HockeyInfo Saison-Vorschau 2020/21: Der EV Zug nicht mehr Topfavorit

Der EV Zug war in der vergangenen Saison der Favorit auf den Meistertitel, verspielte den Qualifikationssieg aber noch im letzen Spiel. Nach einem Transfersommer, der hauptsächlich von Abgängen geprägt ist, nehmen die Zuger einen neuen Anlauf mit womöglich weniger Druck auf ihren Schultern. 

Immer noch Weltklasse

Nach Startschwierigkeiten beim EV Zug steigerte sich Leonardo Genoni in der vergangenen Saison stetig und war schliesslich ein sicherer Rückhalt für die Innerschweizer. Der 32-jährige gehört unangefochten zur nationalen Spitze seines Faches. Da bleibt dem 20-jährigen Luca Hollenstein nur die Rolle als Backup, welche er allerdings sehr gewissenhaft ausführt und stets gute Leistungen abliefert, wenn er dann dran kommt.

Schwachpunkt Verteidigung

Wenn beim EV Zug einen Schwachpunkt hervorgehoben werden muss, dann ist es die Verteidigung. Mit den Abgängen von Thomas Thiry und Miro Zryd zu Bern und Johann Morant zum ZSC sind zwar keine absoluten Leistungsträger verloren gegangen, die Breite des Kaders leidet darunter aber trotzdem. Zumal mit Yanick Stampfli und Luca Capaul zwei der drei besten Verteidiger der EVZ Academy ebenfalls andernorts eine neue Herausforderung suchen. 

Neben den Abwehrchefs Raphael Diaz und Santeri Alatalo sieht die Defensive nicht  aussergewöhnlich beängstigend aus. Mit Nico Gross (20) und Tobias Geisser (21) kehren immerhin zwei Talente vorübergehend aus Nordamerika zurück. Zudem befinden sich mit Livio Stadler (22) und Dario Wüthrich (20) zwei weitere Youngsters im Kader, das insgesamt nur neun Verteidiger umfasst. Viel Talent besitzen die Innerschweizer auf jeden Fall in ihren Defensivreihen, ob es allerdings bereits in dieser Saison ausgeschöpft werden kann oder ob die vielen jungen Talente zuerst noch etwas Lehrgeld zahlen, wird sich zeigen.

Raphael Diaz wird im Januar bereits 35 Jahre alt. Wie lange kann er noch auf Topniveau spielen? (JustPictures)

Rückkehr des NHL-Debütanten

Neben Gross und Geisser kehrt mit Calvin Thürkauf ein weiterer Zuger Nachwuchsspieler aus Nordamerika in die Schweiz zurück. Der Entry-Level-Vertrag des 23-jährigen Stürmers mit den Columbus Blue Jackets, die seine Rechte besitzen, lief in diesem Sommer aus. Bevor er nun einen neuen Vertrag in der NHL unterschreibt, startet er die Saison in Zug. Thürkauf gab in der vergangenen Saison sein Debüt in der NHL. Mit seinen 188 cm bringt er eine überdurchschnittliche Physis mit, eine Komponente, die bei Schweizer Stürmern in der National League eher eine Rarität und spannend zu beobachten ist.

Leihe aus der NHL

Nachdem sich Oscar Lindberg nach nur einer Saison beim EV Zug in Richtung KHL verabschiedet hatte, brauchten die Zuger Ersatz. Doch die aktuelle Coronakrise hatte einen Einstellungsstopp zu Folge. Schliesslich wurde eine Lösung gefunden, von der alle involvierten Parteien profitieren können und die kein Budget in Anspruch nimmt. Ryan McLeod wechselt leihweise von den Edmonton Oilers zu Zug. Der 21-jährige Kanadier soll in der Schweiz Spielpraxis sammeln und sich dort weiterentwickeln, bis die Saison in Nordamerika wieder startet. In der vergangenen Saison sammelte der Center 23 Skorerpunkte in 56 Spielen in der AHL.

Neben Jan Kovar, dessen Vertrag verlängert worden ist, fehlt es aber an einem weiteren Ausländer, der Spiel für Spiel den Unterschied ausmachen kann. Sowohl Carl Klingberg (28 Punkte in 47 Spielen) als auch Erik Thorell (19 Punkte in 30 Spielen) haben zuletzt nicht allzu regelmässig gepunktet.

Zuzüge:

  • Claudio Cadonau (V)
  • Nico Gross (V)
  • Tobias Geisser (V, Leihe)
  • Calvin Thürkauf (S)
  • Ryan McLeod (S. Leihe)

Abgänge:

  • Thomas Thiry (V)
  • Miro Zryd (V)
  • Johann Morant (V)
  • Fabian Schnyder (S)
  • Jordann Bougro (S)
  • Dominik Volejnicek (S)
  • Oscar Lindberg (S)
  • Andreas Martinsen (S)

Ausländer:

  • Jan Kovar (S)
  • Carl Klingberg (S)
  • Erik Thorell (S)
  • Ryan McLeod (S)

Die nächste Generation 

Im Vergleich zum letzten Sommer blieben die Zuger in diesem ziemlich zurückhaltend. Neben Thürkauf und McLeod stösst nur Claudio Cadonau zu den Innerschweizern. Der 32-jährige Verteidiger ist zwar ein solider Arbeiter, mehr aber auch nicht.

Die Transferphase ist mehrheitlich von Abgängen geprägt, vor allem auch bei der EVZ Academy. Dies bietet natürlich wieder Chancen für neue Nachwuchstalente. Doch allzu viel kann man von den vielen jungen Spielern der EVZ Academy, die vielfach noch U20-berechtigt wären, auch nicht erwarten. Da ist der Niveauunterschied zwischen Junioren und Profis mittlerweile einfach zu gross. Auf die Academy wird Zug auf jeden Fall zurückgreifen müssen, da sich nur neun Verteidiger und 14 Stürmer im Kader befinden, wovon Lino Martschini und Yannick-Lennart Albrecht noch einige Wochen ausfallen.

Für HockeyInfo gehört einerseits das Zuger Ausländerquartett nicht zu den besten der Liga, andererseits fehlt es etwas an der Tiefe des Kaders. Deshalb reicht es für HockeyInfo nicht, um am Ende der Regular Season zuoberst zu stehen: Platz 3

HockeyInfo Saisonprognose:

1.

2.

3. EV Zug

4.

5.

6. HC Davos

 

7. HC Fribourg-Gottéron

8.

9.

10.

11. HC Ambri-Piotta

12.




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