Mitchell Marner - Der grösste Trumpf der Toronto Maple Leafs im Kampf um den Stanley Cup

In dieser Saison hat Mitchell Marner noch einmal extreme Fortschritte gemacht und sich offensiv als auch defensiv stark gesteigert. Er kann Toronto zum Stanley Cup führen.

Wenn von den Toronto Maple Leafs gesprochen wird, dann fällt der Name Mitchell Marner oftmals erst an dritter Stelle. Das ist verständlich, denn mit Auston Matthews und dem im Sommer verpflichteten John Tavares haben die Leafs zwei Nummer 1 Drafts in ihren Reihen. Marner hingegen wurde 2015 erst an vierter Stelle gezogen, hinter Connor McDavid, Jack Eichel und Dylan Strome.

Das extrem starke Draftjahr 2015, zu dem auch Timo Meier gehört. (screenshot: Elite Prospect)

Die Amerikaner legen sehr viel wert auf diese Draft-Zahlen. Deshalb wird Marner für viele Fans wohl nie an das Standing eines Matthews herankommen. Er wurde halt erst an vierter Stelle gezogen. Doch die Experten streiten sich mittlerweile immer mehr darum, ob Marner vielleicht nicht sogar besser ist als Matthews. Denn in den letzten drei Jahren hat er sich stets gesteigert. In dieser Saison sammelte er überragende 91 Skorerpunkte, nachdem ihm zuvor 69 bzw. 61 gelungen waren. In dieser Spielzeit hat er erstmals einen besseren Punkteschnitt als Matthews.

Im dritten Spiel gegen die Boston Bruins erhielt Marner mit Abstand am meisten Eiszeit aller Stürmer. Mit 23:12 stand er fast dreieinhalb Minuten mehr auf dem Eis als Tavares oder Matthews. Mittlerweile wird er gar in Unterzahl eingesetzt. Er hat sich also zu einem wahren Allrounder entwickelt, der in jeder Situation auf dem Eis stehen kann.

Mitchell Marner war in der Regular Season elftbester Skorer und mit 68 Assists der viertbeste Vorbereiter. (Fred Kfoury III/Icon Sportswire)

Marner kann auch defensiv den Unterschied ausmachen

Mit 21 Jahren haben die meisten Spieler noch eine gewisse Naivität in ihrem Spiel. Die jungen Athleten treten offensiv zwar oftmals unbekümmert und unbeschwert auf, doch es gibt auch gewisse taktische Gründe, weshalb teilweise kaum Nachwuchstalente in der vierten Linie eingesetzt werden. Sie sind halt einfach noch zu grün hinter den Ohren. Kari Jalonen weiss - dank seiner jahrzehntelangen Erfahrung - bestens Bescheid.

Auch Marner tritt offensiv mit der Unbekümmertheit eines jungen Rehs auf und versetzt die Zuschauer immer wieder mit wortwörtlich aus dem Handgelenk gezauberten Aktionen ins Staunen. Doch er hat im Vergleich zu vielen anderen seines Jahrganges auch das Spiel in der eigenen Zone im Griff. In dieser Saison hat er am meisten Scheibengewinne (sogenannte Takeaways) aufzuweisen. Mit seiner herausragenden Geschwindigkeit holt er natürlich jeden Gegenspieler ein. Der Puck ist meist schon wieder weg, bevor ihn der Gegenspieler überhaupt gesehen hat.

Im dritten Spiel fiel Marner neben einem Assist und seinen 23 Minuten Eiszeit vor allem mit einer Aktion auf. Als nur noch wenige Sekunden zu spielen waren, stand natürlich auch der flinke und von Coach Mike Babcock mit viel vertrauen beschenkte Marner auf dem Eis. Die Boston Bruins hatten schon längst den Torhüter durch einen sechsten Feldspieler ersetzt und sich in der gegnerischen Zone festgesetzt. Zwei Sekunden vor Schluss zog David Pastrnak gezwungenermassen ab, Marner warf sich in den Schuss und blockte ihn ab. Der Puck sprang aber zurück zu Pastrnak, der ein zweites Mal draufhielt. Doch wieder blockte Marner, diesmal auf dem Boden liegend, den Schuss ab.

 

Es ist eigentlich eine gewöhnliche Szene, die vermutlich bald wieder in Vergessenheit geraten wird. Geblockte Schüsse gehören zum Alltag eines Eishockeyspielers. Trotzdem ist es erstaunlich, dass der nicht gerade mit zu vielen Muskeln bepackte Marner (181 cm, 77 kg) sich so für die Mannschaft aufopfert. Er wäre ja eigentlich mehr für das Toreschiessen zuständig.

Gelingt Toronto die Rache an Boston?

Vor einem Jahr haben die Bruins die Playoff-Serie gegen die Maple Leafs im siebten Spiel für sich entschieden. Gut möglich, dass es in diesem Jahr anders enden wird. Denn neben Matthews ist vor allem einer älter geworden: Mitchell Marner. Er kann mittlerweile nicht nur offensiv, sondern auch defensiv den Unterschied ausmachen. In diesen Playoffs erhält er bisher drei Minuten mehr Eiszeit pro Spiel als in den vergangenen. Er scheint wichtiger geworden zu sein als Matthews und führt die interne Playoff-Skorerliste mit zwei Treffern und einem Assist an.

Und was nicht zu unterschätzen ist: Marner macht Fortschritte bei seinem Bartwuchs. «Vielleicht ein bisschen. Der Flaum ist nun etwas schwerer geworden. Am besten schaue ich, ob ich ihn färben kann.» Was für eine gelassene Antwort des 21-Jährigen auf die Frage, wie es denn nun endlich mit seinem Bartwuchs aussieht. Er kann die Maple Leafs ohne Zweifel zum langersehnten ersten Stanley Cup Titel seit 52 Jahren führen.


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