Luganos Verteidigerproblem ohne Aussicht auf Besserung

Der HC Lugano steht in einer schwierigen Saison. Nach dem Umbruch der sportlichen Führung müssen die Südtessiner stark um die Playoffs bangen. Ist es nur eine Übergangssaison? Nein, denn die grösste Schwäche bleibt auch in der kommenden Saison bestehen.

Sechs Niederlagen in Serie: Das sind sich die Fans, Spieler und Verantwortlichen des HC Lugano nicht gewöhnt. Doch nach der 3:2 Niederlage am Dienstag in Davos ist dies Tatsache. Gleichzeitig weist man nun die zweitschlechteste Tordifferenz der Liga auf. Bei einem Klub wie Lugano, der in den letzten acht Spielzeiten nach 50 Spielen nur einmal eine negative Torbilanz hatte, müssten dabei eigentlich die Alarmglocken läuten. 

Die Defensive als grosse Schwachstelle

Bereits in der letzten Saison war die Verteidigung die grosse Schwachstelle der Tessiner. Ohne die produktivste Offensive der Liga wäre man - wenn man nur die Anzahl Gegentreffer betrachtet - in den Playouts gelandet. Im Sommer gab es den nationalen Markt betreffend trotzdem keine Zuzüge. Deshalb wurde kurz vor Saisonstart ein zweiter ausländischer Verteidiger verpflichtet, der die Defensive stabilisieren soll. Atte Ohtamaa verrichtete zwar eine solide Arbeit. Trotzdem darf die Frage gestellt werden, ob er eine Ausländerlizenz wert war. 

Vermutlich würde die Antwort bei vielen Nein lauten. Für Trainer Sami Kapanen stellte sich die Frage allerdings gar nicht. Denn es mangelte an Alternativen mit Schweizer Lizenz, die über 20 Minuten pro Spiel auf dem Feld stehen können. In seinen besten Jahren hätte dies Julien Vauclair wohl noch problemlos getan, doch mit 40 Jahren hat er seinen Zenit überschritten. Romain Loeffel strahlt zwar sehr viel Offensivgefahr aus, die Wahrscheinlichkeit ein Gegentreffer durch einen defensiven Aussetzer zu erhalten ist bei ihm in dieser Saison jedoch genauso hoch.

Julien Vauclair, der WM-Silberheld von 2013, hat seinen Zenit überschritten. (JustPictures)

Die Zukunft sieht nicht viel besser aus

Am Mittwochmorgen wurde der Abgang von Benoit Jecker bekannt. Der 25-jährige Verteidiger wechselt Ende Saison zurück zu seinem Ausbildungsklub Fribourg. Der Abgang eines Spielers wie Benoit Jecker wäre für den HC Lugano vor zehn Jahren kaum die Rede wert gewesen. Man hätte ihn einfach ersetzt. Doch heutzutage ist das gar nicht mehr so einfach. 

Auf dem Transfermarkt gibt es kaum mehr Alternativen. Einige Veteranen wie zum Beispiel Severin Blindenbacher, Felicien Du Bois oder Justin Krüger wären noch zu haben. Sie sind allerdings keine Lösung für die Zukunft. Tim Berni ist neben Calle Andersson, der sich vermutlich zwischen Bern und Zürich entscheiden wird, das Prunkstück auf dem Markt. Der 19-Jährige wird sich vermutlich zwischen NHL und ZSC entscheiden. Bei den restlichen «Free Agents» dürfte sich die Frage nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis stellen. Lugano, dessen Präsidentin sich nun plötzlich der Vernunft aussetzt, will allerdings keine überteuerten Gehälter mehr zahlen und mit Verstand wirtschaften.

In Lugano gibt es also Grund zur Sorge: Für die kommende Saison stehen aktuell nur fünf Schweizer Verteidiger unter Vertrag. Alessandro Chiesa, Romain Loeffel und Elia Riva sind jeweils bis 2022, Thomas Wellinger, der jetzt schon kaum eine Rolle spielt, bis 2021 an Lugano gebunden. Zudem sammelt Lucas Matewa bei den Ticino Rockets Spielpraxis. Doch selbst dort ist der 20-jährige kein sicherer Wert, weshalb sich die Frage nach seiner Zukunft stellt. 

Der neue Sportchef Hnat Domenichelli arbeitet zwar fleissig an der Planung für die kommende Saison. Mit Mark Arcobello und Raphael Herburger konnte er zwei Toptransfers machen. Allerdings besteht die Not eher in der Defensive. Und dort wurde in den letzten Jahren nämlich etwas geschlafen. Die Wahrscheinlichkeit ist demnach hoch, dass Lugano auch in der kommenden Saison mit zwei defensiven Importspielern in die Saison steigt. Oder Julien Vauclair muss auch mit 41 Jahren noch die Schlittschuhe binden.


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