Weshalb ein Abstieg Frankreichs überhaupt nicht überrascht

Die Franzosen haben das entscheidende Gruppenspiel gegen Grossbritanien im Penaltyschiessen verloren und steigen damit in die Division I ab. Der Abstieg hat sich in den letzten zwei Jahren abgezeichnet.

Zwölf Jahre lang gehörte Frankreich diskussionslos zur Top-Division und kämpfte somit stets mit der Eishockey-Elite mit. Seit dem Aufstieg 2007 mussten sich die Franzosen zweimal,  2008 und 2010, in der Relegation retten. Ansonsten waren sie ein sicherer Wert an der Weltmeisterschaft. 2014 erreichten sie gar den Viertelfinal und verpassten manch einmal knapp die K. o.-Phase.

Gegen die Schweizer wuchsen die Franzosen oftmals über sich hinaus. In den ersten Jahren nach dem Aufstieg brachten sie die Schweizer gleich zweimal an die Grenzen. 2009 und 2011 siegten die Eisgenossen jeweils knapp mit 1:0. Das zweite Spiel wurde erst in der Verlängerung entschieden. Ein Jahr später folgte dann die logische Konsequenz und eine 2:4 Niederlage.

Es sollte nicht die einzige sein: Beim nächsten Aufeinandertreffen 2015 gelang der Schweiz zwar die Revanche mit einem 1:3, vor zwei Jahren musste man sich aber mit 3:4 nach Penaltyschiessen erneut geschlagen geben.

Entwicklung in unterschiedliche Richtungen

Eine Niederlage gegen Frankreich wird sich so schnell nicht wiederholen. Der 5:1 Sieg an der letzten WM hat dies deutlich untermauert und zeigt die Entwicklung in unterschiedliche Richtungen, auch wenn seit der letzten Niederlage nur zwei Jahre vergangen sind.

Die Schweiz hat sich unter Patrick Fischer hervorragend entwickelt und kann mittlerweile die Punkte gegen die vermeintlich leichteren Gegner wie eben zum Beispiel Frankreich ohne Probleme nach Hause fahren. Auf der anderen Seite steht Frankreich, das in den letzten Jahren extrem nachgelassen hat und nun abgestiegen ist.

Ernüchterung bei den Franzosen: Valentin Claireaux (28, v. l. n. r.), Kevin Hecquefeuille (34) und Damien Fleury (33) wurden zu den besten Spielern ausgezeichnet. Sie sind mit ihrem Alter nicht die grosse Zukunft Frankreichs. (Matt Zambonin/ HHOF-IIHF Images)

Als die Schweiz das letzte Mal besiegt wurde, stand bei den Franzosen ein nur allzu bekannter Name im Tor: Cristobal Huet. Der Stanley Cup Sieger war von 2011 bis 2017 an jeder Weltmeisterschaft dabei und war stets ein sicherer Rückhalt. Es lag etliche Male an Huet, dass die Schweiz vor der kompletten Verzweiflung stand.

Seit dem letzten Jahr ist Huet aber nicht mehr dabei. Im letzten Sommer trat er im Alter von 42 Jahren zurück. Als jahrelange Nummer 2 versuchte Florian Hardy die Nachfolge anzutreten. Aber Huet ist nicht zu ersetzen. Neben Hardy erhielten Henri-Corentin Buysse, Ronan Quemener und Sebastian Ylönen an den letzten zwei Weltmeisterschaften eine Chance im Tor, ohne grossen Erfolg.

Neben Huet fehlte in den letzten Jahren auch die Verstärkung aus der NHL oder aus den europäischen Topligen. An dieser WM stehen 17 der 25 Spieler in der französischen Liga im Einsatz. Vier weitere verdienen ihr Geld in der National League, ohne eine ganz grosse Rolle zu spielen.

Aus der NHL stiessen weder Antoine Roussel noch Pierre-Edouard Bellemare zum Team. Ein Blick in die Zukunft verspricht keine Verbesserung. Einziger Lichtblick ist Alexandre Texier. Der 19-jährige wurde 2017 in der zweiten Runde von den Columbus Blue Jackets gedraftet, verbrachte die letzten zwei Jahre aber in Finnland. Dort sammelte er in 108 Spielen bereits starke 63 Punkte und kam deshalb gegen Saisonende in der NHL zu einigen Einsätzen.

Der letzte französische Draft vor Texier war der in der Schweiz bestens bekannte Tim Bozon im Jahr 2012. Mittlerweile steht dieser bei Genf-Servette unter Vertrag steht. Ansonsten befinden sich im diesjährigen WM-Kader Frankreichs einfach keine weiteren nennenswerten Namen.

Der Abstieg unseres Landesnachbarn ist deshalb auch keine allzu grosse Überraschung, sondern eher eine logische Konsequenz der letzten Jahre. Ein direkter Wiederaufstieg im kommenden Jahr ist zudem alles andere als sicher, denn ohne die Verstärkung aus der NHL oder der KHL - dort gäbe es noch Stéphane Da Costa - könnten einige magere Jahre folgen.


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