Saisonrückblick 2020/21 - Der HC Fribourg-Gottéron in der Qualifikation Top, in den Playoffs Flop

Der HC Fribourg-Gottéron spielte eine ausgezeichnete Regular Season und beendete diese auf dem dritten Platz und somit der besten Platzierung seit sieben Jahren. Damit war allerdings noch nichts gewonnen und prompt schieden sie im Playoff-Viertelfinal aus.

Best Player

Killian Mottet hat lange nicht zu den Fanlieblingen der Schweiz gehört. Immer wieder machte das Eigengewächs des HC Fribourg-Gottéron mit Schwalben auf sich aufmerksam. Doch diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Zwar sammelte der 30-jährige Stürmer immer um die 30 Skorerpunkte, doch in dieser Saison übertraf er alle Erwartungen: Mit 23 Toren und 25 Assists absolvierte er seine mit Abstand beste Saison und zählt mittlerweile zu den gefährlichsten Schweizer Stürmern der Liga. Damit löst er Fribourgs Starspieler Julien Sprunger endgültig als den Schweizer Nummer 1 Skorer des Teams ab. Obwohl Mottet bereits in den letzten zwei Jahren nach der Qualifikation mehr Punkte als Sprunger auf dem Konto gehabt hatte, konnte er nie wirklich aus dessen Schatten springen. Doch nun heisst Fribourg nicht mehr Sprunger, sondern Mottet. Kein Wunder also, dass er sich erstmals berechtigte Hoffnungen auf eine WM-Teilnahme machen und sich in die Herzen aller Fans spielen kann.

 

Killian Mottet wurde mit 48 Punkten Topskorer des Teams vor Grössen wie Chris DiDomenico oder Viktor Stalberg und war in den Playoffs einziger Fribourger, der zwei Treffer erzielte. (JustPictures)

Die Überraschung

Die Karriere von Ryan Gunderson ist definitiv bemerkenswert. Über die amerikanische College League NCAA schaffte er den Sprung in die dritthöchste nordamerikanische Liga ECHL, in der eigentlich nur die Farmteams der Farmteams der ganz grossen NHL-Teams spielen. Gunderson kämpfte sich langsam nach oben, sodass er mit 24 Jahren schliesslich den Sprung in die AHL schaffte. Nach einem Jahr zog es ihn weiter in die zweithöchste schwedische Liga. Dort vermochte er so zu überzeugen, dass er nur ein Jahr später bereits in der höchsten schwedischen Liga engagiert wurde. Wie so üblich landete er dann auch noch in der KHL. Nach nochmals drei Jahren in Schweden hat der 35-jährige Verteidiger nun gerade seine zweite Saison in der Schweiz beendet. Hier zählt der Amerikaner zu den besten Verteidigern der Liga. Mit 45 Punkten in 51 Partien ist er mit grossem Vorsprung punktbester Abwehrspieler der National League geworden. Gunderson stand im Schnitt über 24 Minuten pro Spiel auf dem Eis, spielt Boxplay und Powerplay. Einen Grossteil seiner Punkte verzeichnete er mit einem Mann mehr auf dem Eis, was sicherlich mit ein Grund war, weshalb Fribourg das beste Powerplay der Qualifikation hatte. Die ganz grosse Karriere blieb Gunderson zwar verwehrt, doch er ist einer, der trotzdem den Unterschied ausmachen kann.

Die Enttäuschung

Vor zwei Jahren hatte Simon Le Coultre beim HC Genf-Servette regelrecht eingeschlagen, als er nach drei Jahren in der kanadischen Juniorenliga QMJHL in die Schweiz zurückkehrt war. Ähnliches erhoffte man sich beim HC Fribourg-Gottéron bei ihrem Eigengewächs David Aebischer, der zwei Jahre in derselben Liga verbrachte und an zwei U20-Weltmeisterschaften mit der Schweiz teilgenommen hatte. Doch die Rückkehr verlief nicht so erfolgreich wie beim um ein Jahr älteren Le Coultre. Der 20-jährige Aebischer erhielt zu Beginn zwar noch ordentlich Eiszeit, doch es wurde immer weniger. Schliesslich musste er für einige Spiele von der Tribüne aus zuschauen. Damit war er jedoch gar und gar nicht glücklich und fand in der Swiss League beim HC Ajoie Spielpraxis. Mit den Jurassiern schaffte er tatsächlich den Aufstieg und zeigte phasenweise sein Potential. Der Vertrag mit Fribourg wurde trotzdem aufgelöst. Die Erwartungen waren bestimmt auf beiden Seiten sehr hoch gewesen. Fribourg gibt somit eines der grössten Talente seines Jahrgangs an Konkurrent Rapperswil ab, bei dem Aebischer die nächsten Jahre sein Glück suchen will. 

Ausblick in die Zukunft

Wenn man mit dem Heimrecht in die Playoffs startet und dann gleich in der ersten Runde ausscheidet, ist es immer schwierig, eine Bilanz zu ziehen. Einerseits absolvierte man eine starke Qualifikation, andererseits war man nicht bereit, als es darauf ankam. Genau dies wird es wohl beim HC Fribourg-Gottéron auch heissen. Mit dem 3. Platz haben sie eine starke Regular Season absolviert, doch in den entscheidenden Spielen war womöglich etwas die Luft draussen. Wobei man auch sagen muss, dass sie am späteren Finalisten Genf-Servette gescheitert sind.

Viele Änderungen gibt es bei Gottéron im Hinblick auf die neue Saison nicht. Einzig Viktor Stalberg hat noch keinen neuen Vertrag. Jedoch ist es unwahrscheinlich, dass der 35-jährige Schwede nochmals einen Vertrag erhält, denn es stehen mit David Desharnais, Chris DiDomenico, Daniel Brodin und Ryan Gunderson bereits vier Ausländer unter Vertrag. 

Es gibt zwar nicht viele Zuzüge, dafür ist den Fribourgern ein richtiger Krachertransfer gelungen. Sie konnten mit Raphael Diaz den Captain der Nationalmannschaft verpflichten. Der 35-jährige Verteidiger unterschreibt einen stolzen Vierjahresvertrag bis 2025. Daneben steht nur noch Mauro Dufner als Neuzugang fest. Hingegen tritt Marc Abplanalp zurück und der Vertrag mit Youngster Aebischer wurde wie bereits erwähnt aufgelöst.

Die Verpflichtung von Diaz und der Abgang von Aebischer ist ein bisschen sinnbildlich für Fribourg und birgt auch eine gewisse Gefahr. Über die Hälfte des Teams ist bereits mindestens 30 Jahre alt. Die Abwehr mit Diaz, Gunderson und Philippe Furrer (alle 35 Jahre alt) ist äusserst routiniert, doch wehe sie büssen im Sommer ein paar Kilometer pro Stunde an Geschwindigkeit auf dem Eis ein. Dann kann es in der kommenden Saison plötzlich ziemlich schwierig werden gegen wirblige Teams. Man muss allerdings zugestehen, dass in der vergangenen Saison bei Fribourg auch vermehrt Nachwuchsspieler zum Einsatz gekommen sind. Gut möglich, dass dies in der kommenden Saison noch mehr der Fall sein wird, da das Kader ziemlich schmal besetzt ist. In der U20 der Fribourger ist auf jeden Fall das eine oder andere grössere Talent zu finden, nur darf nicht das gleiche Ende genommen werden wie bei Aebischer.

Zuzüge

  • Raphael Diaz (V, Zug)
  • Mauro Dufner (V, Rapperswil)

Abgänge

  • David Aebischer (V, Rapperswil)
  • Marc Abplanalp (V, MySports League)

Ausländer

  • Ryan Gunderson (V)
  • Chris DiDomenico (S)
  • Daniel Brodin (S)
  • David Desharnais (S)



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