Paradox - Wenn der Verwaltungsrat Spieler verpflichten, aber keine Verluste übernehmen kann

Die SCL Tigers verpflichten mit Marcus Nilsson einen zusätzlichen Ausländer. Der Spieler wird von einem Verwaltungsrat finanziert, weshalb das Budget der Langnauer nicht belastet wird. Da stellt sich natürlich die Frage: Weshalb können die Verluste nicht vom Verwaltungsrat übernommen werden? 

Alle Klubs der National League und Swiss League werden diese Saison mit einem grossen Verlust beenden. Dies ist hauptsächlich dem Zuschauerverbot aufgrund des Coronavirus geschuldet, was natürlich weitere finanzielle Folgen wie verminderte Sponsoren- und Gastro- einnahmen verbunden ist. 

Da das Hockey-Business genauso schuldlos an der Krise betroffen ist wie viele andere Branchen, verlangen die Hockey-Funktionäre staatliche Unterstützung. Mit Darlehen gaben sie sich aber nicht zufrieden, denn diese hätten vermutlich gar nie zurückbezahlt werden können. Schliesslich sprach der Bundesrat doch noch A-fonds-perdu-Beiträge aus. Jeder Klub darf - abhängig von den Zuschauereinnahmen der letzten zwei Jahren - mit ein paar Millionen Steuergeld rechnen. Zumindest ein Teil der Verluste kann so abgefedert werden.

Um die Saison finanziell trotzdem zu überstehen, müsste es bei den Klubs eigentlich heissen: Sparen, wo man sparen kann. Dies sehen allerdings längst nicht alle Klubs gleich. Neustes Beispiel: Die SCL Tigers verpflichten den Schweden Marcus Nilsson. Der 29-jährige Stürmer ist zwar frei auf dem Markt verfügbar, da sein Vertrag in der KHL aufgelöst worden ist. In der Medienmitteilung heisst es: «Da der Transfer von einem Verwaltungsrat finanziert wird, wird die Rechnung der SCL Tigers durch diesen Ersatz-Transfer nicht belastet.»

Es ist erfreulich, dass die SCL Tigers mit dem letztjährigen Topskorer der SHL vermutlich etwas konkurrenzfähiger werden. Trotzdem muss das Ganze/(Strategie hinterfragen) kritisch betrachtet werden: Egal, woher das Geld kommt, wir kommen zum Schluss, dass trotzdem irgendwoher Geld vorhanden ist/sein muss. Ob es nun im Budget der Langnauer liegt, ob ein Mäzen im Hintergrund vorhanden ist oder ob sich der Verwaltungsrat etwas Geld zusammenlegt, es ist Geld vorhanden. Anstatt mit diesem den Verlust weiter abzufedern, wird ein weiterer Spieler verpflichtet. Und Steuergeld wird trotzdem gefordert.

Weshalb überhaupt so ein Transfer?

Die Frage ist, weshalb die SCL Tigers überhaupt so einen Transfer tätigen? Sportlich gesehen haben sie in dieser Spielzeit nichts zu verlieren. Sie werden nicht absteigen, egal ob sie am Ende der Saison die bisher erkämpften acht Punkte, 40 oder 80 Punkte auf dem Konto haben. Es spielt schlechtweg keine Rolle. 

Logischerweise geht das Zuschauerinteresse etwas verloren, wenn die Mannschaft nicht konkurrenzfähig ist und eine Niederlage nach der anderen einstecken muss. Aber mit etwas Sarkasmus muss man ehrlich sagen: Ob die Tigers nun die beste Saison ihrer Geschichte spielen und auf Platz 1 liegen oder ob sie abgeschlagen die rote Laterne tragen, es gehen nicht mehr oder weniger Zuschauer ins Stadion. Weil Zuschauer momentan schlicht nicht erlaubt sind. 

So wirft dieser ambivalente Transfer sicherlich schlechtes Licht auf das Schweizer Eishockey. Wer Steuergelder will ohne dass das einfache Volk auf die Barrikaden geht, der muss sparen, wo gespart werden kann. Folglich dürfen auch die Verträge mit den Leihspielern aus der NHL nicht verlängert werden, auch wenn sie «als Folge von COVID-19 zu vertretbaren Konditionen verpflichtet werden». Jeder Rappen, der zusätzlich ohne wirklich triftigen Grund ausgegeben wird, ist aktuell einer zu viel.




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