Saisonrückblick 2020/21 - Die ZSC Lions weder enttäuschend noch überraschend

Nach dem Qualifikationssieg in der vergangenen Saison zeigten die ZSC Lions nur eine durchschnittliche Spielzeit. Der fünfte Rang ist keineswegs schlecht, doch wirklich erfreuend ist er ebenfalls nicht.

Best Player

Nach acht Jahren in Nordamerika und einer Saison in Russland kehrte Sven Andrighetto im Sommer zu seinem Jugendklub zurück. Bei den ZSC Lions unterschrieb er gleich einen Fünfjahresvertrag. Der flinke Flügelspieler hatte die Zürcher im Alter von 18 Jahren verlassen und sich via AHL bis in die NHL gekämpft, wo er für die Montréal Canadiens und die Colorado Avalanche über 200 Partien bestritten hat. Die Erwartungen waren gross, aber für Andrighetto war dies kein Problem. Der 28-Jährige brauchte zwar einige Spiele, um in den Rhythmus zu kommen. Doch danach legte er so richtig los. Am Ende der Qualifikation resultierten 55 Skorerpunkte aus 52 Spielen. Damit war er einerseits bester Schweizer Punktesammler, andererseits mit 27 Toren der beste Vollstrecker der gesamten Liga. Auch in den Playoffs übernahm Andrighetto die Hauptrolle. Nicht nur als Skorer, sondern auch als einer der Feuer ins Spiel brachte.

Sven Andrighetto wird auch an der Weltmeisterschaften in Riga mit der Nationalmannschaft unterwegs sein. (JustPictures)

Die Überraschung

Vor einem Jahr war Justin Sigrist nur einer von vielen Nachwuchstalenten bei den ZSC Lions, die in der höchsten Spielklasse hineinschnuppern durften. Zwar bestritt er schon damals über 40 Partien in der Qualifikation, allerdings hatte er dabei noch keine tragende Rolle. In dieser Spielzeit sah es jedoch ganz anders aus. Der 22-jährige Stürmer war ein wichtiger Bestandteil des Teams und sowohl im Powerplay als auch im Boxplay gesetzt. Mit zehn Toren und neun Assists zahlte er das Vertrauen zurück. Teilweise führte er gar die erste Linie zwischen dem Schweden Ryan Lasch und Andrighetto an. 

Die Enttäuschung

Lange galt Tim Berni als das grösste Talent seines Jahrganges. Der 21-jährige mit Jahrgang 2000 wurde deshalb 2018 von den Columbus Blue Jackets erwartungsgemäss gedraftet. Seither verläuft seine Entwicklung in sehr kleinen Schritten vorwärts. Eigentlich sollte er die Saison in Nordamerika verbringen, nachdem er einen Entry Level-Vertrag mit Columbus unterschrieben hatte. Diese liehen ihn jedoch für die ganze Spielzeit an die Zürcher aus. Seine Punkteausbeute liest sich dabei eher bescheiden. Mit vier Toren und drei Assists in 52 Partien liegt er nur auf Rang 7 in der internen Statistik der Verteidiger. Immerhin kamen in den Playoffs in neun Spielen drei weitere dazu. Will er in die NHL, dann muss er nun den nächsten Schritt machen. Ein gutes Beispiel dafür ist sein Altersgenosse Janis Moser, dessen Punkteproduktion in dieser Saison regelrecht explodiert ist.

Ausblick in die Zukunft

Die ZSC Lions haben eine Saison mit einigen Hochs und Tiefs hinter sich. Zwischendurch zeigten sie ein sehr überzeugendes Spiel, doch teilweise enttäuschten sie auch. Im Playoff-Viertelfinal gegen den Lausanne HC zeigten sie, dass sie spielerisch mit den besten mithalten können. Gegen den HC Genf-Servette war im Halbfinal dann trotzdem Schluss. 

Im Sommer wird der Kader nun etwas ausgedünnt. Roman Wick und Severin Blindenbacher, der keine einzige Partie bestritten hat, geben ihren Rücktritt. Axel Simic und Raphael Prassl suchen in Davos mehr Verantwortung. Tim Berni wird es wohl mit einem Jahr Verspätung doch noch in Nordamerika versuchen. 

Einziger Neuzugang ist bisher Justin Azevedo. Der 33-jährige Stürmer spielte acht Jahre lang in der KHL und war dort mit 361 Punkten in 480 Spielen einer der besten Spieler der Liga. Mit Ak Bars Kazan gewann er 2018 gar die KHL und wurde zum MVP der Playoffs ausgezeichnet. Der Kanadier mit portugiesischen Wurzeln hat das Potential, um ein dominanter Spieler der National League zu werden. Neben Garrett Roe, Marcus Krüger und Maxim Noreau ist er bereits der vierte Ausländer der Liga. Wenn Pius Suter, der noch einen weiterlaufenden Vertrag bei den Zürchern hätte, nach seiner starken Rookie-Saison in der NHL dort verlängert, werden sie sogar fünf Ausländer einsetzen können.

Zuzüge

  • Justin Azevedo (S, KHL)

Abgänge

  • Severin Blindenbacher (D, Rücktritt)
  • Tim Berni (D, Columbus Blue Jackets)
  • Axel Simic (S, Davos)
  • Raphael Prassl (S, Davos)
  • Roman Wick (S, Rücktritt)
  • Ryan Lasch (S, SHL)
  • Fredrik Pettersson (S, ?)

Ausländer

  • Maxim Noreau (V)
  • Garrett Roe (S)
  • Marcus Krüger (S)
  • Justin Azevedo (S)



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