Bern oder Zug - HockeyInfo tippt den Playoff-Final 2019

Das bessere Lausanne gegen das bessere Biel

Nun, die Ausgangslage ist klar: Der SC Bern hat vier Spiele und insgesamt 306 Spielminuten mehr in den Beinen. Der EV Zug ist also deutlich frischer und hat eine ganze Woche Pause gehabt, während die Berner sich erst vor nicht einmal 48 Stunden für den Final qualifiziert haben. Doch Bern hat gegen Biel, welche theoretisch auch die frischeren Beine hatten, gezeigt, dass sie noch nicht altersmilde sind und unbedingt in den Final einziehen wollen.

Bern hat im Halbfinal den EHC Biel eliminieren müssen. Die Bieler sind etwa das schlechtere Zug. Das Spielsystem von Biel als auch von Zug stützt sich auf Tempo, Schnelligkeit und Pressing. Der Gegner soll unter Druck gesetzt, am Aufbau gestört und zu Fehlern gezwungen werden. Scheibenverluste werden provoziert, um möglichst schnell umzuschalten, in die Offensive zu gehen und den Gegner zu bestrafen. Bern schaffte es erst in allergrössten Nöten, dieses dynamische und sehenswerte Hockey zu unterbinden und zu besiegen.

Auf der anderen Seite hatte der EV Zug relativ wenig Mühe, den kleinen SC Bern zu besiegen. Lausannes Trainer Ville Peltonen war jahrelang Assistent von SCB Trainer Kari Jalonen und hat aus dessen Handwerk gelernt. Das Spiel basiert auf taktischem Abwarten und den Gegner kommen lassen. Flüchtigkeitsfehler des Gegners sollen gnadenlos ausgenutzt werden. Taktik und Disziplin stehen vor junger Unüberlegtheit und Sorglosigkeit. Abgesehen von 20 Minuten im Mitteldrittel von Spiel 2 hatten die Innerschweizer praktisch keine Probleme mit dem Spiel von Lausanne. Im Final trifft also das bessere Biel auf das bessere Lausanne.

Berns Taktikfuchs Kari Jalonen hat es irgendwie doch noch in den Final geschafft. (TOPpictures/Andy Buettiker)

Heute geht die Austragung um den Meistertitel 2019 in die letzte Runde. Die zwei besten Mannschaften der Qualifikation treffen in der finalen Best-of-Seven-Serie gegeneinander an. HockeyInfo tippt den Final.

Es kommt nicht jedes Jahr zur Konstellation, in welcher der Erst- und der Zweitplatzierte der Qualifikation im Final aufeinandertreffen. Zuletzt war dies 2013 der Fall, als sich Fribourg-Gottéron und der SC Bern gegenüberstanden. Damals verlor der vermeintliche Favorit gegen die Nummer 2 der Qualifikation in sechs Spielen. Wenn sich dieses Szenario sechs Jahre später tatsächlich wiederholen würde, dann würde der EV Zug zum ersten Mal seit 1998 und erst zum zweiten Mal in der Geschichte Meister werden. Und ganz nebenbei würde die Dominanz der Big Four (Davos, Zürich, Bern, Lugano) nach 20 Jahren gebrochen werden - oder anders gesagt: Der EV Zug würde die Big Four inklusive sich selbst in die Big Five umwandeln.

Bei einem Aufstieg des EV Zug zu den Big Four hätten die Big Five die letzten 23 Titel untereinander ausgemacht. (TOPPictures Dominic Richter)

Stephan gegen Genoni und zukünftige Freunde und Feinde

Für Leonardo Genoni sind es die letzten Spiele im Trikot des SCB. Er wechselt im Sommer ausgerechnet zum Finalgegner Zug. Dort wird er Tobias Stephan ersetzen, den es gezwungenermassen in Richtung Lausanne zieht. Beide Torhüter werden also das Team verlassen. Dennoch gibt es einen Unterschied zwischen Genoni und Stephan. Genoni hat in Bern eigentlich nichts mehr zu gewinnen. Es wäre nur ein weiterer Meistertitel in Renommee, sein fünfter insgesamt. Einen davon hat er mit Bern bereits gewonnen.

Für Stephan sieht die Situation allerdings ganz anders aus. Er wurde noch nie Schweizer Meister, obwohl er seit einem guten Jahrzehnt zu den besten Torhütern der Liga gehört. Es wird ihm stets vorgeworfen, ihm haben die Nerven versagt. Nun steht er so nahe am Coup wie noch nie. Er könnte sich in Zug noch einmal gebührend verabschieden.

Tobias Stephan will bei seinem dritten Finaleinzug endlich den ersten Meisterschaftstitel gewinnen. (TOPpictures/Andy Buettiker)

Wenn Genoni Bern zum dritten Meistertitel in den letzten vier Jahren hexen soll, dann werden ihm die Berner Fans umso mehr nachtrauern. Die Zuger würden sich hingegen umso mehr auf dessen Ankunft freuen. Wird Stephan Meister, dann muss sich Zug fragen, weshalb sie überhaupt Genoni brauchen - und Bern würde in eine ziemlich tiefe Depression fallen. Kein Meistertitel und kein Genoni mehr - ein Horror-Szenario.

Special Teams sprechen deutlich für Zug

Dass Zug in der Theorie die deutlich frischeren Beine haben sollte und die Eiszeit in den eigenen Reihen besser verteilt, wurde schon zu genüge diskutiert. Dass vieles von den Torhütern abhängt, ist auch allen klar. Eine weitere Statistik könnte aber viel Licht ins Dunkel bringen: Die Special Teams. Zug hat das zweitbeste Boxplay. Fast 90 % der Unterzahlsituationen überstehen die Innerschweizer. Bern verwertet zwar mit 22.22 % überdurchschnittlich viele seiner Überzahlmöglichkeiten, doch die Zuger übertreffen auch in dieser Statistik den SCB mit 22.73 %. Das Unterzahlspiel haben die Berner weniger im Griff und überstehen nur 79.41 % der Gefahren.

Die Bullystatistik sieht ebenfalls den EV Zug im Vorteil. 55.90 zu 53.74 Prozent sind zwar kleine, aber feine Unterschiede.

Vieles spricht also für den EV Zug. Und so sieht es auch HockeyInfo. Unser Tipp lautet, dass sich Zug in sechs Spielen durchsetzt und aus den Big Four die Big Five macht.


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