Prospect Games: Welche Schweizer haben realistische WM-Chancen?

Heute Abend bestreit die Schweizer Nationalmannschaft das erste von zwei Testspielen gegen Deutschland. Dabei wird eine junge Prospect-Auswahl auf dem Eis stehen. Wer davon kann sich tatsächlich Hoffnungen auf ein WM-Aufgebot machen?

Torhüterposition: Ein junger dritter Goalie?

Auf der Torhüterposition besteht oftmals am meisten Spielraum für Experimente. Denn in den seltesten Fällen ist man tatsächlich auf einen dritten Torhüter angewiesen. Dieser kann zum Beispiel in Kehraus-Spielen Erfahrung sammeln. Da wäre es sicherlich sinnvoll, «in der Zeit der ständigen Goalie-Sorgen», einen jungen dritten Torhüter mitzunehmen. 

Ob Joren van Pottelberghe oder Gauthier Descloux dafür besser geeignet ist? Da muss man wohl eine Münze werfen. Für Pottelberghe spricht, dass er grösser ist und somit mehr Fläche abdecken kann. Descloux hingegen hat bisher konstanter geliefert und seinem Klub mehr Punkte festgehalten.

Fazit: Vermutlich wird ein junger dritter Goalie an die WM mitgenommen. Dafür müssen Descloux oder van Pottelberghe an den zwei Testspielen aber abliefern, denn Gilles Senn lauert aus der AHL.

Verteidigung: Wie viel Verstärkung kommt aus der NHL?

Eine sehr berechtigte Frage: Denn in der NHL sind aktuell sechs Schweizer Verteidiger beschäftigt. Und alle ausser Jonas Siegenthaler scheinen nicht in einem Team zu sein, das einen langen Playoff-Run vor sich hat. Roman Josi ist der einzige Verteidiger, der einen weiterlaufenden Vertrag hat. Luca Sbisa, Mirco Müller, Yannick Weber, Dean Kukan und Jonas Siegenthaler wollen ihre Zukunft normalerweise nicht durch eine Verletzung an der WM gefährden. Wenn die WM allerdings im Heimatland stattfindet, denkt man doch zweimal über ein Aufgebot nach.

Deshalb sind in der Defensive die Plätze sicherlich begrenzt. Die grössten WM-Anwärter vom aktuellen Prospect-Aufgebot scheinen Roger Karrer, Simon Le Coultre und Dominik Egli zu sein. Allerdings muss man beachten, dass im WM-Aufgebot kaum ein weiterer Powerplay-Spezialist gesucht wird. An Roman Josi sowie Raphael Diaz, Ramon Untersander oder Romain Loeffel führt wohl kein Weg vorbei. Es braucht eher Defensiv-Spezialisten, die im Boxplay eingesetzt werden können. Für die oben genannten drei Anwärter wird es deshalb sehr eng: Sie spielen allesamt sehr viel Powerplay, aber kaum Boxplay und stechen auch physisch nicht heraus.

Dominik Egli ist mit 30 Torbeteiligungen der punktbeste Schweizer Verteidiger der National League. Knapp die Hälfte davon sammelte er in Überzahl. Mit nur 173 cm Körpergrösse ist er allerdings physisch benachteiligt. (JustPictures)

Auch bei den weiteren Spielern sieht es nicht sehr vielversprechend aus: Andrea Glauser spielt ebenfalls kaum Boxplay. Die ziemlich unerfahrenen Livio Stadler, Tobias Geisser und Yanik Burren sind in der National League sowohl physisch als auch spielerisch noch zu wenig dominant, obwohl sie zwar in Unterzahl schon öfters eingesetzt worden sind. Sven Jung spielt zwar die bisher beste Saison seiner Karriere, ist mit seinen defensiven Aussetzer aber zu unkonstant.

Fazit: Es wäre eine Überraschung, falls es jemand aus dem Prospect-Aufgebot an die Heim-WM schaffen würde.

Angriff: Wer ist alles fit?

Auch im Angriff muss zuerst ein Blick nach Nordamerika geworfen werden. Nico Hischier, Timo Meier, Kevin Fiala können sich die Playoffs bereits jetzt praktisch abschminken. Nino Niederreiter (und Denis Malgin) sind mitten im Kampf um einen Playoff-Platz. Einzig für Gaetan Haas sieht es aktuell bezüglich Playoffs gut aus. In der AHL wird voraussichtlich Philip Kurashev die Playoffs verpassen, während Sven Bärtschi momentan einen Playoff-Platz inne hat.

Grob gesagt sind im Angriff also bereits zwei Sturmreihen besetzt. Aus dem Prospect-Aufgebot darf kategorisch an der internationaler Tauglichkeit folgender Spieler gezweifelt werden. Luca Fazzini scheut sich selbst in der National League in harte Zweikämpfe zu gehen und Schüsse zu blocken. Dominik Diem ist mehr ein Schönwetterspieler, was nicht abwertend gemeint ist, als eine Kampfsau der internationalen Härte. André Heim schafft es trotz des Abgangs von Haas nicht, sich beim SC Bern in den offensiveren Linien zu etablieren.

Für Gilian Kohler, Valentin Nussbaumer, Justin Sigrist, Axel Simic und Sven Leuenberger, die allesamt nicht durch ihre Körpergrösse auffallen und von Natur aus eher in eine Skorer- als eine Checkerlinie gehören, kommt eine WM-Teilnahme sicherlich zu früh. Yannick Zehnder macht seine Aufgabe in der vierten Zuger Linie zwar gut, ein WM-Aufgebot scheint für ihn aber nicht in Griffnähe zu sein.

Deshalb bleiben nur noch Marco Miranda, Damien Riat und Luca Hischier übrig. Marco Miranda ist in dieser Saison der Durchbruch gelungen und weist auch eine gewisse Physis auf. In der Hierarchie steht vermutlich trotzdem Riat vor ihm. Dieser war bereits 2017 Teil des WM-Silberteams, weshalb seine Chancen auf jeden Fall intakt und vermutlich auch am grössten sind. Luca Hischier könnte dank seiner Flexibilität sehr wertvoll sein. Er kann sowohl als Center als auch als Flügel spielen. Zudem kann er in den Top Six als auch in den Bottom Six eingesetzt werden. In Davos absolviert er momentan die beste Spielzeit seiner Karriere. 

Luca Hischier wäre aufgrund seiner Flexibilität der typische überzählige Stürmer, der je nach Verstärkung aus Nordamerika leider wieder heimgeschickt wird. (JustPictures)

Fazit: Auch im Sturm wird es für die Spieler aus dem Prospect-Aufgebot sehr eng werden. Damien Riat hat wohl die besten Chancen, da er bereits an der WM 2017 in der vierten Linie einen guten Job gemacht hat, gefolgt von Luca Hischier.




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