Wenn die Regular Season jetzt schon so spannend ist, was soll uns dann in den Playoffs erwarten?

Erst vier von 12 Teams haben drei Runden vor Schluss eine Farbe angenommen. Für die restlichen acht Teams liegen rot und grün so nahe beieinander wie noch nie. Wie sollen dann die Playoffs ablaufen, wenn die Saison jetzt schon kaum an Spannung zu überbieten ist.

Nur noch 18 von insgesamt 300 Spiele sind zu absolvieren und noch immer ist Höchstspannung angesagt. Der Abstand zwischen dem Dritt- und dem Neuntplatzierten beträgt gerade einmal sechs Punkte. Genf auf Platz 10 hat ebenfalls noch die Chance über den Strich zu springen und somit sind noch acht von zwölf Teams in den Strichkampf involviert. Daneben gibt es natürlich noch den Kampf um das Heimrecht im Viertelfinal und den Kampf um Platz 5 und 6, um nicht gleich in der ersten Runde auf Bern oder Zug zu treffen. Bis zum letzten Spiel wird es für einige Teams also um etwas gehen. Für die Fans von Lausanne, Biel und Langnau wäre es eine Erlösung, wenn sie in der Tabelle bereits morgen die grüne Farbe annehmen könnten. Doch wenn es nach dem neutralen Hockeyfan geht, dann dürfen beide noch mindestens eine Runde warten. Was gäbe es für einen Krimi, wenn bis zur 50. Runde noch alle acht Teams farblos wären?
 

(bild: telext.ch)

Rechnerisch ist dies leider gar nicht mehr möglich. Alfred Hitchcock ist beim Schreiben des Spielplans wohl doch ein kleiner Denkfehler unterlaufen. Mit den Begegnungen Fribourg - Genf und Biel - Lausanne treffen die beiden Erst- und Letztplatzierten im Strichkampf aufeinander. Mindestens ein Team wird also morgen bereits eine Farbe annehmen. Zwischen den mittleren vier Teams gibt es allerdings keine Direktbegegnungen.

Die spannendste Regular Season aller Zeiten?

Wenn man sich die Resultate dieser Saison ansieht, ist es sehr erstaunlich, dass trotz dieser Ausgeglichenheit nur 36 Partien in die Verlängerung oder gar ins Penaltyschiessen geführt haben. In der vergangenen Spielzeit waren es 68 Spiele, in denen die Punkte geteilt wurden und vor zwei Jahren waren es 61 Partien, in denen das Resultat nach 60 Minuten noch ausgeglichen war. Dementsprechend erscheint diese Saison gar nicht so ausgeglichen.

Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Zusätzlich wurden 53 Spiele nach 60 Minuten mit nur einem Tor Differenz beendet. Dabei sind Spiele, die durch einen Empty Netter definitiv entschieden wurden, noch gar nicht beachtet. Bereits jetzt wurden in dieser Saison eine rekordverdächtige Anzahl Empty Netter erzielt: 77 Mal gab es noch einen Treffer ins leere Tor. Das zeigt, wie eng die Spiele in dieser Saison waren. In einigen Spielen gab es teilweise zwei Empty Netter bzw. wurde der Torhüter auch trotz Zweitore-Rückstand durch einen sechsten Feldspieler ersetzt. In den vergangenen Spielzeiten, wo es jeweils 55 (Saison 17/18) und 53 Empty Netter (16/17) gegeben hatte, gab es dies jedoch genauso.

Zählt man die 36 Spiele nach Überzeit, die 53 Partien mit einem Tor Differenz und die 77 Empty Netter zusammen, dann sind das gut über 160 Spiele und somit deutlich mehr als die Hälfte, die bis zur letzten Minute von Spannung gelebt haben. Wohlbeachtet stehen noch 18 Partien an, bis die Regular Season endgültig entschieden ist.

Spannung in den Playoffs ist garantiert

Wenn es also eine der spannendsten Regular Seasons der Geschichte war, wie sollen die Nerven dann die Playoffs überstehen. Erst dann geht es ja um den goldenen Kübel. Laut den Berechnungen wird mindestens jedes zweite Spiel erst in den Schlussminuten entschieden. Den neutralen Hockeyfan freut’s.

Die ZSC Lions mussten mit elfmal am meisten Überstunden leisten, gefolgt von Ambri mit 10. (TOPpictures/Sergio Brunetti)

 

Auch in der Swiss League sind die meisten Spiele enger als gedacht. Gestern gingen alle vier Viertelfinalspiele mit 3:2 zugunsten der Heimteams aus. Unser Schweizer Hockey ist momentan in Sachen Spannung sowohl auf höchster Stufe als auch auf zweithöchster Stufe kaum zu überbieten. In diesem Jahr kann nämlich jeder Meister werden. Auch wenn eine Best-of-7 Serie eine ganz andere Hürde ist, das Wunder von Leicester sitzt allen in den Hinterköpfen.


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