Saisonanalyse 2018/19 - Ambri lebt, Ambri feiert

Nach dem HC Lugano verabschiedet sich mit dem HC Ambri-Piotta auch die zweite Tessiner Mannschaft in die Ferien. HockeyInfo macht eine kurze Saisonanalyse zu jedem Team.

Best Player - HC Ambri-Piotta

Einer hat diese Auszeichung redlich verdient: Der Liga-Topskorer und von Tamedia zum MVP der Regular Season gewählte Dominik Kubalik ist einer der besten Ausländer der letzten Jahre, der seine Tore für Ambri geschossen hat. Mit 57 Punkten aus 50 Spielen war der 23-jährige Tscheche verdient der Topskorer der Regular Season. Auch in den Playoffs hat er sich nicht versteckt: 6 Punkte aus 5 Spielen ist seine Ausbeute.

Kubalik war im Ambri-Kollektiv der Schlüsselspieler, der oftmals den Unterschied ausgemacht hatte. Obwohl der Flügelspieler mehr als Vollstrecker gilt, hat er unzählige Game Winning Vorlagen zu seinen drei Game Winning Goals beigetragen. Aber er trug nicht nur mit seinen offensiven Fähigkeiten zur Playoff-Quali bei, sondern wurde auch immer wieder in Unterzahl eingesetzt.

Die Überraschung

Vor zwei Jahren wurde er von Fribourg nach Ambri abgeschoben, mittlerweile hätten sie ihn wohl gerne wieder zurück: Benjamin Conz. Der 27-jährige Torhüter hat wohl eine seiner besten Spielzeiten hinter sich und seine Mannschaft einige Male im Spiel gehalten. Die Fangquote von 91.8 % in der Regular Season ist seine beste seit sechs Jahren. Dabei darf nicht vergessen werden, dass der Jurassier noch viele gute Jahre vor sich hat. Kann er sich in der nächsten Saison noch einmal steigern und seine teilweise unnötigen Aussetzer abstellen, dann darf er möglicherweise sogar auf das erste Nationalmannschaftsaufgebot seit drei Jahren hoffen.

Benjamin Conz war in diesem Winter ein sicherer Rückhalt für die Tessiner. (TOPpictures/Sergio Brunetti)

Die Enttäuschung

Lorenz Kienzle kehrte im Sommer nach zwei Jahren bei Fribourg zurück ins Tessin. Diesmal wechselte er aber die Farben und unterschrieb für drei Jahre in Ambri. Dort kam er aber von Anfang an nicht in Fahrt. Er musste in der Hierarchie sogar hinter Isacco Dotti anstehen, der in der vergangenen Saison noch in der Swiss League verteidigte. Als er dann an die Ticino Rockets ausgeliehen wurde, um Spielpraxis zu sammeln, verletzte er sich zu allem übel. Damit war die Saison für ihn praktisch vorbei, denn in den Playoffs konnte er sich weiterhin keinen Platz in der Mannschaft erkämpfen und musste alle Spiele von der Tribüne aus zuschauen.

Die Saisonausbeute

Ambri hat mit dem Beenden der Regular Season auf Platz 5 und der Playoff-Qualifikation alle Erwartungen übertroffen. Das Saisonziel war schlicht und einfach der Ligaerhalt. Kaum ein Experte hatte Ambri nicht auf Platz 11 oder 12 gesehen. Nun wurden sogar die Playoffs erreicht und der erste Playoff-Sieg seit 13 Jahren gefeiert. Gestern ging eine erfolgreiche Saison mit dem Ausscheiden gegen Biel zu Ende.

 

Nach vielen schwierigen Jahren hat Ambri definitiv zurück zu seinen Wurzeln gefunden. Es geht nicht mehr darum, Altstars mit viel Geld in die Valascia zu locken, sondern die hoffnungsvolle Talente mit etwas weniger Gehalt umso mehr zu fördern. Die Erkenntnis, dass es funktioniert, ist fast noch mehr wert als die Playoff-Qualifikation. Denn aufgrund der finanziell beschränkten Mitteln schafft es Ambri nur so, sich mittel- und langfristig in der höchsten Schweizer Liga zu halten.

Die Zukunft

Die Nordtessiner haben als einziges Team noch keine Zuzüge für die kommende Saison kundgemacht. Dafür haben sie wichtige Vertragsverlängerungen vermelden können: Die Stürmer Dominic Zwerger und Marco Müller haben jeweils bis 2022 unterschrieben. Damit bleiben zwei Drittel der Toplinie mindestens auch im nächsten Jahr in der Leventina.

Beim dritten Element Dominik Kubalik ist noch alles offen. Der Tscheche hätte noch einen Vertrag für die kommende Saison, dieser beinhaltet aber eine NHL-Ausstiegsklausel. Wenn er also ein Angebot aus Übersee erhalten würde, dann hätte er freie Bahn.

Ansonsten werden den Klub bisher nur Samuel Guerra und Adrien Lauper verlassen. Der Abgang von Guerra nach nur einem Jahr schmerzt sicherlich, möglicherweise findet aber Lorenz Kienzle in der kommenden Saison zu seinem Spiel zurück. Er würde sich ebenfalls wie ein Neuzugang anfühlen. Lauper wird den Tessinern wohl mehr neben als auf dem Eis fehlen. Er hat sich in seinen fünf Jahren in Ambri zu einem Publikumsliebling entwickelt.

Im grossen und ganzen wird Ambri etwa gleich in die neue Saison starten. Alles andere als ein Verbleib von Trainer Luca Cereda und Sportchef Paolo Duca wäre überraschend. Die Arbeit wird in den kommenden Monaten wieder vermehrt im Büro stattfinden: Einerseits gilt es weiterhin das neue Stadion zu planen, andererseits muss man bei den Ticino Rockets eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammenstellen. Dort stellt sich natürlich die Ausländerfrage, aber es wird höchstwahrscheinlich auch einen neuen Kopf an der Bande der Rockets gesucht.

Zuzüge

  • keine

Abgänge

  • Samuel Guerra (D)
  • Adrien Lauper (F)

Ausländer

  • Nick Plastino (D)
  • Jiri Novotny (F)

Die Analyse des letzten Feriengängers:


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