Carbis (4), Arnaud Jaquet (9), David Stämpfli (4), Samuel Grezet (5) und Patrick Zubler (6) spielen seit Jahren zusammen in der Swiss League und kamen nur vereinzelt zu National League-Einsätzen.

Zuletzt wurden noch die jungen Talente Ramon Tanner (19) und David Prysi (18) von Biel, Will Petschenig (23) und Enzo Guebey (19) von Genf ausgeliehen.

Im Tor stehen mit Christophe Bays und Tim Wolf zwei ehemalige National League-Torhüter, die sich in der höchsten Spielklasse nicht durchsetzen konnten. Sowohl Bays mit 27 und Wolf mit 26 Jahren sind noch entwicklungsfähig und wollen sich ins Rampenlicht der National League spielen. Bays hat mit 94.76 % momentan sogar die beste Fangquote der Swiss League.

Tim Wolf stieg einst als 23-Jähriger mit den Rapperswil-Jona Lakers ab. (TOPpictures/Michael Walch)

Die Ausländerpositionen wurden auf diese Saison hin neu besetzt und haben sich bisher als sehr gute Verstärkung gezeigt. Timothy Coffman ist mit zehn Toren der erfolgreichste Torschütze der Liga und in der Skorerliste mit 16 Punkten ein gefährlicher Verfolger des kongenialen Duos Hazen und Devos von Ajoie, die mit 20 bzw. 18 Punkten an der Spitze stehen.

Brett Cameron konnte elf Punkte sammeln und stellt sich ebenfalls als sehr zuverlässiger Importspieler heraus.

Die sportliche Führung des HC La Chaux-de-Fonds hat diese Saison ein starkes Kader zusammengestellt. Mit Serge Pelletier haben die Westschweizer auch einen taktisch sehr klugen Trainer an der Bande, der in der National League schon Lugano, Fribourg-Gottéron, Zug und Ambri gecoacht hatte. La Chaux-de-Fonds hat das Potential, den Favoriten aus Olten, Kloten und Ajoie zumindest in der Qualifikation ein Bein zu stellen.

Kloten mit sieben Niederlagen in Serie

Den Favoriten aus Kloten? Hat der Chronist soeben den Verstand verloren oder sich etwa nur verschrieben? Zumindest anfangs Saison wurde Kloten in der Swiss League als Favorit gehandelt. Mittlerweile hat sich dies als falsch herausgestellt. Der Absteiger musste gestern gegen Olten die siebte Niederlage in Serie in der Meisterschaft (Swiss League) einstecken und liegt nach zehn Spielen enttäuschend nur auf Rang 8. Somit dümpelt Kloten mit den beiden Farmteams EVZ Academy und Ticino Rockets, dem EHC Winterthur und dem HC Thurgau auf den hintersten Tabellenplätzen herum. Für die Thurgauer kommt der schlechte Saisonstart aber nicht unerwartet, denn sie mussten im Sommer ihre sechs besten Skorer ziehen lassen.

Die Mannschaft von André Rötheli hat zwar viel Talent, ist aber schlicht und einfach zu unerfahren. Dass Kloten abgestiegen ist und nicht gleich durch die zweithöchste Spielklasse marschieren kann, ist jedoch auch ein gutes Zeichen für das Schweizer Eishockey. Dies, obwohl Sportchef Felix Hollenstein praktisch das ganze Kader umstellen musste und nur noch ein Bruchstück des Abstiegsteams zusammen ist.

Kloten steckt ordentlich in der Klemme. (TOPpictures/Michael Walch)

Kloten steht nach zehn Spielen sogar hinter den GCK Lions: Hinter dem Farmteam des ewigen Kantonsrivalen. Na gut, die GCK Lions sind bisher auch erstaunlich gut in die Saison gestartet und stehen mit 13 Punkten zwischen den zwei Tabellengruppen.

Am nächsten Mittwoch trifft der neue Favorit La Chaux-de-Fonds auf den ehemaligen Favoriten EHC Kloten. Den Jurassiern stehen aber zuvor zwei Herkulesaufgaben vor der Tür: Am Freitag müssen sie auswärts beim Tabellenleader Ajoie ran und zwei Tage später folgt das Heimspiel gegen den EHC Visp. Für die zu alt befundenen ehemaligen National League Spieler ist dies die Chance zu zeigen, dass man mit ihnen immer noch rechnen kann.