HockeyInfo Saison-Vorschau 2020/21: Der SC Bern als Underdog

Der SC Bern hat in der letzten Saison die Playoffs verpasst, auch wenn gar keine stattgefunden haben. Obwohl viele Fragen offen sind, eines ist in dieser Spielzeit klar: Die Berner gehören keinesfalls zu den Topfavoriten.

Notlösung im Tor

Jahrzehntelang durfte der SC Bern auf einen grossen Torhüter im Kasten setzen: Renato Tosio, Marco Bührer und zuletzt Leonardo Genoni. Seit dem Abgang von Genoni wurde allerdings noch keine zu hundert Prozent zufriedenstellende Lösung gefunden. Das Experiment Schlegel wurde schnell einmal abgebrochen und die Notlösung mit einem ausländischen Torhüter eingeleitet. Diese Notlösung wird auch in der kommenden Saison noch standhalten. Tomi Karhunen macht seine Aufgabe im Tor zwar äusserst solide und gab der Mannschaft auch sicherlich mehr Rückhalt als Schlegel. Doch eine Ausländerlizenz im Tor zu verbrauchen, kann nie die Wunschlösung sein. Deshalb soll in dieser Saison der 22-jährige Philip Wüthrich als kommende Nummer 1 aufgebaut werden. Das Eigengewächs war die letzten zwei Jahre an den SC Langenthal ausgeliehen und zählte zu den besten Torhütern der Swiss League.

Beginn eines Umbruchs 

Nach insgesamt acht Jahren im Trikot des SCB musste Justin Krüger einen neuen Arbeitgeber suchen. Der Vertrag des 33-jährigen Verteidigers wurde nicht mehr verlängert. Dafür verpflichteten die Berner gleich zwei neue, relativ junge Verteidiger. Thomas Thiry und Miro Zryd wechseln beide aus Zug in die Hauptstadt. Weder der 23-jährige Thiry noch der 25-jährige Zryd hatten dort eine tragende Rolle. Trotzdem stärken die beiden die Defensive in der Breite und leiten einen Umbruch ein, der in den nächsten Jahren erfolgen wird. Mit Beat Gerber steht nämlich der zweitälteste Spieler der Liga unter Vertrag.

Zwischenzeitliche Haas-Rückkehr 

Nach seinem Abgang in die NHL hinterliess Gaetan Haas ein grosses Loch auf der Mittelachse, das es weiterhin zu stopfen gilt. Nun kehrt der 28-jährige Center leihweise zurück nach Bern. Dort soll er seinen ehemaligen Teamkollegen wieder mehr Stabilität verleihen, die zuletzt stark vermisst worden ist.  

Ansonsten lesen sich die Zuzüge relativ bescheiden. Jan Neuenschwander ist einer für die hinteren Linien, während sich Thierry Bader in der höchsten Schweizer Liga noch nicht richtig festsetzen konnte. Simon Sterchi stand die letzten fünf Jahre nur in der Swiss League unter Vertrag und wurde zum Saisonstart schon wieder dorthin ausgeliehen.

In der vergangenen Saison sammelte Haas in 59 NHL-Spielen 10 Skorerpunkte. (JustPictures)

Nur drei Ausländer

Bisher haben die Berner nur drei Ausländer unter Vertrag, darunter Torhüter Tomi Karhunen. Auf dem Feld sind es also nur zwei. Mit Dustin Jeffrey wurde ein sicherer Wert verpflichtet, der zuvor in vier Jahren in Lausanne 202 Skorerpunkte gesammelt hat. Ted Brithén hingegen ist in der Schweiz völlig unbekannt. Der 29-jährige Schwede spielte in seiner Profikarriere bisher ausschliesslich in seiner Heimat. Dort absolvierte er zuletzt seine persönlich beste Saison und entschied sich dadurch für einen Wechsel in die Schweiz.

Eigentlich wollten die Berner mit fünf Ausländern in die Saison starten, doch die finanzielle Situation lässt dies vorerst nicht zu. 

Zuzüge:

  • Philip Wüthrich (G)
  • Miro Zryd (V)
  • Thomas Thiry (V)
  • Simon Sterchi (V)
  • Thierry Bader (S)
  • Jan Neuenschwander (S)
  • Kyen Sopa (S)
  • Dustin Jeffrey (S)
  • Ted Brithén (S)
  • Gaetan Haas (S, Leihe)

Abgänge:

  • Pascal Caminada (G)
  • Justin Krüger (V)
  • Andrew MacDonald (V)
  • Daniele Grassi (S)
  • Matthias Bieber (S)
  • Marc Kämpf (S)
  • Andrew Ebbett (S)
  • Jan Mursak (S)
  • Mark Arcobello (S)
  • Christian Thomas (S)

Ausländer:

  • Tomi Karhunen (G)
  • Dustin Jeffrey (S)
  • Ted Brithén (S)

Kein grosser Konkurrent

Die Berner sind vor dieser Saison kaum einzuschätzen. War die vergangene Saison nur ein grosser Ausrutscher oder sind sie tatsächlich keine Playoff-Mannschaft mehr? Klar ist auf jeden Fall, dass sie mit nur zwei ausländischen Feldspielern noch einmal etwas an Qualität verloren haben, auch wenn zwischenzeitlich Gaetan Haas zurückgekehrt ist. Die Leitwölfe des Teams Simon Moser (32), Eric Blum (34), Thomas Rüfenacht (35) und Beat Gerber (38) haben alle ein zusätzliches Jahr auf dem Buckel und werden nicht mehr schneller und wendiger. Deshalb darf die Behauptung, der SCB sei kein Playoff-Team mehr, durchaus in die Runde geworfen werden.

Dazu kommt natürlich auch ein völlig unbekannter Trainer. Der Kanadier Don Nachbaur weist mit nur gerade einer Saison in der AHL und einer in der Slowakei sehr wenig Erfahrung als Headcoach auf Profistufe auf. Dafür war er jahrelang Trainer in der kanadischen Juniorenliga WHL. Wie sehr er dem Meister von 2019 sein Spiel aufdrücken kann, wird sich erst noch zeigen. 

Für HockeyInfo gehören die Berner vor dem Saisonstart nicht zu den Titelanwärtern. Sie werden es zu spüren bekommen, dass vorerst nur zwei ausländische Feldspieler auf dem Eis stehen. Deshalb reicht es nur für die Pre-Playoffs: Platz 8

HockeyInfo Saisonprognose:

1. ZSC Lions

2. HC Genf-Servette

3. EV Zug

4. HC Lugano

5. Lausanne HC

6. HC Davos

 

7. HC Fribourg-Gottéron

8. SC Bern

9. EHC Biel

10. SC Rapperswil-Jona Lakers

11. HC Ambri-Piotta

12. SCL Tigers




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