Scheitert der HC Lugano am Meister?

Die Luganesi mussten sich in den letzten Spielen keine grossen Sorgen um ihren Pre-Playoff-Platz machen, als einziges Team waren sie nicht mehr in einen Strichkampf verwickelt. Sie erlebten eine durchwachsene Qualifikation, Siege und Niederlagen wechselten sich regelmässig ab. Dies hatte auch sehr viel damit zu tun, dass man immer wieder einen neuen Torhüter zwischen die Pfosten setzen musste. Niklas Schlegel verletzte sich mehr als einmal und auch die Junioren Thibault Fatton und Davide Fadani fielen mehrfach aus. Die Serie gegen Genf war dann nach zwei Spielen schnell beendet und man konnte sich nun auf den EV Zug vorbereiten.

Schweizer Spieler im Hoch

Die Rückkehr von Niklas Schlegel hat dem HC Lugano einen Schub verliehen, der Zürcher gilt als sicherer Wert, hat dies auch schon mehrfach bewiesen. Mit Juho Markkanen hat man zudem einen talentierten Goalie als Ersatz geholt, der bisher jedoch noch nicht richtig zum Einsatz kam (3 Spiele). 

Mit den NHL-Rückkehrern Calvin Thürkauf und Mirco Müller haben die Tessiner zwei physisch starke Spieler im Kader, was gegen die meisten Gegner sicherlich kein Nachteil ist. Müller ist zudem der zweitbeste Spieler, wenn es um geblockte Schüsse (125) geht, nur Yannick Blaser von den Tigers ist mit 140 besser.

Neben der körperlichen Komponente haben die Luganesi auch einige technisch sehr versierte Spieler. Mark Arcobello als Topscorer hat dies schon beim SC Bern mehr als bewiesen. Doch auch die Schweizer Spieler haben grossen Anteil daran, dass es dem HC Lugano gelungen ist, in die Playoffs zu kommen. Mit Luca Fazzini hat sich über die letzten beide Jahre ein Eigengewächs in den Fokus gespielt. Und wie, er hat nun in zwei Saisons jeweils mehr als 40 Punkte gemacht.

Die Special Teams der Bianconeri sind in beiden Kategorien auf Platz 4 zu finden. Das Powerplay ist eines der gefährlichsten, in 174 Möglichkeiten waren sie 36 Mal erfolgreich. Das entspricht einer Quote von 20.7 %.

Und auch das Unterzahlspiel scheint sehr gut zu funktionieren. Mit 84.06 % hat man fast dieselbe Quote wie in der letzten Saison erreicht. Ein beeindruckender Wert, wenn man bedenkt, dass die Spieler des HCL am zweitwenigsten Schüsse in der Liga blocken.

Mit Chris McSorley steht ein erfahrener Coach an der Bande, er kennt die Liga und die Playoffs. Sollte es ihm gelingen sein Team richtig einzustellen, dann können sich die Fans auf spannende und hart geführte Serien freuen.

Die Erwartungen nicht erfüllt

Dass der HC Lugano mit einem 9. Platz und dem Gang in die Pre-Playoffs wohl nicht zufrieden sein wird, ist mehr oder weniger zu erwarten. Doch auch in den Statistiken von NL Ice Data und von der Swiss Ice Hockey Federation lässt sich ablesen, wie und wo die Tessiner die Erwartungen nicht erfüllen konnten.

Wie im oberen Abschnitt bereits erwähnt, liegen die Bianconeri bei den geblockten Schüssen auf dem zweitletzten Platz. Wie weiter oben schon erläutert ist Mirco Müller in dieser Hinsicht in der Liga an zweiter Stelle, mit 125 geblockten Schüssen, damit konnte er als einziger wirklich überzeugen. In die Kategorie “durch Blocken vermeidbar” fallen dann wohl auch die 22 Tore, die man mehr kassiert hat, als von NL Ice Data errechnet. Der Rest der Mannschaft muss sich hier unbedingt steigern, will man die gute PK-Quote halten.

Und auch wenn Fazzini und Arcobello eine starke Saison spielen, die Luganesi sind nicht so treffsicher wie zu erwarten wäre. Man hat insgesamt 3 Tore weniger geschossen, als der von NL Ice Data errechnete Wert angegeben hätte. Sollte man eine Chance auf ein Weiterkommen haben, muss man sich folglich in der Defensive, wie auch in der Offensive nochmals steigern.

Muss sich Niklas Schlegel in der Serie gegen Zug auch so strecken oder können seine Mitspieler ein solches Eingreifen verhindern? (JustPictures)

Der Goalie und der Topscorer sind die Schlüssel

Niklas Schlegel: Der Zürcher spielt wie fast immer sehr solide, in dieser Saison des Öfteren verletzt. In Topform gehört der 27-Jährige zu den Besten in der National League. Hat mit einer Fangquote von 91.3 % nicht ganz das Niveau der letzten Jahre (knapp 93 %) halten können, was sich aber im Allgemeinen durch die Form der Vorderleute und seine Fitness erklären lässt. Wenn er sein bestes Eishockey auspacken kann, dann wird es für alle Stürmer sehr schwer überhaupt Tore zu schiessen. Schlegel hat seine Form scheinbar gerade rechtzeitig für die Pre-Playoffs gefunden und war in beiden Spielen gegen Genf massgeblich an den Siegen beteiligt.

Mark Arcobello: Der US-Amerikaner wurde überraschenderweise gleich ins Captain-Team ernannt. Und doch ist der Schritt verständlich, er gilt als vorbildlicher Spieler, arbeitet hart und geht auch in dieser Saison mit gutem Beispiel voran und trägt das Topscorer-Trikot. Seit er vor 6 Jahren in die Schweiz gekommen ist, hat der 33-Jährige im Schnitt etwa 50 Punkte pro Saison gesammelt. Arcobello ist ein exzellenter Powerplay-Spieler, aber alleine kann er dieses nicht tragen. Wenn ein Ruck durch das ganze Kader erfolgt, dann könnte mit den Bianconeri zu rechnen sein. An Arcobello wird es aber definitiv nicht scheitern.

Redaktionstipp

Auch wenn Lugano den Genève-Servette HC souverän besiegt hat, ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass sie diese Pace bis am Ende gehen können. Zu inkonstant und durchzogen war die Saison bis hierhin. Wir tippen auf ein Aus im Viertelfinal gegen den EV Zug.




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