Saisonrückblick 18/19 der NHL-Schweizer: Die Feriengänger im Check

Nach 1’271 Spielen ist die Regular Season 2018/19 der NHL beendet. Für fünf der dreizehn Schweizer hat es nicht geklappt mit der Playoff-Qualifikation. HockeyInfo checkt die Spielzeiten der fünf Feriengänger.

Nico Hischier: 69 Spiele, 17 Tore, 30 Assists, +/- 0

Die zweite Saison lief für Nico Hischier etwas komplizierter als sein Rookie-Jahr. Der Nummer 1 Draft von 2017 wurde gleich zweimal durch eine kleine Verletzung gestoppt und bestritt deshalb nur 69 der 82 Qualifikationspartien. Dadurch kam er mit 47 Skorerpunkten nicht ganz an seine Zahlen aus dem Vorjahr (52 Punkte) heran. Obwohl sein kongenialer Linienpartner Taylor Hall mehr als die Hälfte der Spielzeit verletzt ausgefallen ist, steigerte er seinen Punkteschnitt.

Der Nummer 1 Draft von 2017 wird nach dem Ausscheiden vermutlich erstmals an der Weltmeisterschaft zu sehen sein. (Rich Graessle/Icon Sportswire)

Hischier erhielt in seiner zweiten NHL-Saison mehr Verantwortung und stand durchschnittlich pro Spiel fast zwei Minuten mehr auf dem Eis. Zwischenzeitlich trug er sogar das «A» als Assistenz-Captain auf der Brust. Auch in Sachen Faceoffs legte der 20-Jährige zu. Mit 45.1 % gewonnener Bullys liegt er zwar immer noch deutlich unter dem Schnitt, hat sich aber um mehr als zwei Prozent gesteigert.

Seine grosse Schwäche ist und bleibt das Powerplay. Mit nur elf Punkten hat er nicht einmal einen Viertel seiner Ausbeute in Überzahl erzielt. Verglichen mit der Weltspitze ist das ein unterdurchschnittlicher Wert, bei dem Hischier noch viel Potenzial hätte.

Mirco Müller: 53 Spiele, 1 Tor, 10 Assists, -3

Nach der starken Weltmeisterschaft und dem Silbermedaillen-Gewinn in Dänemark hatte Mirco Müller das Vertrauen mit in die NHL genommen. Er war zu Saisonbeginn im ersten Verteidigungspaar neben Sami Vatanen gesetzt. Mit fünf Skorerpunkten aus den ersten neun Spielen startete er dementsprechend gut in die Saison. Nach 15 Spielen wurde er aber immer weniger eingesetzt, so dass er schliesslich über zehn Partien nacheinander als «Healthy Scratch» überzählig war. Mitte Saison fand er den Weg ins Kader zurück, bis er schrecklich Kopf voran in die Bande gestürzt und vom Eis getragen worden war. Glücklicherweise hat sich Müller bei dem Sturz nicht gröber verletzt und stand bei den letzten Saisonspielen bereits wieder im Einsatz.

In der oberen Graphik sind die Linienpartner von Mirco Müller zu sehen, in der unteren Graphik ist seine Eiszeit aufgezeichnet. (bild: HockeyViz)

Der 24-Jährige hat seine bisher beste Spielzeit absolviert und gezeigt, dass er mit den besten der Welt mithalten kann. Müller bringt alles mit, um sich noch besser in der NHL zu etablieren. Trotz seiner Grösse (191 cm) hat er sehr feine Hände, um das Spiel aufzubauen und in Zukunft noch mehr Skorerpunkte zu sammeln. In Sache Körpereinsatz hat sich Müller auf diese Saison hin schon extrem gesteigert. Er checkt seine Gegner nun viermal mehr als noch vor einem Jahr.

Müllers Vertrag läuft im Sommer aus. Er ist dann ein «restricted free agent», wodurch er weiterhin an die New Jersey Devils gebunden ist. Die Verteidigung der Devils ist weder qualitativ noch quantitativ besonders gut besetzt, weshalb alles andere als eine Vertragsverlängerung ziemlich überraschend wäre. Dabei dürfte sich Müller sicherlich über ein siebenstelliges Gehalt freuen.

Kevin Fiala: 64 + 19 Spiele, 10 + 3 Tore, 22 + 4 Assists, -11 (+) -12

Vor Saisonbeginn war nicht erwartet worden, dass Kevin Fiala die Saison nicht in Nashville beenden wird. Überraschenderweise ist es nun so gekommen. Nach mittelmässigen Leistungen mit den Nashville Predators wurde der Trade kurz vor der Deadline bekannt.

Nachdem Fiala vor einem Jahr scheinbar der Durchbruch in der NHL gelungen war, sammelte er bei den Predators zwar immerhin einen halben Punkt pro Spiel (64 Spiele, 32 Punkte). Die Erwartungen waren allerdings höher gesteckt und seine Minus-11-Bilanz war mit Abstand die schlechteste des Teams.

In Minnesota wurde der 22-Jährige als Gamechanger erwartet. Seine kompletten Fähigkeiten zeigte er allerdings noch nicht und so verpassten die Wild, welche bereits während der ganzen Saison ihre Mühe hatten, die Playoffs. Mit drei Tore und vier Vorlagen blieb er auch in Minnesota unter den Erwartungen. Zudem schaffte er es in 19 Spielen, die drittschlechteste Plus-Minus-Bilanz des ganzen Teams einzufahren (-12).

Das Defensivverhalten ist die grösste Schwäche des jungen Schweizers. Es ist schon extrem auffällig, wie oft er bei Gegentreffern auf dem Eis steht, auch wenn die Plus-Minus-Bilanz mit Vorsicht zu beachten ist und wie viele Scheiben er in der Offensive und beim Spielaufbau verliert.

Fialas Potenzial ist riesig, da sind sich die Verantwortlichen der Wild, aber auch viele andere Experten einig. Dementsprechend sind auch die Erwartungen hoch. Sein Entry Level Vertrag läuft aus, er wird seinen ersten Deal aushandeln müssen. Es wäre nicht erstaunlich würde er einen ein- oder zweijährigen Überbrückungsvertrag unterschreiben, um sein Potenzial definitiv abzuschätzen.

Links werden die Schüsse aufs Tor mit Kevin Fiala auf dem Eis mit dem Ligadurchschnitt verglichen. Je roter, desto mehr Schüsse. Wenn Fiala auf dem Eis steht, wurde es folglich oftmals gefährlich. 

Ohne Fiala sieht das ganze schon etwas weniger gefährlich aus. Aber: Auch bei den erhaltenen Schüssen sieht das ganze etwa ähnlich aus. Mit Fiala auf dem Eis ist also meist für Action gesorgt. (bild: HockeyViz)

Denis Malgin: 50 Spiele, 7 Tor, 9 Assists, -10

Denis Malgin hat eine schwierige Saison hinter sich. Er wurde zweimal durch kleine Verletzungen gestoppt. Wenn er spielte, dann musste er sich oftmals mit unterschiedlichen Linienpartnern zurechtfinden. Auch seine Eiszeiten variierten stark: Teilweise kam er bis zu 18 Minuten zum Einsatz, andere Male waren es nicht einmal zehn Minuten.

In der oberen Graphik sind die Linienpartner von Denis Malgin zu sehen, in der unteren Graphik ist seine Eiszeit aufgezeichnet. (bild: HockeyViz)

In der vergangenen Saison hatte er eine Zeit lang in den Top Six mit Jonathan Huberdeau (diese Saison 92 Punkte!) und Vincent Trocheck (lange verletzt, 34 Punkte) verbracht. In dieser Spielzeit kam er genau zu zwei Einsätzen mit den oben genannten Spielern. Ohne die hinteren Spieler der Florida Panthers schlecht zu reden, erhielt Malgin in den Bottom Six weniger Unterstützung und war mehr von sich selbst abhängig, weshalb auch seine Punkteausbeute etwas gesunken ist.

Alles in Allem war Malgin ein sicherer Wert bei den Panthers und sammelte angesichts seiner nicht einfachen Rolle gute 16 Skorerpunkte. Seine Flexibilität - er kann als Center und als Flügel eingesetzt werden - gab ihm sicherlich einen Pluspunkt. Nun läuft der dreijährige Entry Level Vertrag aus. Malgins Rechte gehören weiterhin den Florida Panthers. Der 22-Jährige darf wohl kaum mit einem hohen Millionen-Vertrag rechnen, trotzdem wird er vermutlich im Sonnenstaat bleiben.

Sven Bärtschi: 26 Spiele, 9 Tore, 5 Assists, -9

Seit sich Sven Bärtschi in der NHL etabliert hat, war er in keiner Saison von Verletzungen verschont geblieben. Dabei machten dem Schweizer vor allem Gehirnerschütterungen zu schaffen, was in dieser Saison zu einer mehrmonatigen, später aufgrund zurückkehrenden Symptomen nochmals mehrwöchigen Pause geführt hatte.

So bestritt Bärtschi in dieser Spielzeit nur 26 Spiele mit den Vancouver Canucks. Nach einem erfolgreichen Saisonstart und einer erfolgreichen ersten Rückkehr blieb er in den letzten Spielen mehrheitlich blass. Insgesamt skorte er aber 14 Mal und zählte mit seinen neun Saisontoren trotz deutlich weniger Spielen zu den besten zehn Schützen der Canucks.

Mit mehreren vielversprechenden Talenten in der Organisation haben die Canucks eine glorreiche Zukunft vor den Augen. Bärtschi wird voraussichtlich noch zwei weitere Jahre ein Teil davon sein. Wenn er endlich einmal eine verletzungsfreie Saison hat, wird er seinem Team noch sehr viel geben können und als Flügel in den Top Six die Canucks zu einem besseren Team machen.

Für die weiteren Schweizer sind Playoffs angesagt

Für Roman Josi, Yannick Weber (beide Nashville Predators), Timo Meier (San Jose Sharks), Nino Niederreiter (Carolina Hurricanes), Sven Andrighetto (Colorado Avalanche), Dean Kukan (Columbus Blue Jackets), Jonas Siegenthaler (Washington Capitals) und Luca Sbisa (New York Islanders) ist die Saison noch nicht beendet. Ihre Teams werden ab dem 10. April in die Playoffs 2019 starten und um den Titel kämpfen. Die grössten Chancen dafür haben sicherlich Timo Meier mit den San Jose Sharks und Roman Josi und Yannick Weber mit den Nashville Predators. Jonas Siegenthaler wird den amtierenden Stanley Cup Sieger Washington als Ergänzungsspieler anfeuern.


Leser-Kommentare