Welches Spielchen treibt Greg Ireland mit Linus Klasen?

Am Spengler Cup war Linus Klasen als Verstärkungsspieler des HC Davos einer der auffälligsten Figuren auf dem Eis. In Lugano holte ihn gestern der bittere Alltag wieder ein: Er wurde von Trainer Greg Ireland als überzähliger Ausländer auf die Tribüne verbannt.

In Davos war er vor ein paar Tagen noch der Held: Linus Klasen, Spieler des HC Lugano, durfte für ein Handgeld über die Altjahrswoche in Davos aushelfen. Er tat dies so gut, dass er eine in der Meisterschaft auf dem zweitletzten Platz liegenden Mannschaft ins Halbfinale führte und sie in vielen Bereichen besser machte. Schliesslich wurde der 32-Jährige Schwede ins All-Star Team gewählt.

Man könnte meinen, der Plan von Lugano sei hervorragend aufgegangen. Sie leihen einen von Verletzungen und Formschwäche geplagten Spieler aus, so dass dieser Spielpraxis und Selbstvertrauen sammeln kann. Danach kehrt er zurück, führt Lugano in die Playoffs und schiesst die Tessiner zum ersten Titel seit 2006.

In 234 Spielen mit Lugano hat Klasen 67 Tore erzielt und 162 vorbereitet. (TOPpictures/Andy Buettiker)

Doch gleich im ersten Spiel nach seiner Rückkehr ins Tessin stand Klasen wie schon zuvor nicht im Aufgebot und musste dem Ausländerquartett Chorney, Lapierre, Lajunen und Haapala den Vortritt lassen. Es gibt drei mögliche, (entschuldbare) Thesen für das Fehlen Klasens:

  • Trainer Greg Ireland hat während der Altjahrswoche seine Linien gefestigt und perfekt einspielen lassen. Die erste Linie mit Gregory Hofmann und Henrik Haapala, dem eigentlich fünften Ausländer im Kader, auf den Flügeln und Raffaele Sannitz als Center ist nun seit Spielen so aufgestellt. In den vergangenen Tagen haben sich die drei als Trio Infernale bewährt. Auch die anderen drei Linien haben sich ausgezeichnet eingespielt, so dass kein Weg an ihnen vorbeiführt.

  • Nach so einer stressigen Woche mit vier Spielen innerhalb von fünf Tagen wollte Ireland seinem Superstar eine kleine Verschnaufpause geben. Denn müde Beine führen bekanntlich schneller zu Verletzungen. Und Ireland will auf keinen Fall, dass sich der Schwede, der in dieser Saison schon mehrfach mit Adduktorenproblemen zu kämpfen hatte, erneut verletzt.

  • Ireland erkennt die Brisanz, die das Spiel gegen Davos in sich hat. Klasen hat am Spengler Cup in Davos einen Teil seiner Spielfreude wiedergefunden und etwas Selbstvertrauen tanken können. Möglicherweise wäre er blockiert, wenn er jetzt gegen seinen kurzfristigen Arbeitgeber der letzten Woche antreten müsste, der ihm das Vertrauen geschenkt hatte.

Die Thesen hören sich alle plausibel an. Doch sind wir ehrlich: Kein Trainer würde auf einen Linus Klasen in Spengler Cup-Form verzichten, wenn das Verhältnis zumindest in Ordnung wäre. Ohne den Schweden wäre Davos sicherlich nicht bis ins Halbfinale gestossen und hätte bis kurz vor Schluss vom Finale träumen können.

Das Blatt zwischen Ireland und Klasen scheint definitiv zerschnitten. Wie Tessiner Medien berichten, wird der Schwede auch das morgige Derby gegen Ambri von der Tribüne aus zuschauen müssen. Doch Lugano hat eine Anfrage von Davos abgelehnt, welche ihren Spengler Cup Spieler natürlich gerne bei sich behalten hätten.

Was treibt also Lugano mit ihrem nicht ganz billigen Importspieler? Er ist schliesslich noch bis 2020 an die Tessiner gebunden. Aber kaum vorstellbar, dass er bis dahin am Ceresio bleiben wird - auch wenn das Gehalt stimmen sollte.


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