So einfach könnte man die Spielerlöhne senken

Langeweile macht kreativ. In vielen Fällen ist dies der Fall. Doch manchmal bringt Langeweile einen auch auf unüberlegte Ideen, weshalb nun schon wieder über die Ausländerbeschränkung diskutiert werden muss. Allerdings gibt es eine viel billigere Lösung. 

Wir geben es doch alle zu: Es ist langweilig. Wir vermissen den Sportbetrieb, ob es nur am Fernseher, im Stadion oder als Hobby ist. Der Sport fehlt uns. Als Eishockeyfan hat man es besonders schwer. Das sogenannte Sommerloch verlängert sich von knapp drei Monaten auf mindestens sechs Monate. 

Schliesslich gibt es aber doch grössere Probleme als das Warten auf den Besuch des nächsten Hockeyspiels. Die Klubs müssen ihre Spieler bezahlen. Mit Geld, das sie gar nicht eingenommen haben. Deshalb ist der Gedanke, wie man in Zukunft nicht mehr so hohe Spielerlöhne bezahlen muss, total gerechtfertigt. Erinnert man sich ans vergangene Jahr zurück, dann fällt einem auf, dass diese Überlegung nicht neu ist. Damals wollte der SC Bern die Ausländerbeschränkung von vier auf sechs Importspieler pro Spiel anheben. Zum Glück des Schweizer Eishockeys wurde der Vorschlag abgelehnt.

Nun befinden wir uns wieder in derselben Diskussion. Mehr Ausländer sollen die Löhne der Schweizer Spieler senken. Sie sollen vor allem die Löhne der sogenannten Hinterbänkler senken, also von Spielern der dritten und vierten Linie. Eine Illusion. In einem gut geführten Hockeyunternehmen spielen in der dritten oder vierten Sturmlinie junge, hungrige Spieler. Ihre Aufgabe ist es, sich für einen Platz in den Top Six aufzudrängen, bei Verletzungen einzuspringen oder bei einem Abgang den Platz des Topstars zu erben. 

Mindestens drei U23-Spieler in der Aufstellung

Diese jungen Nachwuchsspieler sind sicherlich nicht teurer als zusätzliche Ausländer. Es wäre viel schlauer, diese talentierten Schweizer zu fördern. Also eine Regelung einzuführen, dass mindestens drei Spieler unter 23 Jahren und maximal 200 National League-Spielen pro Spiel eingesetzt werden müssen. Fällt einer der drei aus, gibt dies eine Chance für das nächste Talent in den eigenen Reihen. 

Dass die besten Talente aus dem Land dann am meisten gefragt sind, ist selbstverständlich. Denkbar wäre auch eine zusätzliche Regelung, dass einer dieser drei U23-Spieler mindestens eine und einer mindestens zwei Spielzeiten im eigenen Nachwuchs gespielt haben muss. Die Klubs würden damit gezwungen werden, wieder auf den eigenen Nachwuchs zu setzen und nicht einfach blindlings einzukaufen.

Tatsächlich hätten die «Grossen» dabei aktuell kaum Probleme. Der SC Bern könnte in der nächsten Saison auf Colin Gerber (Jahrgang 98), André Heim (98) und Philip Wüthrich (98), Mika Henauer (00) und Jeremi Gerber (00) setzen. Die ZSC Lions hätten ebenfalls genügend junge Spieler in der ersten Mannschaft: Kaj Suter (98), Axel Simic (99), Justin Siegrist (99), Yannick Brüschweiler (99), Luca Capaul (99) und Noah Meier (02). In Lausanne, Fribourg oder Lugano wären die Sorgen deutlich grösser. Doch - ohne diesen Klubs zu nahe treten zu wollen - für sie wäre eine solche Regelung enorm sinnvoll.

Obwohl Zürich, Bern und andere National League-Klubs «genügend» junge Spieler unter Vertrag haben, würde die Regelung für sie auch Sinn ergeben: Es geht darum, dass diese Klubs die jungen Spieler als Stammspieler einplanen müssen. Aktuell sind sie in Bern und Zürich eher Ergänzungsspieler und werden, wenn es keinen Platz in der ersten Mannschaft hat, in die Swiss League ausgeliehen. Der 30-jährige Viertlinienspieler liegt in der Hierarchie halt doch vor den Nachwuchsspielern und erhält dementsprechend ein höheres Gehalt. Müssen die U23-Spieler aber eingesetzt werden, wäre es totaler Schwachsinn, für einen älteren Spieler mehr zu bezahlen. Die Sportchefs könnten deutlich mehr Druck machen.

Es sind sich wohl alle einig, dass sich früher oder später etwas ändern muss. Zusätzliche Ausländer lösen das Problem aber nicht. Spätestens, wenn die finanzielle Krise vorbei ist, würden alle sechs Top-Ausländer mit fürstlichem Gehalt vergoldet werden und das Lohnniveau wieder steigen. Mit einer Junioren-Regelung würden vor allem kluge Sportchefs belohnt werden, die das Potential der Spieler richtig einschätzen und erkennen können. Nicht, wer am meisten Geld bietet.

Andre Heim (links) wäre mit Jahrgang 1998 in seinem letzten U23-Jahr und hat erst 144 Spiele in der höchsten Liga bestritten.




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