Sandro Aeschlimann - One Season Wunder oder doch eine zukünftige Nummer 1?

Sandro Aeschlimann ist beim EV Zug die eigentliche Nummer 2. Trotzdem hat er in dieser Saison schon 14 Einsätze hinter sich und sogar die bessere Fangquote als sein Konkurrent Tobias Stephan.

«Ich glaube, er hat seinen Job gemacht und der Mannschaft so gut wie möglich geholfen», hat Sandro Aeschlimann kürzlich nach dem 3:0 Sieg gegen die ZSC Lions über sich selbst gesagt. Ja, der Sandro Aeschlimann hat mit 34 Saves und einem Shoutout gegen die engagierten ZSC Lions seinen Job definitiv gemacht. Es ist nicht das erste Mal in dieser Saison, dass der eigentliche Ersatztorhüter des EV Zug seinen Job gemacht hat.

Zehn Spiele lang blieb der EVZ unbesiegt, wenn Aeschlimann das Tor hütete. Erst vor drei Wochen bei der 4:3 Niederlage nach Verlängerung, wo er von ZSC Stürmer Pius Suter hinter dem eigenen Tor unsanft angegangen wurde, musste der 24-Jährige seine persönlich erste Saisonniederlage einstecken. Seither folgten zwei weitere Niederlagen gegen das erstarkte Lugano.

Trotzdem lässt sich die starke Bilanz von Aeschlimann sehen. In 15 Einsätzen stehen ihm 12 Siege zu Buche und eine sagenhafte Fangquote von 93.67 %. Von allen Torhütern mit mindestens zehn Einsätzen hat er die zweitbeste Fangquote. Nur Leonardo Genoni weist mit 93.98 % noch eine knapp bessere Fangquote auf. Selbst sein Konkurrent Tobias Stephan hat mit 93.28 % das Nachsehen. Nicht einmal zwei Gegentore pro Spiel lässt der Schlussmann zu. Nur die beiden Berner Genoni und dessen Ersatz Pascal Caminada sowie Stephan können das von sich behaupten.

Auch in der Champions Hockey League und Schweizer Cup erhielt Sandro Aeschlimann schon das Vertrauen und zeigte starke Leistungen. (TOPPictures Dominic Richter)

Dan Tangnes gibt ihm die Chance

Vor einem Jahr hätte noch niemand an solch einen Aufstieg von Aeschlimann geglaubt. Nur drei Einsätze hatte er letzte Saison unter Harold Kreis erhalten. Dabei wies er ebenfalls eine starke Fangquote von 93.5 % auf. Dass er in dieser Saison unter Dan Tangnes zu mehr Eiszeit kommen wird, war abzusehen. Der 39-jährige Norweger deutete zu Saisonbeginn schon an, dass es vermehrt zu Rotationen auf der Torhüterposition kommen wird und Tobias Stephan mehrmals eine Pause gegönnt wird.

Nun hat Aeschlimann durch den mehrwöchigen Ausfall von Stephan die Chance auf noch mehr Spielzeit erhalten. Dabei zeigt er konstant gute Leistungen. Oftmals werden bei einem (Ersatz-)Torhüter seine wahren Fähigkeiten erst sichtbar, wenn er tatsächlich die Nummer 1 über mehrere Spiele sein muss. Zwar kam es nun zu den zwei Niederlagen gegen Lugano, einen grossen Vorwurf kann man Aeschlimann trotzdem nicht machen. Selbst Torhüter mit einem x-fachen Gehalt des Schweizers bleiben nicht immer fehlerfrei.

 

Der unkonventionelle Weg des Sandro Aeschlimann

Vor drei Jahren spielte Aeschlimann noch in der NCAA III, der dritthöchsten Universitätenliga Amerikas. Kaum je ein Spieler hat es von dort aus später noch in eine grössere europäische Liga gebracht. Mike Völlmin bei Genf, der in der Swiss League als Ausländer beschäftigte Tim Coffman und die bei der EVZ Academy engagierten Fabio Kläy, Kelvin Walz und Michael Rudolf haben ebenfalls kurze Zeit in dieser Liga gespielt und sind seltene Ausnahmen.

Auf die kommende Saison wechselt Aeschlimann nun zum HC Davos. Der Wechsel ist nachvollziehbar, da er hinter Leonardo Genoni kaum Perspektiven gehabt hätte und die Zuger mit Luca Hollenstein schon das nächste (und auf dem Papier vom Potential her eindeutig grössere) Goalietalent in ihren Reihen haben.

Der aktuelle Schlussmann des Tabellenzweiten ist bisher der einzige Torhüter, der bei den Bündnern einen Vertrag für die kommende Saison hat. Wurde Aeschlimann gar als Nummer 1 geholt? In seiner momentanen Form hätte er sicherlich das Potential um eine Nummer 1 zu sein. Es wäre ein fast unvorstellbarer Aufstieg innerhalb von wenigen Jahren. Aeschlimann wurde nie für eine Juniorennationalmannschaft aufgeboten und spielte in seiner Jugend nie eine grössere Rolle. Nach zwei Jahren in Österreich, drei Jahren in Amerika und drei Saisons zwischen Swiss League und National League ist er sehr nahe an einem Stammplatz in der National League.

Am wahrscheinlichsten wird aber sein, dass sich Aeschlimann die Nummer 1 mit einem zweiten Torhüter in Davos teilen wird. Denn ob man beim HC Davos oder beim EVZ zwischen den Pfosten steht, ist dann doch noch ein kleiner Unterschied. Aber Aeschlimann ist nicht der erste Torhüter, der die Innerschweizer für einen kleineren Verein verlassen hat. Denn Sandro Zurkirchen tat vor sechs Jahren dasselbe und verschwand in Richtung Ambri. Dort hat er sich zu einem Nationalspieler entwickelt und kann sich nun WM-Teilnehmer nennen. Möglicherweise tut Sandro Aeschlimann dies ja seinem Namensvetter gleich?


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