Saisonanalyse 2018/19 - Dem EV Zug gehört die Zukunft

Der EV Zug hat die Vorherrschaft der Big Four nicht stürzen können und scheitert erneut im Final am SC Bern. HockeyInfo macht eine kurze Analyse zur Spielzeit der Zuger.

Best Player - EV Zug

Nachdem Lino Martschini in den letzten Jahren oftmals als zu weich für die Playoffs befunden worden war, liess er sich in dieser Saison eine neue Bestmarke aufstempeln. Auch wenn er im Final gegen Bern ziemlich gut aus dem Spiel genommen wurde, hatte er sich zuvor vor allem im Viertel und im Halbfinal von seiner besten Seite präsentiert. Mit siebzehn Torbeteiligungen war er der beste Punktesammler und mit sieben Toren der beste Torschütze der Playoffs 2019. So drängt er sich natürlich stark für ein WM-Aufgebot von Patrick Fischer auf.

Die Überraschung

Nach der letzten Saison schien für Sven Senteler der Abschied aus Zug nach vier Jahren praktisch vorprogrammiert zu sein. Er konnte nicht an seine gute Saison 2016/17 anknüpfen, in welcher er 18 Skorerpunkte gesammelt hatte. Mit nur noch sieben Torbeteiligungen schrumpfte seine Ausbeute um mehr als die Hälfte in der Saison 2017/18.

In dieser Spielzeit hat der 26-Jährige aber mindestens eine Schippe draufgelegt. Mit siebzehn Treffern in der Regular Season kratzte er in dieser Statistik an der Top Ten der gesamten Liga. Zudem bereitete er neun Tore vor. Und das, obwohl er oftmals nur in der dritten oder vierten Sturmreihe seinen Platz fand. So war es nicht erstaunlich, dass der Vertrag mit Senteler bereits im November um ein Jahr verlängert wurde.

In den Playoffs tauchte Senteler zwar etwas unter und erzielte in vierzehn Einsätzen nur noch zwei Tore und zwei Assists. Mit diesem wunderschönen Treffer machte er aber besonders auf sich aufmerksam.

 

Die Enttäuschung

Die grösste Enttäuschung der Zuger ist natürlich das erneute Scheitern im Final am SC Bern wie bereits 2017. Über die ganze Playoffs gesehen waren die Zuger eigentlich die spielerisch beste Mannschaft. Auch gegen Bern hatten sie mehr Spielanteile und mehr Schüsse aufs Tor. Durch den einen oder anderen Konzentrationsfehler in der eigenen Zone liessen sie aber plötzlich vermeidbare Gegentreffer zu, die es in der Regular Season nicht gegeben hatte. Das ist natürlich ärgerlich und enttäuschend zugleich. Die Vorherrschaft der Big Four bleibt - auch zur Enttäuschung vieler neutraler Fans - bestehen.

Die Saisonausbeute

Mit Dan Tangnes hatte Zug vor Saisonstart einen jungen und hungrigen Trainer verpflichtet, der in der Schweiz zwar unbekannt war, mit seinen 40 Jahren aber trotzdem schon viel Trainererfahrung mitbrachte. Die Zuger flogen - abgesehen von einer kleinen Baisse zu Saisonende - praktisch durch die Regular Season. In den Playoffs liessen sie Lugano und Lausanne im Viertel- bzw. im Halbfinal keine Chance. Das Experiment um Tangnes schien perfekt aufzugehen, bis man im Final an Kari Jalonens Bern scheiterte.

21 Jahre nach dem letzten und bisher einzigen Titel waren die Zuger Chancen auf den Meisterkübel berechtigt. Denn man spielte ein schnelles und dynamisches Eishockey, das zum Zuschauen attraktiv war. In der entscheidenden Phase fehlte Tangnes vielleicht etwas die Erfahrung und die Routine. Trotzdem war es ein erfolgreiches und vor allem sehr lehrreiches Jahr für Zug und Tangnes. Es wurde eine solide Basis unter dem neuen Trainer geschaffen, die noch viel Potential hat. Denn die Zukunft..

Die Zukunft

,...sie glänzt. Viel mehr kann man zur Zukunft des EV Zug nicht sagen. Die Zuger haben mit Leonardo Genoni den momentan besten Schweizer Torhüter und mit Gregory Hofmann einen der gefährlichsten Schweizer Feldspieler der Liga verpflichtet, die von der Konkurrenz ebenfalls gejagt wurden.

Es sind zwei teure Investitionen, mit denen möglicherweise die entscheidenden Puzzleteile für den zweiten Meistertitel nach einer 21-jährigen Durstrecke gefunden worden sind. Der fünffache Meister Genoni verbessert die Lage auf der Torhüterposition und ersetzt Tobias Stephan, der nun zum dritten Mal eine Finalserie verloren hat. Hofmann hat gerade die beste Saison seiner Karriere hingelegt und war mit über einem Punkt pro Spiel der beste Schweizer Skorer der Regular Season. Die Zuger ebenfalls verstärken wird Jérôme Bachofner. Der Stürmer kommt von den ZSC Lions und will sein Talent voll ausschöpfen.

Durch die Zuzüge der zwei Flügelspieler werden Reto Suri und Dominic Lammer die Innerschweizer in Richtung Tessin verlassen. Sie wechseln beide zu Hofmanns ehemaligem Arbeitgeber Lugano. Ebenfalls eine neue Herausforderung sucht Sandro Aeschlimann. Die nominelle Nummer 2 auf der Torhüterposition hat eine starke Saison hingelegt und gezeigt, möglicherweise sogar als Nummer 1 gewachsen zu sein. Hinter Genoni würde er dies aber nicht zeigen können. Deshalb hat er in Davos einen Vertrag unterschrieben.

Für die kommende Saison ist mit David McIntyre erst eine Ausländerposition besetzt. Ob der Kanadier allerdings bleiben wird, ist fragwürdig, da er in den Playoffs nicht immer gesetzt war. Dennis Everberg wird die Zuger definitiv verlassen und hat bei seinem Jugendverein einen langfristigen Vertrag unterschrieben. Die Verträge der restlichen drei Ausländer laufen ebenfalls aus. Der Playoff-Topskorer Garrett Roe wurde zuletzt stark mit den ZSC Lions in Verbindung gebracht. Carl Klingberg (3 Punkte in 11 Spielen) und Brian Flynn (6 Punkte in 13 Spielen) vermochten in den Playoffs nicht den Unterschied auszumachen. Deshalb ist sehr wahrscheinlich, dass die Zuger mit vier neuen Gesichtern in die nächste Saison starten werden.

Zuzüge:

  • Leonardo Genoni (G)
  • Gregory Hofmann (F)
  • Jérôme Bachofner (F)
  • Erik Thorell (F, neu)

Abgänge:

  • Tobias Stephan (G)
  • Sandro Aeschlimann (G)
  • Dominic Lammer (F)
  • Reto Suri (F)
  • Dennis Everberg (F)
  • Garrett Roe (F, neu)
  • Brian Flynn (F, neu)

Ausländer:

  • David McIntyre (F)
  • Erik Thorell (F, neu)

Die Analyse des letzten Feriengängers:


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