HockeyInfo Saison-Vorschau 2020/21: Der HC Genf-Servette als Titelkandidat

Beim HC Genf-Servette ist nach dem Besitzerwechsel wieder etwas Ruhe eingekehrt. Dank einem starken Nachwuchs und schlauen Trades könnten die Genfer bereits im zweiten Jahr von Patrick Emond als Headcoach für eine grosse Überraschung sorgen.

Ausgeglichenes Goalie-Duo

Nach dem Abgang von Robert Mayer suchte Genf einen neuen Schlussmann, den man an die Seite von Gauthier Descloux setzen kann. Es traf sich daher perfekt, dass Daniel Manzato nach insgesamt acht Jahren im Tessin den Wunsch äusserte, wieder in die Westschweiz zurückzukehren. Mit dem 36-Jährigen haben die Genfer eine optimale Ergänzung zum erst 24-jährigen Descloux gefunden, der nun zwar auch schon einige Jahre auf höchstem Niveau spielt, aber verhältnismässig immer noch jung ist für einen Torhüter.

Durchbruch der Talente

Im vergangenen Sommer holten die Genfer mit Simon Le Coultre eines der grössten Verteidigertalente seiner Generation aus Nordamerika in die Schweiz zurück. Gleich in seiner ersten Spielzeit auf Profiniveau zeigte der 21-Jährige mit 19 Skorerpunkten in 50 Spielen, dass er das Vertrauen wert war. Neben Le Coultre stiess auch Roger Karrer zu den Westschweizern. Dieser schlug ebenfalls ein: Nachdem ihm zuvor bei den ZSC Lions in drei Jahren kein Treffer gelang, schoss der 24-jährige Verteidiger gleich sechs Tore und bereitete zudem weitere elf vor. Mit Enzo Guebey und Sandis Smons stehen zwei erst 21-jährige Eigengewächse im Kader, die in dieser Saison auf mehr Eiszeit in der ersten Mannschaft und somit den möglichen Exploit hoffen.

Dank den starken Auftritten in der National League erhielt Simon Le Coultre im Alter von 20 Jahren bereits seine ersten A-Nationalmannschaftsaufgebote. (JustPictures)

Ausgezeichnete Spielertrades

Nach den zwei Spielertrades mit dem Lausanne HC könnte man meinen, die Genfer haben zu sehr an Kaderbreite verloren. Dies ist aber nicht der Fall. Obwohl sie mit Tim Bozon, Petr Cajka, Guillaume Maillard und Floran Douay vier Spieler abgegeben haben, haben sie weiterhin 16 Stürmer im Kader. Mit Arnaud Riat (21), Deniss Smirnovs (21), Stéphane Patry (20) und Mathieu Vouillamoz (20) stehen nämlich viele Eigengewächse unter Vertrag, die mit der U20 zweimal Schweizermeister geworden sind und nur so auf Eiszeit auf Profiniveau drängen. Da der HC Sierre unabhängiger von den Genfer sein will, das heisst, die Genfer stellen nicht mehr so viel Spielermaterial zur Verfügung, hätten sie ohne den Trades nicht allen Spielern und Talenten genügend Eiszeit garantieren können.

Mit Joel Vermin und Tyler Moy haben die Genfer dafür einen Nationalspieler sowie einen Nati-Prospect erhalten. (Laut Swiss Ice Hockey ist man erst Nationalspieler, wenn man mindestens eine WM bestritten hat, ansonsten gilt man als Prospect.) Zudem stösst mit Damien Riat vorübergehend ein weiterer Nationalspieler zum Team, der im Sommer eigentlich einen Vertrag in der NHL bei den Washington Capitals unterschrieben hat. 

Beängstigendes Ausländerquartett

Ein Blick auf das Ausländerquartett der Genfer zeigt: Es ist eines der besten der Liga, wenn nicht sogar das beste. Alleine der Fakt, dass man sich darüber streiten kann, ob Henrik Tömmernes der beste Verteidiger der Liga ist, zeigt, dass er einfach eine Klasse für sich ist. Der 30-jährige Schwede kann regelmässig über 25 Minuten pro Spiel auf dem Eis stehen, verweist kaum Aussetzer und hat auch in der Offensive oftmals seinen Stock im Spiel. Dazu kommen die beiden Kanadier Eric Fehr und Daniel Winnik. Während Fehr eher einer für die dreckigen Tore vor der Hütte ist, kann Winnik die Tore aus allen möglichen Position erzielen. Der 35-jährige war in der vergangenen Saison mit 22 Toren der fünftbeste Torschütze der Liga.

Das bereits bestehende Trio ergänzt Linus Omark. Der 33-jährige Schwede ist in der Schweiz bestens bekannt. Nachdem er in der Saison 2012/13 75 Skorerpunkte in 60 Spielen gesammelt hat, braucht es wohl keine weiteren Worte mehr zum Edelkünstler. Neben der kanadischen Härte von Fehr und Winnik bringt der Skandinavier die spielerische Leichtigkeit mit, die den Genfern möglicherweise noch etwas gefehlt hat.

Zuzüge:

  • Daniel Manzato (S)
  • Joel Vermin (S)
  • Tyler Moy (S)
  • Linus Omark (S)
  • Damien Riat (S, Leihe)

Abgänge:

  • Robert Mayer (G)
  • Eliot Antonietti (V)
  • Jeremy Wick (S)
  • Floran Douay (S)
  • Guillaume Maillard (S)
  • Petr Cajka (S)
  • Tim Bozon (S)
  • Tommy Wingels (S)
  • Jordan Caron (S)

Ausländer:

  • Henrik Tömmernes (V)
  • Daniel Winnik (S)
  • Eric Fehr (S)
  • Linus Omark (S)

Kampf an der vorderen Front

Die Genfer haben sich im Hinblick auf die kommende Saison ausgezeichnet verstärkt. Omark, Vermin und Riat sind alles Spieler, die in der National League den Unterschied ausmachen können. Auch wenn Riat nur vorübergehend zu seinem Jugendklub stösst, kann er für die vielen jungen Nachwuchstalente ein Vorbild sein. Zusätzlich haben die Genfer mit Tanner Richard und Noah Rod zwei weitere mit 27 bzw. 24 Jahren noch relativ junge Nationalspieler im Kader. 

Dass Patrick Emond, der vor der vergangenen Saison ein grosses Fragezeichen war, auch auf Profiniveau ein Team coachen und die jungen Spieler weiterentwickeln kann, hat er zuletzt bewiesen. Für HockeyInfo zählt der HC Genf-Servette deshalb zu den besten Teams in dieser Saison: Platz 2

HockeyInfo Saisonprognose:

1.

2. HC Genf-Servette

3. EV Zug

4. HC Lugano

5.

6. HC Davos

 

7. HC Fribourg-Gottéron

8.

9.

10. SC Rapperswil-Jona Lakers

11. HC Ambri-Piotta

12. SCL Tigers




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