Saisonvorschau 2022/23: HC Ambri-Piotta - Das erneute Hoffen auf ein Märchen

Heute beginnt die National League vorzeitig mit dem ersten Spiel der Saison. Spätestens am Freitag zur ersten Vollrunde hat HockeyInfo auf alle 14 Mannschaften den Blick geworfen. Heute im Fokus: HC Ambri-Piotta

Der HC Ambri-Piotta startet in seine zweite Saison in der neuen Gottardo Arena. Der Geist aus der altehrwürdigen Valascia konnte mitgenommen werden, denn nur so ist der sensationelle Schlussspurt mit sechs Siegen in Serie zu erklären. Doch trotz neuem Stadion und neuer Einnahmequellen, auf dem Papier kann Ambri finanziell noch lange nicht mit den Grossen mitreden.

Eine Fantasy-Aufstellung des HC Ambri-Piotta aufgrund der vergangenen Saison, Testspielen der Saison 2022/23 und Spekulation.

Da ist einerseits der Abgang von Michael Fora zu beklagen. Das 26-jährige Eigengewächs war Captain und eine Identifikationsfigur, trotzdem konnte er nicht länger gehalten werden. Dank der Erhöhung des Ausländerkontingents kann dieser Abgang mit einem zweiten ausländischen Verteidiger kompensiert werden. Tim Heed ist aus seiner Saison mit dem HC Lugano in der Schweiz bereits bestens bekannt und mit seinem gefährlichen Abschluss eine Verstärkung für das Powerplay. Dazu ist Jesse Virtanen verpflichtet worden, der 2019 zum besten Verteidiger der schwedischen Liga ausgezeichnet worden war. Es liegt an ihnen, die Offensive mit Pässen zu füttern und sich in das Angriffsspiel einzuschalten. Denn dahinter sind die Schweizer Verteidiger weniger für ihre offensive Brillanz bekannt. Die Geschwister Isacco und Zaccheo Dotti haben zwar beide ihre punktbesten Spielzeiten absolviert und gemeinsam mit neun Toren mehr Treffer erzielt als die ehemaligen Ausländer Peter Regin, Brandon Kozun und Juuso Hietanen zusammen. 

Erhoffte Verbesserung der Ausländerfraktion

Dies spricht natürlich überhaupt nicht für die Ausländer, vor allem nicht für die Stürmer Regin und Kozun, die sich bereits aus der KHL gekannt hatten. Trotzdem hatte das Duo nicht funktioniert. Jedoch steht bereits ein neues potentielles Traumduo vor der Tür: Die beiden Tschechen Michael Spacek und Filip Chlapik kennen sich aus Juniorenzeiten und sind nun im Tessin wieder vereint. Beide sind 25 Jahre alt und wurden 2015 von NHL-Organisationen gedraftet, konnten sich aber bisher noch nicht in der besten Liga der Welt durchsetzen und kehrten vor zwei Jahren nach Europa zurück. Spacek sammelte als Spielmacher in der Mitte fast einen Punkt pro Spiel in der schwedischen Liga und Chlapik wurde mit stolzen 31 Toren in der letzten Saison Topskorer in seiner Heimat. 

Die Hoffnung, den nächsten Dominik Kubalik gefunden zu haben, sitzt in Ambri natürlich im Hinterkopf, vor allem wenn der junge Ausländer auch noch aus Tschechien kommt. (JustPictures)

Die Mittelachse verstärkt zudem Nick Shore. Der 29-jährige Amerikander ist aus der Saison 2020/21 beim EV Zug bekannt, mit dem er den Meistertitel gewonnen hat. Shore gilt als kompletter Spieler, der sowohl hinten als auch vorne seine Stärken hat. Als siebten Ausländer hat Ambri mit Brandon McMillan verlängert. Der 32-jährige Kanadier überraschte in der letzten Saison mit seinem Kampfgeist und wurde direkt zu einem Publikumsliebling. Dementsprechend hat Ambri mit seiner Verlängerung bereits für mögliche Verletzungen vorgesorgt. 

Zauberer Juvonen im Tor - wie gut ist er wirklich?

McMillan wird auch zum Einsatz kommen, wenn Benjamin Conz im Tor steht. Die Nummer 1 gehört in dieser Spielzeit jedoch Janne Juvonen. Der 27-jährige Finne stiess im März für die letzten Spiele ins Tessin und war mit einer Fangquote von 93.5 Prozent der grosse Protagonist beim Endspurt in die Pre-Playoffs. Kann er diese fast utopische Fangquote auch in die neue Spielzeit übertragen, oder sehen wir den alten, eher bescheidenen Juvonen der Jahre zuvor? Denn in der KHL war seine Fangquote gar unter 90 Prozent und vor zwei Jahren in der schwedischen Liga bei durchschnittlichen 91 Prozent.

Schweizer haben das Potential

Vieles hängt in der kommenden Saison davon ab, wie gut die Ausländer spielen werden. Auf Schweizer Seite ist einiges an Potential vorhanden. Inti Pestoni, der nach seiner Rückkehr zu seinem Jugendklub gleich Topskorer wurde, Dario Bürgler und Dominic Zwerger können an einem guten Abend den Unterschied ausmachen. André Heim hat sich nach seinem Wechsel im letzten Sommer ebenfalls zu einem Leistungsträger entwickelt und drängt sich mehr und mehr für die Nationalmannschaft auf. 

Ein Problem könnte allerdings die fehlende Kaderbreite sein. Ohne den siebten Ausländer stehen nur elf Stürmer mit mindestens einer ganzen Saison National League-Erfahrung im Kader. Wiederum bietet das die Chance für die ehemaligen U20-Nationalspieler Lionel Marchand und Valentin Hofer, die den Wechsel ins Tessin vollzogen haben und sich dort einen Platz in der ersten Mannschaft erkämpfen wollen. Dass ihnen das gelingen kann, hat Heim in der vergangenen Saison gezeigt. 

HockeyInfos Prognose

Sportchef Paolo Duca hat im Sommer eine kompetitive Mannschaft zusammengestellt, die an einem guten Abend gegen jede Mannschaft um Punkte mitspielen kann. Die individuelle Klasse ist in den ersten zwei Linien auf jeden Fall vorhanden, dahinter schwindet die Qualität jedoch rasch. Es stellt sich die Frage, wie sehr die Ausländer und die jungen Talente einschlagen und ob Juvonen seine geniale Schlussphase wiederholen kann. Mit einem überragenden Schlussmann ist jeweils viel möglich. Trotzdem, der Abgang von Michael Fora wiegt schwer und mögliche Ausfälle können zu wenig kompensiert werden. Und erneut einen so sagenhaften Schlussspurt hinzulegen, wird mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht mehr gelingen.

Deshalb sagt HockeyInfo: Saisonende nach der Regular Season




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