Saisonanalyse 2018/19 - Der SC Bern hat es noch einmal geschafft

Der SC Bern krönt sich zum dritten Mal innert den letzten vier Jahren zum Schweizer Meister. HockeyInfo macht eine kurze Analyse zur Spielzeit der Berner.

Best Player - SC Bern

Er ist mit Abstand der beste Torhüter, den die Schweiz momentan hat: Leonardo Genoni. Der WM-Silberheld hexte den SC Bern zum dritten Titel in den letzten vier Jahren und sich selbst zu seinem persönlich fünften Schweizer Meistertitel. Mit einer Fangquote von 94.6 % war er in den Playoffs praktisch in jedem Spiel der überragende Mann. Genoni strahlt eine Ruhe aus, die man so von keinem anderen Schweizer Torhüter kennt, und hat eine Konstanz, die sich manch ein Trainer von seinem Schlussmann wünscht.

Leonardo Genoni ist mit Abstand der beste Schweizer Torhüter der Gegenwart. (TOPpictures/Michael Walch)

Genoni wird auch an der kommenden WM wieder die Nummer 1 im Schweizer Kasten sein, falls er denn ein Aufgebot annimmt.

Die Überraschung

Eigentlich sind den Experten die Qualitäten von Calle Andersson schon länger bekannt. Der Schwede mit Schweizer Lizenz hat in der National League bereits drei Spielzeiten mit über zehn Punkten hinter sich. In dieser Saison übertraf Andersson aber alle Erwartungen: Mit 33 Skorerpunkten (6 Toren) sammelte er am meisten Skorerpunkte aller Verteidiger der National League und spielte so stark auf, dass der SCB Angst haben muss, ihn spätestens nach Vertragsablauf 2020 an die NHL zu verlieren.

Dort spielt bereits sein zwei Jahre jüngerer Bruder Rasmus, dem in dieser Saison ebenfalls endgültige Durchbruch gelungen ist. Er hat sich in der NHL bei den Calgary Flames einen Stammplatz erkämpft.

Die Enttäuschung

Nach Punkten pro Spiel hatte Alain Berger seine schlechteste Spielzeit als Profi hinter sich. Aus 67 Spielen resultierten gerade einmal zwei Tore und fünf Assists. In der vierten Linie des SC Bern ist er natürlich weniger für das Skoren zuständig. Mit seiner Grösse von 193 cm, die er aber oftmals zu wenig einsetzt, hätte aber er sicherlich das Potential für mehr. Der einstige Junioreninternationale verbrachte zwischen 2009 und 2013 je zwei Jahre in der OHL und in der AHL. Kein Wunder wurde Berger während der Saison immer wieder mit Langnau in Verbindung gebracht, wo sein älterer Bruder Pascal das C auf der Brust trägt.

Die Saisonausbeute

Das Saisonziel des SC Bern ist eigentlich jedes Jahr so einfach wie das Schiessen eines Tores. Entweder die Scheibe ist hinter der Linie oder nicht. Bei Bern heisst es: Meister oder Enttäuschung. Dementsprechend endet für die Berner eine erfolgreiche Saison mit dem dritten Titel innerhalb der letzten vier Jahre.

Ziel erreicht: Den Titel nach einem Jahr Pause wiederin die Hauptstadt gebracht. (JustPictures/Alexander Raemy)

Wie man den Titel geholt hat, spielt schliesslich keine Rolle mehr. Wenn der Puck die Linie überquert hat, ist die Art und Weise in den meisten Fällen egal. Ob mit strukturiertem, taktischem Defensivspiel oder mit dynamischem, offensiven Tiki-Taka-Eishockey spielt in der Endabrechnung keine Rolle. Deshalb heisst es so schön: Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive Meisterschaften. Und das war beim SC Bern der Fall.

Die Zukunft

Wie bereits in den vergangenen Jahren spricht man in den Sommerferien beim SC Bern mehr über grosse Abgänge als über grosse Zuzüge. Mit Leonardo Genoni verlässt einer der wichtigsten Einzelspieler der National League den Meister. Er wechselt zum wohl grössten Konkurrenten der Zukunft Zug. Vergleichsweise ist der Abgang von Jérémie Kamerzin zu Fribourg für die Berner höchstens ein kleiner Mückenstich. Ebenfalls noch zu diskutieren geben wird die Aktie Gaëtan Haas. Dieser hat seinen Vertrag zwar vorzeitig verlängert, jedoch eine NHL-Ausstiegsklausel in sein Arbeitspapier eingebracht. Der 27-Jährige würde ein Angebot aus Nordamerika auf jeden Fall annehmen. Eine starke Weltmeisterschaft könnte ihm natürlich die Türen weiter öffnen.

Den umgekehrten Weg könnte hingegen Vincent Praplan gehen. Er wird immer wieder mit Bern in Verbindung gebracht. Vieles hängt natürlich davon ab, ob er ein weiteres Angebot in Amerika erhält. Die Berner sind aber nicht unbedingt auf Praplans Verpflichtung angewiesen, denn mit Inti Pestoni haben sie bereits einen Flügelspieler verpflichtet, der sich nach seinem gescheiterten Abenteuer in Zürich doch noch bei einem Topklub durchsetzen möchte.

Das Erbe von Genoni tritt Niklas Schlegel an. Nachdem er in Zürich hinter Lukas Flüeler nie die Chance als Nummer 1 erhalten hat, will er sich in Bern nun beweisen. Zusammen mit Pascal Caminada bildet er das Goalie-Duo.

Mit Jeremi Gerber und Mika Henauer haben zudem zwei weitere Spieler aus dem eigenen Nachwuchs einen ersten Profi-Vertrag erhalten, die aber vermutlich zuerst an einen Klub der Swiss League ausgeliehen werden.

Bezüglich Ausländer setzen die Berner auf Konstanz. Andrew Ebbett und Mark Arcobello kennen die Organisation nun seit vier bzw. drei Jahren. Jan Mursak hat sich ebenfalls als guter Verstärkungsspieler erwiesen. Die Verträge von Adam Almquist und Zach Boychuk laufen hingegen aus. Verteidiger Almquist wird nach seinem harten Check wohl nicht mehr im Berner Trikot auflaufen, während Stürmer Boychuk erst während der Saison als fünfter Stürmer verpflichtet worden war. Beide werden den Verein vermutlich verlassen.

Zuzüge:

  • Niklas Schlegel (G)
  • Mika Henauer (D)
  • Jeremi Gerber (F)
  • Inti Pestoni (F)

Abgänge:

  • Leonardo Genoni (G)
  • Jérémie Kamerzin (D)

Ausländer:

  • Mark Arcobello (F)
  • Andrew Ebbett (F)
  • Jan Mursak (F)

Die Analyse des letzten Feriengängers:


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