Wenn ehemalige ausländische National League-Verteidiger in anderen Ligen plötzlich aufgehen

In den letzten eineinhalb Jahren gab es einige ausländische Verteidiger, die in der National League enttäuscht haben oder von denen man zu Beginn einfach mehr erwartet hatte. 

Wenn man einen neuen Ausländer verpflichtet, sind die Erwartungen meist sehr hoch. Denn die Importspieler sollen Spiele im Alleingang entscheiden können oder zumindest ihren Beitrag dazu leisten. Obwohl es teilweise auch besser ist nicht aufzufallen - dann hat man seine defensive Arbeit immerhin gut erledigt und sich keine groben Böcke geleistet-, wollen die Fans halt einfach den Impact eines Ausländers auf dem Eis sehen.

In der letzten sowie in dieser Spielzeit wurden einige ausländische Verteidiger verpflichtet, die deutlich unter ihren Erwartungen geblieben sind. Da stellt sich bei einigen Fans die Frage: Hat die sportliche Führung versagt und den Spieler zu wenig gescoutet und unter die Lupe genommen? Nicht unbedingt. Denn in einer anderen Liga liefern sie plötzlich ab. 

Atte Ohtamaa (KHL; 36 Spiele, 6 Tore, 15 Assists)

Der finnische Verteidiger stiess vor Saisonstart zum HC Lugano und war einer der Wunschspieler vom damaligen Trainer Sami Kapanen. Der 32-jährige Weltmeister von 2019 sollte die Defensive stärken, die als Schwachpunkt der Tessiner ausgemacht worden war.

Defensiv machte Ohtamaa seine Sache sicherlich ordentlich, doch offensiv (1 Tor, 2 Assists in 18 Spielen) enttäuschte er vollkommen, sodass sein Vertrag im November nicht mehr verlängert wurde. Seither spielt er in der KHL bei Barys Nur-Sultan und zeigt dort offensive Qualitäten, die man in der Schweiz kaum gesehen hat. Mit 21 Punkten in 36 Spielen gehört er in die Top Ten der produktivsten KHL-Verteidiger nach Punkten pro Spiel.

Miiko Koivisto (SHL; 29 Spiele, 2 Tore, 11 Assists)

Der zweite finnische Weltmeister, der im Sommer den Weg in die National League gefunden hatte, war Miiko Koivisto. Und tatsächlich war der 29-jährige Verteidiger die noch grössere Enttäuschung als sein Landsmann Ohtamaa. In 15 Spielen gelangen ihm nur zwei Assists. Kein Wunder löste der SC Bern den Vertrag mit Koivisto so schnell wie möglich auf. Dieser flüchtete dann nach Schweden zu den Växjö Lakers. 

In der schwedischen Liga hat Koivisto sein Spiel mittlerweile wieder gefunden. Obwohl er zuletzt in Sachen Skorerpunkte wieder etwas nachgelassen hat - was nach dem äusserst produktiven Saisonstart nicht erstaunt -, steht er bei zwei Toren und elf Assists in 29 Spielen. Damit sammelt er am zweitmeisten Skorerpunkte aller Verteidiger seines Teams.

Adam Almquist (KHL; 58 Spiele, 8 Tore, 18 Assists)

Von allem im Bericht erwähnten Spielern hatte Adam Almquist in der Schweiz noch die beste Skorerbilanz. Nachdem er in der schwedischen Liga 30 Skorerpunkte in 56 Einsätzen gesammelt hatte, brachte er es in der vergangenen Saison immerhin auf 19 Punkte, davon jedoch nur zwei Tore, in 63 Spielen. Im Vergleich zu den anderen «Flops» sind diese Werte ganz ordentich.

Nach seinem Check gegen Reto Suri im Playoff-Final ging für ihn sein Abenteuer in der Schweiz relativ unschön zu Ende. Im Sommer wechselte er in die KHL zu Admiral Vladivostok und setzte sich skorertechnisch wieder deutlich mehr in Szene. Nach 58 Spielen steht er bei acht Toren und 18 Assists, womit er der produktivste Verteidiger des Teams ist.

Eric Martinsson (SHL; 43 Spiele, 3 Tore, 19 Assists)

Als Ersatz für die in der letzten Saison zwischenzeitlich verletzten Henrik Tömmernes und Johann Fransson stiess Eric Martinsson aus der AHL in die Schweiz zu Genf-Servette. Der 27-jährige Schwede ist eigentlich als Offensivverteidiger bekannt, konnte sich in der Schweiz allerdings nie richtig in Szene setzen. Für Genf sammelte der Schwede in der vergangenen Spielzeit nur fünf Skorerpunkte in 23 Einsätzen. 

Seit seinem Wechsel in die Heimat ist Martinsson wieder deutlich produktiver. Drei Tore und 19 Vorlagen sprechen für sich, auch wenn er damit nur der drittproduktivste Verteiger von HV71 ist.

Es zeigt, dass bei neuen Ausländern (vor allem bei Verteidigern) grosse Vorsicht geboten ist. So ausgezeichnet auch ihr Curriculum Vitae ist, nicht alle funktionieren in der National League oder in jedem Team gleich gut. Das wiederum macht den Sport umso interessanter. Denn erst auf dem Eis werden die Statistiken geschrieben.




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