Saisonrückblick 19/20 - Der EV Zug und die schwierige Aufgabe des Titelfavoriten

Der EV Zug startete als absoluter Meisterfavorit in die Saison und konnte sich trotz anfänglicher Schwierigkeiten an der Spitze absetzen. In der letzten Runde vergaben die Innerschweizer den Qualifikationssieg dann aber doch noch.

Best Player

Einmal mehr zeigte Raphael Diaz eine ausgezeichnete Saison für den EV Zug. Mit zehn Toren und 21 Vorlagen war der 34-Jährige der viertproduktivste Spieler seines Teams und der fünftproduktivste Verteidiger der gesamten Liga. Seine Mischung zwischen offensiver Gefahr und defensiver Sicherheit ist in der National League einzigartig. Bei 5-gegen-5 kassiert Zug mit Diaz auf dem Eis pro 60 Minuten nur gerade 1.28 Gegentore. Das ist ein absoluter Spitzenwert und wird nur von Stefan Ulmer, Atte Ohtamaa und Paul Postma übertroffen. 

Raphael Diaz stand im Schnitt über 21 Minuten und somit am meisten auf dem Eis aller Zuger Feldspieler. (Just Pictures)

Die Überraschung

Mit erst 20 Jahren ist Luca Hollenstein bereits eine verlässliche Nummer 2 in der National League. Der mit nur 178 cm für einen Torhüter relativ kleingewachsene Schlussmann durfte in dieser Spielzeit vom zweifachen WM-Silbermedaillengewinner Leonardo Genoni lernen und musste diesen in elf Partien gar von Beginn an ersetzen. Dabei zeigte Hollenstein seine ganze Klasse und wies eine starke Fangquote von 91.2 Prozent auf. Ihm gehört definitiv die Zukunft. 

Die Enttäuschung

Im Sommer wechselte Jérôme Bachofner nach seiner Breakout-Saison bei den ZSC Lions zum EV Zug. Doch anstatt noch einmal einen Schritt nach vorne zu machen, war der 23-jährige Stürmer eine pure Enttäuschung. Mit nur vier Toren in 33 Spielen kam er keineswegs an seine Ausbeute der letzten Saison heran und zählte damit zu den Hinterbänklern im Team. 

Saisonfazit und Blick in die Zukunft

Der EV Zug hatte nach anfänglichen Schwierigkeiten den Tritt gefunden und spielte erwartungsgemäss ganz vorne mit. Einen Grossteil der Saison verbrachten die Zuger an der Spitze. Bis wenige Runden vor Schluss sahen sie wie der sichere Qualifikationssieger aus. Doch mit vier Niederlagen in den letzten fünf Spielen gaben sie Platz 1 am letzten Spieltag tatsächlich noch an die ZSC Lions ab.

Dass nun keine Playoffs gespielt werden, muss für die Zuger gar nicht so schlecht sein. Im ersten Jahr nach den Transfers von Gregory Hofmann und Leonardo Genoni war der Druck so gross, dass alles andere als ein Meistertitel eine Enttäuschung gewesen wäre. In der kommenden Saison ist der Erfolgsdruck zwar immer noch vorhanden, vermutlich aber nicht mehr so präsent in den Köpfen wie in dieser Saison. 

Erstmals seit vier Spielzeiten wird Zug dann wieder auf einen ausländischen Verteidiger setzen müssen. Aktuell befinden sich nämlich nur sechs Verteidiger unter Vertrag. Die Abgänge von Johan Morant, Miro Zryd und Thomas Thiry konnten nicht gleichermassen kompensiert werden. Mit dem bisher einzigen bekannten Zuzug Claudio Cadonau sowie der festen Integration von Dario Wüthrich in die erste Mannschaft kann die bereits in dieser Spielzeit nicht allzu breit aufgestellte Defensive nicht verstärkt werden. Deshalb scheint ein ausländischer Verteidiger unumgänglich.

Einige vielversprechende Spieler der EVZ Academy wie Luca Capaul, Jordann Bougro und Gianluca Zaetta werden die Organisation ebenfalls verlassen, wodurch vor allem etwas an Tiefe in der Organisation verloren geht. Mit nur zwölf Stürmern unter Vertrag werden die Zuger die Saison kaum überstehen und deshalb auf den einen oder anderen Spieler aus der Academy angewiesen sein. 

Eine Option wäre auch noch Calvin Thürkauf. Obwohl der 22-jährige Stürmer sein Debüt in der NHL gegeben hat, ist unklar, ob er von den Columbus Blue Jackets einen weiteren Vertrag erhält. Er wäre dank seiner Physis eine Bereicherung für das gesamte Spiel der Zuger.

Zuzüge

  • Claudio Cadonau (V)

Abgänge

  • Gianluca Zaetta (G)
  • Thomas Thiry (V)
  • Miro Zryd (V)
  • Johan Morant (V)
  • Luca Capaul (V)
  • Jordann Bougro (S)

Ausländer

  • Jan Kovar (S)
  • Carl Klingberg (S)
  • Erik Thorell (S)



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