HockeyInfo Saison-Vorschau: Bern plötzlich nicht mehr Hauptfavorit

Vor wenigen Monaten durfte sich der SC Bern zum dritten Mal innert vier Spielzeiten zum Meister küren. Keine andere Mannschaft spielte in den vergangenen Spielzeiten so konstant wie die Hauptstädter. Auch wenn die Spielweise von Trainer Kari Jalonen nicht immer schön anzusehen ist und selbst aus den eigenen Reihen teils für Kritik sorgte, passt das System zur Mannschaft und funktioniert ausgezeichnet. 

Experiment Schlegel als Nummer 1

Der SC Bern hat in diesem Sommer den besten Schweizer Torhüter der vergangenen Jahre an den direkten Konkurrenten Zug verloren. Damit ist eine gewisse Sicherheit und Konstanz auf der wichtigen Torhüterposition nicht mehr vorhanden. Leonardo Genoni hatte in seinen drei Spielzeiten im Berner Trikot im Durchschnitt eine unglaubliche Fangquote von über 93 Prozent. 

In die Fussstapfen des fünffachen Meistertorhüters soll nun Niklas Schlegel treten. Der 25-Jährige kam in Zürich nie an Lukas Flüeler vorbei und musste sich dort mehrheitlich mit der Reservistenrolle zufrieden geben. Das riesige Potential, das er bereits vor fünf Jahren bei seinem NLA-Debüt gezeigt hat, konnte er noch nicht richtig entfalten. In Bern hofft man nun natürlich genau auf diese Metamorphose vom Bankdrücker zur wahren Nummer 1 in der Schweiz. 

Niklas Schlegel gibt heute Abend sein Pflichtspiel-Debüt im Berner Trikot in der Champions Hockey League. (bild: twitter)

Einbauen junger Talente in die Defensive

Seit Kari Jalonen als Trainer beim SC Bern im Amt ist, haben eigene Nachwuchstalente in Bern kaum den Sprung vom Ergänzungsspieler zum Leistungsträger geschafft. Nun stehen drei junge Verteidiger im Kader, die aus dem eigenen Nachwuchs der letzten Jahre stammen. Einer davon ist Yanik Burren, der alle Spiele der vergangenen Saison absolviert hat und zu einer wichtigen Personalie aufgestiegen ist. Sein Ziel wird sein, nach dem Abgang von Routinier Jeremie Kamerzin noch mehr Verantwortung zu übernehmen. 

Colin Gerber wird als achter Verteidiger ebenfalls tiefer in die Mannschaft integriert werden. Der 21-Jährige kam in der letzten Saison zwischendurch zu Einsätzen in der National League, verbrachte aber den grössten Teil in Olten. Zudem soll Mika Henauer zu ersten Einsätzen auf Profistufe kommen.

Der Schwede Adam Almquist hat den SCB nach nur einer Saison bereits wieder verlassen. Mit Miika Koivisto haben die Berner einen finnischen Weltmeister als Ersatz an Land gezogen. Es wird interessant zu sehen sein, ob sich der 29-Jährige direkt an das Spiel in der National League anpassen kann.

Haas-Ersatz in den eigenen Reihen und Verstärkung auf den Flügeln 

In diesem Sommer hat Bern den erwarteten Abgang von Gaetan Haas zu verkraften. Der 27-jährige Center will sich in der NHL bei den Edmonton Oilers versuchen und hinterlässt eine relativ grosse Lücke auf der Mittelachse. Auf dem Transfermarkt konnte diese nicht kompensiert werden. Dafür liegt die Lösung bereits in den eigenen Reihen. Andre Heim könnte nach seiner ersten vollständigen Saison bei den Profis in die Fussstapfen von Haas springen.

Gaetan Haas liess sich bei seiner vorzeitigen Vertragsverlängerung eine NHL-Klausel einbauen.

Auf den Flügeln haben sich die Berner hingegen gut verstärkt. Vincent Praplan kehrt nach nur einem Jahr aus Amerika zurück, nachdem er sich dort nicht durchgesetzt hat. Falls er an sein Niveau von der Saison 2016/17 herankommen wird, kann Praplan einer der besten Flügel der Liga sein. Jedoch rannte er bereits in seinem letzten Vertragsjahr in Kloten vergebens seiner Bestform hinterher.

Ebenfalls den Weg in die Hauptstadt gefunden hat Inti Pestoni. Nachdem der Tessiner zwei Seuchenjahre in Zürich gehabt hatte, wechselte er vor einem Jahr nach Davos und fand dort zu alter Stärke zurück. Nun will der 28-Jährige allen beweisen, dass er sich bei einem Titelkandidaten durchsetzen kann. 

Zuzüge:

  • Niklas Schlegel (G)
  • Mika Henauer (D)
  • Miika Koivisto (D)
  • Jeremi Gerber (F)
  • Inti Pestoni (F)
  • Vincent Praplan (F)

Abgänge:

  • Leonardo Genoni (G)
  • Jérémie Kamerzin (D)
  • Aurelién Marti (D)
  • Adam Almquist (D)
  • Gaetan Haas (F)

Ausländer:

  • Miika Koivisto (D)
  • Mark Arcobello (F)
  • Andrew Ebbett (F)
  • Jan Mursak (F)

Auch ohne Genoni und Haas in Richtung Titel?

Die Ansprüche der Fans, aber auch der sportlichen Führung sind klar: Auch ohne Leonardo Genoni und Gaetan Haas soll der Meistertitel in der Hauptstadt bleiben. Sollten sowohl Niklas Schlegel als auch André Heim die nächsten Schritte in ihrer Entwicklung gelingen, dann können sie die Abgänge ohne Probleme abfedern. 

Die Defensive der Berner ist wohl die beste der Liga, was die Aufgabe für Schlegel zusätzlich erleichtert. Und auch wenn Teamleader wie Andrew Ebbett (36), Thomas Rüfenacht (34) und Beat Gerber (37) nicht mehr jünger werden, steckt sehr viel Potential und vor allem Winner-Mentalität, die in den Playoffs besonders gefragt ist, in der Mannschaft. 

Trotzdem glaubt HockeyInfo, dass die Berner die Regular Season erstmals seit drei Jahren nicht auf Platz 1 beenden werden. Der Meister wird in der Qualifikation den einen oder anderen Punkt liegen lassen, sich das Heimrecht für die Playoffs aber dennoch souverän erspielen.

Bern: Platz 3

HockeyInfos Prognose: 

1. 

2.

3. SC Bern

4.

5.

6.

 

7. HC Ambri-Piotta

8.

9.

10.

11.

12.


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